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  • Bericht
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  • Anna Kerner
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  • 01.08.2002

Orthopädie-Famulatur im Queen Elisabeth Hospital in Bridgetown

Anna hat während ihrer Famulatur große Unterschiede zwischen dem deutschen Gesundheitssystem und den Krankenhausabläufen auf Barbados festgestellt. Während OPs wurden ihr geduldig alle einzelnen Schritte erklärt, doch Patienten mussten oft ebenso geduldig auf ihre Behandlung warten.

Allgemeines

Das Queen Elisabeth Hospital auf Barbados liegt am Stadtrand von Bridgetown, der Hauptstadt der karibischen Insel. Mit seinen 600 Betten ist es das größte Krankenhaus der südöstlichen Karibik und zugleich Lehrkrankenhaus der University of West Indies. Für internationale Studenten werden folgende Einrichtungen angeboten:

Auf Barbados wird mit Barbados $ gezahlt, der Kurs ist an den US $ gekoppelt; für ein 1 US $ erhält man 2 BDS $. Fast überall werden allerdings auch US $ akzeptiert, ebenso Reiseschecks und Kreditkarte.

Bewerbung

Die Bewerbung inklusive Lebenslauf circa ein dreiviertel Jahr vor Praktikumsbeginn an

Mrs. Grace Iffel
University of West Indies
Faculty of Medical Sciences
Queen Elisabeth Hospital
Bridgetown, Barbados W.I.

gifill@uwichill.edu.bb 

 

richten. Nach Erhalt der Zusage wird man aufgefordert, eine Bearbeitungsgebühr von US $ 50 per Scheck zu entrichten. Mit Famulaturbeginn werden weitere US $150 (zu zahlen per Scheck, Reisescheck oder bar) als Registrierungsgebühr behoben. Bei einem Aufenthalt von mehr als 8 Wochen wird mit Ende dieser Zeit pro Woche eine Gebühr von US $150 erhoben.

Flug und Unterkunft

Für einen Flug nach Barbados muss man je nach Jahreszeit ab 750 EUR rechnen. Empfehlenswert ist es, rechtzeitig einen Flug zu buchen, da es nur begrenzte Möglichkeiten gibt, auf diese Insel zu fliegen (Condor, British Airways und Air Canada)

Vom Krankenhaus werden Privatunterkünfte vermittelt, die einen festgesetzten Preis von BDS $ 500 pro Monat betragen. Die Wohnverhältnisse in den jeweiligen Familien sind sehr unterschiedlich, aber doch alle recht einfach. Ich rate jedem Studenten sich erst einmal eine Unterkunft über das Krankenhaus zu besorgen, wenn es einem überhaupt nicht gefällt, kann man sich vor Ort immer noch nach etwas anderem umschauen.

Visum

Für deutsche Staatsbürger, die nicht länger als 4 Wochen auf Barbados bleiben, ist kein Visum erforderlich. Sofern die Famulatur länger als 4 Wochen dauert, bekommt man über das Krankenhaus ein spezielles kostenfreies Studentenvisum.

Die Insel

Barbados ist 34 km lang und 21 km breit, läßt sich in 2 bis 3 Tagen mit dem Auto abfahren. Der besondere Reiz liegt in den weißen Sandstränden und dem türkisblauen karibischen Meer. Schöne Strände sind 10 Minuten Fußweg vom Krankenhaus entfernt.

Dank der gut ausgeprägten öffentlichen Verkehrsmittel ist fast jeder Teil der Insel mühelos erreichbar. Jede Strecke kostet, egal wohin BDS $1.50. In privaten Vans zeigt ein Schild hinter der Windschutzscheibe die Fahrtrichtung an. 15-20 Personen sitzen in diesem Van, dazu wird laute Reggaemusik gespielt. Staatliche Busse sind etwas komfortabler, abgezählte Münzen muss man beim Busfahrer einwerfen. Generell fahren die Busse und Vans bis Mitternacht.

Abends ist auf Barbados Party angesagt. Man kann zwischen unzähligen Pubs und Cocktailbars, Discos oder Festivals wählen.

Auf Barbados sind die Lebensmittel unglaublich teuer, teilweise sind die Preise dreifach so hoch wie bei uns in Deutschland, da fast alles importiert werden muss. Einziges Anbauprodukt ist der Zuckerrohr, aus dem das Nationalgetränk Rum hergestellt wird.

Die schönste Zeit auf der Insel ist die Winterzeit, da von Juni bis Oktober in der südöstlichen Karibik Regenzeit herrscht.

Besonders hohe Kriminalität gibt es in Barbados nicht, dennoch sollte man vorsichtig sein, besonders wenn man nachts alleine unterwegs ist oder tagsüber mit Rucksack am Strand liegt. Die Einheimischen sind allesamt sehr nett und freundlich.

Sprache

Die dort gesprochene Sprache ist das sogenannte Bajan-English. Am Anfang schwer zu verstehen, da die Einheimischen ein zu schnelles Tempo sprechen und zu viele Silben verschlucken.

