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  • Bericht
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  • Michael Söte
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  • 22.06.2015

Famulatur in der friesischen Karibik - Inselklinik Wyk auf Föhr

Wie vereinbart man Fernweh, Inselfeeling und eingeschränktes Budget? Eine Famulatur auf Föhr macht’s möglich.

 

Sonnenaufgang auf Föhr. Foto: Michael Söte

 

Motivation


Auf der Suche nach einer günstigen Alternative für eine Famulatur bin ich auf die Inselklinik in Wyk auf Föhr aufmerksam geworden. Da ich die Famulatur zusammen mit meiner Freundin machen wollte, haben wir uns ca. ein Jahr vor der geplanten Famulatur um die Bewerbung gekümmert.


Vorbereitung


Nachdem ich mich im Internet auf der Seite des Klinikverbundes informiert hatte, war das Bewerbungsverfahren denkbar einfach – nämlich per Mail-Die entsprechenden Kontaktdaten waren gut und einfach über die Homepage zu finden. In der Antwortmail wurde dann der benötigte Papierkram aufgezählt. Ich packte die geforderten Kopien in einen Umschlag, und ab die Post. Dann klärte ich Details zu Anreise, Unterkunft, Verpflegung und ähnliches in sehr netten Telefongesprächen mit den zuständigen Sachbearbeiterinnen.

 


"Inselklinikum Wyk auf Föhr" hört sich zunächst zwar nach großer weiter Welt oder gar einem Schauplatz der ein oder anderen karibischen Daily-Soap an, tatsächlich liegt es aber immer noch Deutschland. Somit braucht man keinerlei Visum, Arbeitserlaubnis oder Genehmigungsverfahren. Selbst auf spezielle Schutzimpfungen habe ich tollkühn verzichtet. :-)


Anreise


Grundsätzlich reist man innerhalb Deutschlands am besten per Zug, Bus oder Auto an. Nur die Überfahrt von Dagebüll nach Föhr sollte man vorab organisieren. In den Sommermonaten gibt es zwar reichlich Fährfahrten im Fahrplan, die aber durch die vielen Touristen und Ausflügler oft ausgebucht sind. Hier gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Föhr gehört nicht zu den autofreien Inseln, sodass wir unser Auto mit "rüber" genommen haben. Ein kostenfreier Parkplatz wurde uns gestellt.       

Strand auf Föhr. Foto: Michael Söte       

 

Unterkunft


Untergebracht waren wir in einer kleinen, gepflegten Wohnung inmitten der Fußgängerzone, ganze 45 Sekunden vom Strand entfernt! Allerdings gibt es direkt am Krankenhaus auch Personalwohnungen. Ob wir jetzt einfach Glück hatten, dass das Wohnheim voll belegt war oder grundsätzlich auch Stadtwohnungen mit Studenten belegt werden, kann ich nicht sagen.

 

Die Wohnung hatte eine kleine ausgestatte Küche, ein Bad und ein kombiniertes Wohn-/Schlafzimmer mit kleinem Balkon. Der Parkplatz befand sich gleich hinter dem Haus. Monatlich haben wir pro Person 140€ dafür bezahlt - ein für meinen Finanzrahmen absolut vertretbarer Preis.       

 

Das Krankenhaus

Wer hier eine Famulatur anstrebt, kommt in den Genuss, das kleinste Akutkrankenhaus Deutschlands kennen zu lernen. Auf der einen und auch einzigen Station gibt es 16 Betten, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ,das letztendlich eine Ambulanz oder Nothilfe ist ), eine Diagnostikabteilung mit eigenem Labor, Röntgen, CT, Gastro, Sono, Schrittmacher und LZ-EKG-Ambulanz und einen OP. Auf der Station gibt es zudem ein Intensivzimmer.

 

In der Klinik arbeiten je zweichirurgische und zwei internistische Chefärzte, dazu kommen noch fünf Assistenzärzte für beide Disziplinen. Die Anästhesie wird von zwei "Belegern" gestellt, zusätzlich gibt es im Haus eine gynäkologische Praxis. Das Pflege - und Funktionsbereichpersonal war stets für mehrere Bereiche zuständig und ausgebildet. Beispielsweise war die Röntgenassistentin auch gleichzeitig für das Labor zuständig und die OP-Schwester machte auch die Narkoseeinleitungen.

 

Wir waren zwei Famulanten dort, am ersten Tag teilte man uns auf. Einer von uns sollte auf die Station, der andere in das MVZ. Nach der Hälfte der Zeit haben wir dann gewechselt.
Der Tagesablauf ist schnell erklärt. Morgens um 7.30 Uhr trafen wir auf Station ein, um Blut abzunehmen. Eigentlich hätte diesen Job auch einer alleine übernehmen können, da wir aber im Sommer dort waren, war Hauptsaison und eine Menge Touristen auf der Insel. Und viele Touristen haben viele Wehwechen: zeitweise war das Krankenhaus mit bis zu 30 Patienten belegt! Bei 16 Regelbetten ist das logistisch gar nicht so einfach.

