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  • Bericht
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  • Sabine Wolf
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  • 26.01.2010

Radiologie-Famulatur in Santiago

Chile war bereits seit langer Zeit Sabines Traumland, denn hier vereinigen sich solche Gegensätze in Klima, Lebensart und Lebensstandard, und Kultur wie sonst nirgendwo. Aber wie sieht die medizinische Versorgung aus in einem Land, das so vielfältig erscheint? Mit einer Famulatur in der Radioterapia der Clínica Alemana in der Hauptstadt Santiago de Chile wollte sie das herausfinden.

Traumland Chile

Nahezu sämtliche Vegetationszonen der Erde erstrecken sich in Chile über gigantische 39 Breitengerade:

Von feuchtkühlen, gemäßigten Zonen im großen Süden, über die mediterrane Mitte hin zu der trockensten Wüste der Welt, der Atacama, im Norden. Eingebettet zwischen den Anden und ihren Hochebenen im Osten und dem pazifischen Ozean im Westen, fühlt es sich fast an als sei man weit abseits vom Rest der Welt.

Die Gegensätze zwischen den ländlichen Gegenden im Norden und Süden stehen im krassen Gegensatz zur urbanisierten Región Metropolitana, um die Hauptstadt Santiago mit ihren knapp sechs Millionen Einwohnern.

Motivation

Das Kennenlernen dieses Landes war die Triebfeder meiner Bewerbung an Dr. Andrés Córdova, Chef der Radioterapia der Clínica Alemana in Santiago. Da mein Spanisch alles andere als fließend war, suchte ich mir eine Klinik, in der ich mir sicher sein konnte auf englisch- bzw. deutschsprachige Ärzte zu treffen. Im Allgemeinen ist diese Voraussetzung ehr in den privaten Clínicas Chiles erfüllt als in öffentlichen Krankenhäuser.

 

Foto: Sabine Wolf

Clínica Alemana in Santiago - Alle Fotos von Sabine Wolf

 

Vorbereitungen

Meine ersten E-Mails an Dr. Cordova habe ich im März 2009 verschickt und die Antwort hat nicht lange auf sich warten lassen. Zur weiteren Organisation meines Aufenthalts hat er mich an die Verwaltung der Klinik, die "Desarrollo Médicos", weitergeleitet.

Meine Bewerbung habe ich auf Englisch verfasst und mich zuhause gleich für einen Spanischkurs angemeldet. Spanisch ist und bleibt Amtssprache in Chile und auch auf der Strasse kommt man mit Englisch nicht allzu weit. Ende April kam die offizielle Einladung der Klinik und ich konnte mit der weiteren Organisation meiner vierwöchigen Famulatur beginnen. Diese erwies sich erfreulicherweise als weitgehend unproblematisch.

Drei wichtige Versicherungen benötigt man für eine Auslandsfamulatur:

Es lohnt sich die Homepage der Deutschen Ärzte-Finanz aufzusuchen. Dort werden komplette Versicherungspakete für Auslandsfamulaturen angeboten, aber auch individuelle Pakete geschnürt. Als Mitglied des Hartmann- bzw. Marburger-Bundes verfügt man als Medizinstudent bereits über eine Berufshaftpflichtversicherung im Ausland.

Als Deutsche benötigte ich kein spezielles Visum für die Einreise nach Chile, sofern der Aufenthalt 90 Tage nicht überschreitet. Bei der Einreise erhielt ich am Flughafen automatisch ein einfaches Touristenvisum, und da die Famulatur nicht bezahlt wird, ist dieses auch vollkommen ausreichend.

Plant ihr eine Längeren Aufenthalt als 90 Tage, unternehmt am einfachsten einen Kurztrip nach Mendoza, Argentinien. Bei der Wiedereinreise nach Chile bekommt ihr erneut ein Visum, das für 90 Tage gültig ist. Es gibt keinerlei Begrenzungen für diese Verfahrensweise.

Finanzierung

Für die Finanzierung meiner Famulatur hatte ich mich auf ein Auslandsstipendium der Allianz-Krankenversicherung beworben, die eine einmalige Zahlung von 250 Euro leistete.

Wie schon zu Anfang erwähnt, hielt sich der bürokratische Hindernislauf in Grenzen. Die Clínica Alemana sendete mir per Mail zahlreiche Formulare zu, die ich online ausfüllen und zurücksenden konnte. Für das Allianz-Stipendium brauchte ich eine Bestätigung der Klinik, wann und wie lange ich dort famulieren werde - auch diese Bestätigung fand, nach kurzer Nachfrage, ihren Weg nach Deutschland.

