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  • Bericht
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  • Ibrahim G.
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  • 18.01.2012

Famulatur in Malaysia

Mit "Selamat datang ke Malaysia!" (Herzlich Willkommen in Malaysia!) begann meine erste Famulatur in einem asiatischen Land. In den folgenden neun Wochen sollte ich die kulturelle Vielfalt Malaysias hautnah erleben. An meinem ersten Tag empfing mich ein Blumenmeer am Eingang des Lam Wah Ee Hospitals in Penang. Eher unfreiwillig landete ich erst einmal auf der kardiologischen Station.

Kardiologe Dr. Liew und der Autor des Berichtes
Alle Fotos: Ibrahim G.

 

Motivation

Für meine Famulatur wollte ich unbedingt in ein asiatisches Land, welches medizinisch und kulturell viel zu bieten hat. Meine Wahl fiel sehr schnell auf Malaysia, ein Land, das über eine interessante Geschichte verfügt. Zudem ist es dort sicher, und es wird Englisch gesprochen. Ich wollte das Motto, Satu Malaysia - Ein Malaysia, hautnah erleben und sehen, wie die verschiedenen ethnischen Gruppen friedlich zusammenleben.

Bewerbung

Ich habe mich ungefähr acht Monate zuvor direkt am Lam Wah Ee Hospital (LWEH) mit einem Motivationsschreiben, einem Empfehlungsschreiben des Dekans und meinem Lebenslauf beworben. Eine Antwort erhielt ich erst nach zwei Monaten. Generell machen viele Studenten, besonders aus Deutschland, eine Famulatur im LWEH. So traf ich während meiner Famulatur Studenten aus Dresden und Leeds.

Für die Famulatur selbst musste ich keine Gebühren zahlen, es gab aber auch keine Vergütung.

 

Formalitäten

Als deutscher Staatsbürger bekam ich bei der Einreise automatisch ein kostenfreies Visum für 90 Tage, welches bei einer Aus- und Wieder-Einreise automatisch erneuert wird. Weiter habe ich eine Auslandskrankenversicherung für 90 Tage beim ADAC abgeschlossen, was mich 81 Euro kostete.

Jeder, der nach Malaysia möchte, sollte sich rechtzeitig um die Impfungen kümmern. Ich ließ mir folgende Impfungen verabreichen:

Als Malariaprophylaxe sind eine "Standy-By-Medikation" mit Malarone-Tabletten sowie Moskitosprays (NoBite) empfehlenswert.

 

Unterkunft/Kosten

Eine Unterkunft musste ich selbst organisieren - das Krankenhaus hat von Anfang an klargestellt, dass es keine Zimmer anbietet. Dafür bekamen wir als Studenten das Mittagessen zu einem erniedrigten Preis. Generell ist es in Penang nicht teuer. Ein gutes Abendessen kostete oftmals weniger als 20 RM (etwa 4 Euro). Außerdem ist es sehr günstig in die umliegenden Länder zu reisen - ich selbst war in Thailand und Singapur.

 

Sprache

Mit guten Englischkenntnissen konnte ich mich im Krankenhaus und ganz Malaysia problemlos verständigen.

 

Anreise/Transport

Mein Flug ging von Frankfurt nach Penang über Bangkok und zurück, und kostete etwa 1.000 Euro. In Penang selbst konnte ich für sehr wenig Geld mit dem Bus fahren, jedoch sind die Busse oft unzuverlässig und beachten nicht den Fahrplan.

Selamat datang ke Malaysia! - Herzlich Willkommen in Malaysia!

Nach zwölf Stunden Flugzeit kam ich in Penang/Malaysia an, aufgeregt neun Wochen hier zu verbringen und meine erste Auslandsfamulatur zu beginnen.

 

Das Lam Wah Ee Hospital

Das LWEH ist mit ungefähr 700 Betten das größte private Krankenhaus in Georgetown/Penang, der zweitgrößten Stadt Malaysias. Es ist sehr modern ausgestattet und kann mit deutschen Standards mithalten. Das Krankenhaus ist als ein "private not-for-profit charity hospital" eingetragen, das heißt, die Behandlungskosten sind gering und die Ärzte bekommen nur 60% des Gehalts eines Arztes, der privat praktiziert.

Das LWEH genießt aufgrund der guten Ausbildung der Ärzte einen sehr guten Ruf über die Landesgrenzen hinaus.

Das System im LWEH erinnert stark an das amerikanische oder britische System. Die Verwaltung und die Dokumentation werden auf Englisch abgewickelt und es gibt verschiedene Komfort-Klassen bei den Krankenzimmern. In einem Zimmer auf der kardiologischen Station mit sechs Betten kostet eine Nacht 25 RM (5 Euro), im Zwei-Bettzimmer 195 RM (39 Euro) und im Einzelzimmer 315 RM (63 Euro).

 

Lam Wah Ee Hospital in Penang

 

Folgende Abteilungen sind im LWEH vertreten:

Etwa fünfzig Prozent der Patienten kommen aus Sumatra Indonesien.