 

Egal wie viele Blutentnahmen es gab: pünktlich erscheinen zur Frühbesprechung war Pflicht! Die fand jeden Morgen im Sprechzimmer des chirurgischen Chefs statt. Inhalt war die Übergabe des Nachtdienstes, die Röntgenbesprechung der Bilder des Vortages und das Festlegen des Tagesprogrammes. Dann ging es für mich auf Station oder ins MVZ. Auf Station stand das "übliche" an, sprich: Visite, Aufnahmen, Entlassungen, Blut abnehmen, Zugänge legen, telefonieren und verlegen und Briefe schreiben.

 

Verlegen war dabei oft das interessanteste. Um einen Patienten zeitgerecht in eine andere Einrichtung zu bekommen, war schon mal die Koordinierung von Krankentransportwagen, Fähre, Hubschrauber und DGzrS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) nötig - alles für ein MRT. So eine Insel bietet schon Besonderheiten.

 


Im MVZ gleicht das Tagesgeschäft einer chirurgischen Ambulanz. Umgeknickt beim Wattspaziergang, Scherbe im Finger, Panaritium und Rückenschmerz. Wir Famulanten machten Anamnesen und Patientenvorstellungen, sonst gab es für uns eher nicht so viel praktische Tätigkeiten. Operiert wurde elektiv an zwei Tagen die Woche, dabei wurde ein orthopädisch, unfall- und viszeralchirurgisches Spektrum abgedeckt. Von Endoskopie der Galle über Hüft-TEP, Magenperforation zu Leistenhernie haben wir als Famulanten mit am Tisch gestanden. Für die Klinik war das ein echter Luxus, denn sonst steht der Operateur mit der instrumentierenden Schwester alleine am Tisch.

 


Das Mittagessen war in der Klinik für uns Studenten kostenlos Theoretisch hätten wir dort auch frühstücken können, allerding haben wir das lieber in unserer Wohnung gemacht. Arbeitskleidung wurde uns ebenfalls gestellt und im Krankenhaus gewaschen. Studentenunterricht gab es nicht, aber wir waren ja auch nur zu zweit. Auf Station waren wir begehrte Arbeitskräfte.

 

Das MVZ ist der Wirkungsbereich der Chefs, dort ist man als Student nur Beiwerk und schaut eher zu als das man selbst etwas macht. Das Verhältnis zu den Assistenten war sehr freundschaftlich-kollegial. Auch die Chefärzte sind höflich und interessieren sich mal mehr, mal weniger für uns Studenten. Das Pflegepersonal ist allgemein nett und ohne Reviergehabe.

Foto: Michael Söte       

 

Freizeit


Normalerweise war um 16 Uhr für uns Feierabend - und den kann man auf Föhr vielfältig gestalten. Windsurfen, Wellenreiten, Segeln, Wattwandern, am Strand liegen, im Meer schwimmen, Amrum besuchen (ein Muss!!), per Fähre nach Sylt oder Dänemark, Katamaran fahren, Beachvolleyball, Kino, Robbenbänke beobachten, Freiluftkonzert, "Wyk on Fire", Hafenfest, Museum ... Es hat was für sich, in einer Touristengegend zu arbeiten und zu leben! Die Angebote sind vielfältig und es ist für jeden Geldbeutel und Geschmack etwas dabei.


Fazit


Wer mal fernab der großen Universitätskliniken in ein sehr kleines Haus schnuppern möchte und eine attraktive und aktive Umgebung mag, sollte sich hier unbedingt im Sommer bewerben. Der Winter ist ruhiger, gemütlicher und stiller, hat aber bestimmt auch seinen Reiz.


Die Kosten waren absolut studentenfreundlich. Die Arbeit im Krankenhaus verlief ohne große Sensationen, war aber solide und zum Üben durchaus in Ordnung. Und morgens bei Sonnenaufgang am menschenleeren Strand zur Arbeit zu gehen, ist wunderschön.


Weiterführende Adressen und Links


Inselklinik Föhr-Amrum
Rebbelstieg 24 25938 Wyk/Föhr
Tel. 04681 / 48-0
Fax 04681 / 50-378

eMail: wyk@klinikum-nf.de


Ansprechpartnerin für die Organisation: carolin.schmidt@klinukum-nf.de

Die Klinik: http://www.klinikum-nf.de

Fähre: http://www.faehre.de/

Die Insel: http://www.foehr.de/

    

   

 

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