Krankenhaus

Das Krankenhaus ist keinesfalls zu vergleichen mit einem westlichen, der Standard ist relativ niedrig, es mangelt an Geld für neue Geräte und Personal. So kam es schon mal vor, dass Patienten wochenlang auf ihre bone-scan Untersuchung warten mussten, da das Gerät defekt war. Auch bei nicht dringlichen Routineeingriffen war es gang und gäbe, dass Patienten eine Wartezeit von bis zu 1 Jahr in Kauf nehmen mussten. Selbst Schenkelhalsfrakturen lagen teilweise bis zu 2 Wochen in Traktion, weil kein Raum für die Operation zur Verfügung stand.

In der Orthopädie (gleichzeitig auch Traumatologie) wird jedem Studenten ein Stundenplan ausgehändigt, an den man sich aber nicht zwangsläufig halten muss. Die lokalen Studenten werden von morgens 8 Uhr (Vorlesung) bis 17 Uhr erwartet. Teilweise hat man dennoch größere Freiräume zwischendurch.

Montags und Donnerstags sind OP-Tage. Wichtig ist, dass ihr eure eigene OP-Kleidung mitbringt! Es hat schon so manchen internationalen Studenten Stunden gekostet, bis er endlich mal ein Shirt und eine Hose für den OP bekommen hat. Während der OPs ist zuschauen, gelegentlich auch waschen und assistieren angesagt. Schwerpunkte der Operationen sind Frakturen, Osteotomien und Hüftprothesen. Man bekommt aber mit etwas Glück auch andere orthopädische Korrekturen zu sehen. Sehr gut ist das teaching selbst während der Operation. Die Ärzte nehmen sich immer Zeit und erklären einem jeden einzelnen Schritt.

Dienstag- und Freitagvormittag ist Visite. Hier wird der Student so richtig gefordert, man bekommt die Anamnese kurz geschildert, muss sich die dazugehörigen Röntgenbilder anschauen und anhand dessen einen Befund stellen und Therapievorschläge machen. Die meisten Patienten haben Frakturen aller Art. Gelegentlich bekommt man auch Osteomyelitiden, Amputationen, Osteosarkome oder pädiatrische Fälle vorgestellt. Nach der Visite kann man sich auf Station nützlich machen und dem Intern beim Blutabnehmen oder Kanülenschieben helfen.

Dienstagnachmittag und Mittwochvormittag ist Outpatient Clinic. Hier stellen sich vor allem Arthrose-Patienten vor. Man kann mit ein wenig Glück aber auch mal Kniegelenkspunktionen und Gelenksinjektionen selbst durchführen.

Freitagnachmittag ist Fracture Clinic. Hierbei kann man schon mal 30-40 Röntgenbilder an einem Nachmittag befunden. Anschließend wird einem Gelegenheit geboten, bei der Abnahme oder beim Anlegen von Schienen und Gipsen zu helfen.

Die Consultants geben sich mit den Studenten sehr viel Mühe und erläutern einem ausführlich jedes Krankheitsbild der Patienten. Man kann jederzeit Fragen stellen, Zeit spielt bei ihnen keine große Rolle. Was heute nicht geht, wird am nächsten Tag erledigt. Insgesamt haben die Carribeans ein ganz anderes Verhältnis zur Zeit. Jeder ist sehr relaxed, man sieht keine hektischen Menschen (außer so manche Touristen), was sich auch auf den Krankenhausbetrieb widerspiegelt.

Fazit

Für Famulatur ist ein Aufenthalt in Barbados gut geeignet, wer jedoch mit dem Gedanken spielt sein PJ dort abzuleisten, dem sei gesagt, dass es für 4 Monate nicht unbedingt viel zu sehen und zu lernen gibt. Die Krankheitsbilder sind recht eingeschränkt, die Behandlungsmethoden nicht unbedingt unser Standard und oftmals fallen Veranstaltungen für Studenten aus, sodass es leicht langweilig werden kann. Studenten aus anderen Fachbereichen hatten teilweise tagelang keine Veranstaltungen, was leicht Langeweile aufkommen läßt. Orthopädie ist die richtige Mischung um einen guten Einblick vor allem in die Traumatologie zu bekommen, zu relaxen und Urlaub zu machen.

Ich würde niemandem raten mit ungenügend Englischkenntnissen auf Barbados eine Famulatur zu machen, da man es durch den eigenartigen Inseldialekt doppelt so schwer hat.

Ich habe die 8-wöchige Famulaturzeit mehr als genossen. Die Ärzte sind einem nicht böse und fragen auch nicht nach, wenn man mal nicht im Krankenhaus erscheint, so lange es im Rahmen bleibt. Sie haben vielmehr Verständnis, dass man das schöne Wetter und den Strand genießen möchte.

Lerntechnisch hätte man in der Orthopädie in Deutschland sicherlich mehr mitnehmen können, da die meisten Fälle hier reine Frakturen sind. Dennoch habe ich gelernt, wie wichtig es ist, klinische Untersuchungen gewissenhaft durchzuführen und die Diagnose nicht durch Apparatemedizin zu stellen. Man lernt vor allen Dingen das Leben locker zu nehmen und nicht direkt hochzugehen, nur weil so manche Sachen nicht auf Anhieb funktionieren. Alles in allem war es eine super Zeit, von der ich in Deutschland nur profitieren werde.

Take life easy!!!

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