 

Erster Tag

Am ersten Tag empfing mich das Lam Wah Ee Hospital (LWEH) mit seinem prächtigen Eingang, der mit Löwenstatuen und Blumen geschmückt war. Weiter fielen mir die Mitarbeiter in Uniformen auf, die am Eingang mit Rollstühlen auf hilfebedürftige Patienten warteten. In der großen Eingangshalle schlug mir die eiskalte Luft der Klimaanlage entgegen, und gleich als nächstes war ich erstaunt über die enorme Anzahl der Mitarbeiter: Überall liefen Angestellte mit Uniformen in verschiedenen Farben herum.

Als ich mich zum Administration Office im ersten Stock durchgeschlagen hatte, begrüßte mich Mary Silva, die meine Bewerbung bearbeitet hatte und in einem Raum mit ungefähr zwanzig weiteren Sekretärinnen arbeitete. Sie teilte mir mit, dass ich nicht in der Gastroenterologie-Abteilung arbeiten darf, da die Ärzte aufgrund der Schweinegrippe zu beschäftigt wären. Zu dieser Zeit verzeichnete Malaysia 67 H1N1-Tote.

Ich wunderte mich, aber wie ich später erfuhr, übernehmen die Gastroenterologen in Malaysia auch die Funktion eines deutschen Hausarztes und hatten deshalb mit H1N1-Fällen ausreichend zu tun. So entschied ich mich kurzerhand für die Kardiologie.

Nachdem ich je 50 RM Pfand (etwa 10 Euro) für mein Namensschilder hinterlegt hatte, wurde ich einem Consultant (Oberarzt) zugeteilt. Die meisten Abteilungen sind mit mindestens zwei Consultants besetzt - die Anästhesie hatte zum Beispiel fünf Consultants.

 

Eingangshalle des LWEH

 

Klinikalltag

Mein Oberarzt in der Kardiologie war Dr. Liew Chee Tat, der eine Gesichtsmaske trug, um sich vor der Schweinegrippe (H1N1) zu schützen. In Dr. Liews Praxis arbeiteten zwei, manchmal auch drei Arzthelferinnen.

Morgens stand die Visite auf der Station an, gefolgt von der Sprechstunde und Angiographien, wenn welche anstanden. Ich verstand Dr. Liews Englisch anfangs sehr schlecht, doch nach einer Weile legte sich das und ich unterhielt mich mit Dr. Liew angeregt über die Ausbildung der Mediziner in Deutschland und Malaysia.

So erfuhr ich auch, dass die meisten Ärzte im LWEH mindestens einen Teil ihrer Ausbildung in Großbritannien oder Australien absolvieren.

Den Hauptteil der kardiologischen Patienten bildeten die Chinesen, die meistens "Hokkien" oder "Mandarin" mit Dr. Liew sprachen, so dass er für mich übersetzen musste. Bei jedem Patienten erfolgte eine Blutdruckmessung und bei Bedarf eine EKG-Ableitung. Die Erkrankungen waren die gleichen wie in Deutschland.

So kamen viele Personen mit Hypertonie, Hypercholesterinämie oder Rhythmusstörungen zum Arzt. Es erstaunte mich, wie viel bei der Auskultation zu hören ist und sich daraus neue Diagnosen ergeben: Vorhofflimmern, fortgeschrittene Mitralstenosen und Herzfehler lauteten die Diagnosen Dr. Liews - selbst bei Patienten im hohem Alter.

 

Kardiologe Dr. Liew, seine drei Krankenschwestern und Ibrahim

 

Insbesondere indonesische Patienten zeigten diese Symptome. Da sie aufgrund der schlechten Reputation der Ärzte dort nicht früh und regelmäßig zum Arzt gehen, kommen sie oft zu spät nach Malaysia. Meist bleibt nur noch eine symptomatische Therapie als Ausweg, denn die sehr teuren Interventionen, zum Beispiel Valvuloplastien, können sie sich nicht leisten.

Auffällig war, dass die Patienten niemals allein kamen, immer war der Großvater, der Sohn oder der Enkel dabei, manch einer brachte seine halbe Großfamilie mit. Die Untersuchungszimmer waren somit ständig überfüllt. Die Wartebereiche erinnerten eher an einen Flughafen als an ein Krankenhaus. Trotzdem liefen die Untersuchungen sehr ruhig ab.

Ich bekam mit der Zeit ein gutes Bild von den Arbeitsbedingungen eines malaysischen Arztes. Mein Kardiologe fing seinen Tag um 9.00 Uhr mit der Visite an und machte "offiziell" gegen 17.30 Uhr Schluss, wobei auch hier Überstunden an der Tagesordnung waren. Das Ausfüllen der Versicherungspapiere der Patienten verschlang enorm viel Zeit, so dass die Patienten manchmal lange auf den Arzt warten mussten.