Des Weiteren hilft auch der Bund weiter, der im Rahmen eines Bildungskredits etwas zuzahlt.

Mehr zum Bildungskredit.

Unterkunft

Die Clínica Alemana vermittelt günstige Unterkünfte in Gastfamilien, Pensionen oder WGs im näheren Umkreis in Kooperation mit der Webseite www.contactchile.cl. Die Preise variieren zwischen 200 Euro und 400 Euro im Monat, meist ist das komplette Essen im Preis inklusive.

Sprache

Zwei Wochen vor meiner Famulatur habe ich einen Intensivsprachkurs in Santiago besucht (auch über www.contactchile.cl oder direkt bei deren Partnerschule Tandem Santiago), was ich jedem empfehlen würde, der nicht bereits fließend Spanisch spricht.

Denn um die Chilenen zu verstehen braucht es einiges an Übung und ein gutes Ohr. Gerade am Anfang ist das Verständnis nicht leicht, da Spanisch hier in einem rasanten Tempo gesprochen wird. Viele umgangssprachliche Wörter erleichtern das Vertändnis nicht gerade.

In der Klinik

Alle Ärzte der Abteilung für Strahlentherapie, sprechen Deutsch oder Englisch. Das hat einem Spanischanfänger wie mir natürlich sehr geholfen. Auch die Bereitschaft Dinge in einer anderen Sprache als Spanisch zu erklären, ist sehr ausgeprägt.

Das übrige Personal, wie auch die meisten Patienten, sprechen natürlich meist nur Spanisch, was aber natürlich meinen Sprachlernprozess erheblich förderte.

Flug/Transport

Die Anreise nach Chile ist leider ziemlich teuer. Die preisgünstigsten Angebote finden sich bei LAN Chile oder Iberia, sind jedoch selten unter 1.000 Euro zu haben.

Positiv hingegen ist: Wenn ihr es einmal bis Santiago geschafft habt, kostet der Transport nicht mehr viel. Mit TransSantiago verfügt die Hauptstadt Chile über ein öffentliches Nahverkehrssystem mit Bus und Metro, welches überraschend günstig und sehr gut organisiert ist.

Eine einfache Fahrt durch die ganze Stadt kostet gerade einmal 400 Pesos, etwa 50 Cent, und ist gültig für neunzig Minuten.

Wer nach der Famulatur das Land bereisen möchte, was natürlich auf keinem Fall fehlen sollte, kann in Chile mit einem komfortablen Überlandbussystem reisen. Verglichen mit den Bahnpreisen in Deutschland ist dieses konkurrenzlos günstig - etwa 40 Euro für ein "Cama" von Santiago nach San Pedro de Atacama (etwa 1700 km).

 

Foto: Sabine Wolf

Aufenthaltsraum der Clínica Alemana

 

Clínica Alemana

Während meiner Famulatur habe ich viele interessante Dinge gesehen und auch die großen Unterschiede in der Krankenversorgung zwischen privatem und öffentlichem Sektor in Chile kennengelernt.

Die Clínica Alemana, eine gigantische "Gesundheitsfabrik", übersteigt alles, was man in Deutschland unter einem großen Krankenhaus versteht. Sämtliche Bereiche der Medizin sind hier vertreten und da es eine private Klinik ist, wurde auch am Ambiente in keiner Weise gespart: Zimmer, Cafes, Aufenthaltsräume.

Für Studenten, wie mich, gibt es kostenloses Mittagessen in einer sehr guten Kantine. Alles was ihr von zuhause mitbringen solltet, ist ein weißer Kittel.

In der Zeit, die ich in der Strahlentherapie verbracht habe, bekam ich einen sehr guten Einblick in den gesamten Prozess der strahlentherapeutischen Behandlung:

Vom ersten Patientengespräch an, über die Schritte im Strahlensimulator und CT, die Planungsschritte in der Dosimetrie und die Betreuung der Patienten während ihrer Behandlung, ihre psychologische Betreuung und die Behandlung ihrer Nebenwirkungen.

Weiterhin haben sich auch die Physiker und Techniker für mich Zeit genommen ihre "Máquina" zu erklären.