Insgesamt jedoch war der Umgang miteinander sehr höflich und ich hatte den Eindruck, dass der Arztberuf hier immer noch sehr hoch angesehen wird und die Ärzte mehr respektiert werden als bei uns. Die Sprechzimmer von vielen Ärzten waren voller Geschenke der Patienten.

Nach drei Wochen in der Kardiologie wechselte ich in die Pädiatrie zu Dr. Chua, 63-jährig, aber immer noch dynamisch. Er hatte eine lange Erfahrung mit Studenten und präsentierte mir stolz ein Deutsch-Englisches Medizinwörterbuch, welches er von einem früheren deutschen Studenten geschenkt bekommen hatte.

Der Alltag in der Pädiatrie bestand hauptsächlich aus Impfungen und Untersuchungen der Neugeborenen.

Dr. Chua gab sich Mühe, mir soviel wie möglich zu zeigen. Er schickte mich auch auf andere Stationen, damit ich mir interessante Fälle wie ein Kawasaki-Syndrom sowie Normalgeburten und Kaiserschnitte zu sehen bekam. Er ließ mich körperliche Untersuchungen durchführen und erklärte stets sehr ausführlich die diagnostischen und therapeutischen Schritte.

 

Ibrahim mit HNO-Arzt Dr. Gopalan

 

Schließlich verbrachte ich die letzten drei Wochen in der HNO bei Dr. Gopalan. Auch hier wurde ich sehr herzlich aufgenommen. Dr. Gopalan war sehr nett und lud mich sogar zu einem Abendessen mit seiner Familie zu sich nach Hause ein - vorher hatte er mich schon unzählige Male zum Mittagessen in indische Restaurants gefahren.

Diese offene herzliche Art der Menschen beeindruckte mich am meisten. Nach kurzer Zeit kannte mich fast jeder im Krankenhaus. Wildfremde Mitarbeiter sprachen mich mit Namen an und luden mich ein, sie in ihren Abteilungen zu besuchen.

Land/Kultur/Freizeit

Malaysia hat unheimlich viel zu bieten. In meiner Freizeit besuchte ich mit meinem Kommilitonen unzählige Museen, Kirchen, Moscheen, hinduistische sowie buddhistische Tempel, Parks, Gärten und Strände. In den großen Einkaufszentren in Georgetown lässt sich fast alles günstiger erwerben. Die kulinarischen Angebote waren unschlagbar - die ethnische Vielfalt Malaysias spiegelt sich am intensivsten in diesem Bereich wider.

 

Fazit

Die Menschen, welche stets sehr nett und hilfsbereit waren, machten den Aufenthalt in Malaysia zu einem schönen Erlebnis. Auch im Krankenhaus war das Arbeitsklima sehr angenehm: Die hilfsbereiten Angestellten unterstützten mich in jeder Hinsicht und hatten immer ein offenes Ohr.

Bis in das LWEH war die ethnische Vielfalt dieses Landes erlebbar, wo hauptsächlich Chinesen, aber auch Malaien und Inder nebeneinander arbeiteten. In medizinischer Hinsicht habe ich viel gelernt und Krankheitsbilder entdeckt, die mir aus Deutschland nicht vertraut waren.

Aber auch außerhalb des Krankenhauses gibt es unzählige Dinge über die asiatischen Kulturen zu entdecken. Ich kann jedem eine Famulatur in diesem wunderschönen Land nur empfehlen.

 

Links

Lam Wah Ee Hospital
141, Jalan Tan Sri Teh Ewe Lim

11600 Penang, Malaysia

Tel: 604 - 6571 888 / 6528 888
Fax: 604 - 6570 940
Hotline: 604 - 6571 898

hlwe@po.jaring.my

Ansprechpartner für Bewerbungen

Ms. Mary Silva (Administration Office)

msadmin@hlwe.com

Kommentar

Ich selbst war im März 2011 für 3 Wochen als Famulant im Hospital Lam Wah Ee in der Pädiatrie und kann die guten Erfahrungen nur bestätigen. Das 1-zu-1-Teaching von Dr. Chua Che Peng war anfänglich etwas schwierig (aufgrund des doch recht gewöhnungsbedürftigen Akzentes), aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase war auch das kein Problem mehr und ich wurde mehr als herzlich von den Ärzten aufgenommen. Teaching wird wirklich groß geschrieben und es ist keinerlei Problem auch einige Tage in anderen Fachbereichen zu hospitieren. Insgesamt war es ein unvergessliches Erlebnis aufgrund von Land, Leuten und der tollen Betreuung. Meine Bewerbung habe ich per Mail glücklicherweise ca. 1 Jahr vor Beginn abgeschickt, da es diverse Komplikationen gab und ich die Zusage im Endeffekt erst 3 Monate vor Beginn der Famulatur erhielt. Die oben genannte Ansprechpartnerin für Bewerbungen ist auch immer noch aktuell! Fazit: Etwas Zeit mitbringen und los gehts!!! Mareike Klatt

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