Die Atmosphäre in der Strahlentherapie ist sehr angenehm und herzlich. Das schließt das Verhältnis zwischen den Ärzten und ihren Patienten mit ein.

Mein Eindruck war, dass die Beziehung wesentlich wärmer und persönlicher ist, als ich es von deutschen Kliniken her gewohnt bin.

 

Foto: Sabine Wolf

"La Máquina"

 

Erlebnisse in der Clínica Alemana

Die Arbeit in einer privaten Klinik ist sehr theoretisch. Wer es lieber etwas praktischer mag, sollte für eine Famulatur ein öffentliches "Hospital" wählen, wo aber wesentlich bessere Sprachkenntnisse erforderlich sind.

Einen festen Tagesablauf hatte ich nicht, auch gab es keine festen Zeiten, in denen Anwesenheitspflicht herrschte. Vielmehr lag es an mir selbst, wie viel ich sehen und lernen wollte. Ich fand die "Consultas" am spannendsten, die Sprechstunde derjenigen Patienten, die sich in einer laufenden Behandlung befanden.

Hier war immer genügend Zeit, um auf die Krankengeschichte der Patienten einzugehen, auf die individuelle Planung der Behandlung und deren wahrscheinlichen Erfolg. Da die Klinik ein privates Krankenhaus ist, wurden alle Patienten immer gefragt, ob meine Anwesenheit bei diesen Consultas erwünscht sei.

Probleme gab es dabei aber keine; einige waren früher sogar mal in Deutschland gewesen und sprachen ein paar Brocken Deutsch.

Viele der ehemaligen deutschen Siedler haben sich sehr gut in die chilenische Gesellschaft integriert und viel typisch Deutsches, wie gutes Brot, Bier und Kuchen ist vor allem im Süden Chiles zu finden. Generell genießt man als Deutsche, so mein Eindruck, in Chile ein hohes Ansehen.

Viele Ärzte der Clínica arbeiten zusätzlich in Teilzeit in einem öffentlichen Hospital und ich hatte Glück, dass mich einer der Ärzte der Strahlentherapie dorthin mitnahm.

Ihr solltet euch auf eine vollkommen andere Welt vorbereiten, speziell wenn ihr von der Clínica Alemana aus ein öffentliches Krankenhaus besucht:

Patientenzimmer mit bis zu fünfzehn Personen und ein auf den ersten Blick alles andere als modernes Gebäude waren meine ersten Eindrücke.

Innerhalb von vier Stunden galt es etwa zwanzig Patienten zu behandeln, alle inmitten ihrer strahlentherapeutischen Behandlung und oft in keinem allzu guten Gesundheitszustand, im Gegensatz zu denjenigen Patienten, deren private Krankenversicherung auch die Vorsorgeuntersuchungen abdeckt.

Dennoch:

Auch im öffentlichen Sektor steht eine hochtechnisierte Medizin wie die Strahlentherapie allen Bürgern Chiles offen, was bei weitem nicht in allen südamerikanischen Ländern der Fall ist. Dieser Umstand tröstet über die Masse an Patienten und die Ausstattung hinweg, die man in den öffentlichen Hospitälern zu kritisieren vermag.

Chile entspannt

Über Freizeitmöglichkeiten in Chile wurden bereits viele Bücher geschrieben. Jegliche Reisen in diesem Land sind lohnenswert. Ebenso in Santiago, wo sich neben Kultur und Shopping viele Möglichkeiten für Sport und Outdoor-Aktivitäten bieten. Die Anden sind nah und man kann jeden Tag die Gebirgsketten bewundern, die die Stadt umsäumen.

Ich habe zwei größere Reisen unternommen:

Fazit

In Chile herrscht eine besondere Atmosphäre. Selten habe ich mich in einem Land so zuhause gefühlt, wie in Chile. Das Leben in Santiago und auch im übrigen Land ist ein wundervoller Mix aus südamerikanischer Gelassenheit und europäischer Organisation. Viele Dinge erscheinen auf den ersten Blick fremd, sind es dann aber nicht.

In jedem Falle werde ich mich bemühen, für einen Teil meines PJs, wieder nach Chile zurückzukommen.

Adressen

Clínica Alemana de Santiago S.A.
Av. Vitacura 5951

Vitacura, Santiago de Chile

Teléfono: +56  2210 1111

Homepage der Clínica Alemana

Dr. Andrés Córdova (Kontakt zur Strahlentherapie)

acordova@alemana.cl
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