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  • Bericht
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  • Sabine Salloch
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  • 11.01.2006

PJ-Tertial Chirurgie am Westmead Hospital

Sabine hat den größten Teil ihres PJ-Tertials im Op verbracht. Da sie nicht viel mit anpacken durfte, hat sie am meisten durch ihre hohe Eigeninitiative und die Offenheit und Lehrfreudigkeit der australischen Ärzte gelernt.

I. Motivation und Bewerbung

Bei der Planung meines Praktischen Jahres hatte für mich schon lange festgestanden, dass ich gerne einen Teil davon im englischsprachigen Ausland verbringen wollte. Die Entscheidung für Sydney und das Westmead Hospital fiel aufgrund persönlicher Empfehlungen.
Da ich mich bereits anderthalb Jahre vor Beginn des Aufenthalts um die Bewerbung gekümmert habe, blieb mir reichlich Zeit für alle Formalitäten; kurzfristigere Bewerbungen dürften aber durchaus auch Hoffnung auf Erfolg haben. Viel hängt hier vom gewünschten Fach ab; die Chirurgie ist bei den ausländischen Studierenden sehr beliebt.

Ansprechpartnerin für alle Belange der "overseas electives" ist Sondra Edmonds, so dass zunächst ein formloses Anschreiben an sie genügt, um Informationen über alle weiteren Anforderungen und Formulare per Email zu erhalten. Sondra erwies sich im Vorfeld des Aufenthalts, sowie auch vor Ort als eine sehr hilfsbereite und herzliche Ansprechpartnerin, die jedoch gelegentlich etwas in Verwirrung geraten konnte, so daß es manchmal nötig war, sie an gewisse Dinge zu erinnern.

sondrae@westgate.wh.usyd.edu.au 

 

Wie bereits in anderen Australienberichten erwähnt, waren auch für den Aufenthalt in Westmead zunächst verschiedene Dokumente herbeizuschaffen. Neben dem Ausfüllen der erwähnten Formulare und einem tabellarischen Lebenslauf waren dies:

Die Studiengebühren betrugen für die acht Wochen 650 AUD, wobei noch einmalig 100 AUD an Verwaltungsgebühren für die Universität in Sydney hinzukamen. Ab der neunten Woche wird der Aufenthalt unverhältnismäßig teurer (dann 500 AUD wöchentlich), so dass die meisten Pjler nur ein halbes Tertial in Sydney verbrachten, zumal bei einem anschließenden Wechsel an eine andere australische Uni - zumindest theoretisch - auch die höheren Gebühren fällig würden.

Den Flug habe ich schon sehr zeitig gebucht und damit einen Frühbucher- und Studententarif von 999 Euro, einschließlich Versicherung, bekommen. Es fliegen diverse Fluglinien die Strecke, wobei ich Emirates Airlines sehr empfehlen kann.
Die Flugzeit (mit Zwischenstop in Dubai) betrug auf dem Hinflug 25 und auf dem Rückflug 27 Stunden. Ein paar Kompressionsstrümpfe aus dem Krankenhaus haben meine Thrombose-Angst etwas herabgesetzt (und waren auch später im OP von Nutzen), trotzdem: Viel trinken und sich im Flugzeug bewegen, so gut es geht.

Was das Visum angeht, bin ich nicht ganz korrekt verfahren, indem ich mich auf das kostenlose 3-Monats-Visum aus dem Reisbüro beschränkt habe. Der korrektere Weg geht über die australische Botschaft, vergleiche hierzu andere Australienberichte im Intranet. Ich hatte mit dem Visum jedoch nicht die geringsten Probleme.

Zur Unterkunft: Wir waren im "nurses´ quarter", einer kleinen Siedlung für Krankenhausangestellte, untergebracht, von der es etwa 10 Minuten Fußweg zur Arbeit waren. Die Unterbringung erfolgte in Appartements zu vier Personen, die mit Küche, Wohnzimmer und Waschmaschine, sowie allen weiteren Utensilien gut ausgestattet waren. In der Anlage gab es weiterhin einen Tennisplatz, sowie einen 25m-Pool (sehr empfehlenwert, da nicht so häufig frequentiert !), so dass ich die Unterbringung als ausgesprochen angenehm und mit 68 AUD in der Woche auch nicht überteuert empfunden habe.

In die Innenstadt Sydney fährt man leider etwa 40 Minuten; das return-ticket ist mit 5,40 AUD aber günstig zu haben. Sehr nett fand ich außerdem den Nachbarort Paramatta, der eine der ältesten Siedlungen Australiens ist, über alle gängigen Geschäfte verfügt und zu Fuß durch den Park in 20 Minuten erreichbar ist.

II. Westmead Hospital

Das Westmead Hospital ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung, dessen Einzugsbereich einen großen Teil der westlichen Vororte Sydneys umfasst. Entsprechend sind sämtliche Spezialabteilungen vor Ort vorhanden und mit dem "Millenium Institute" ist ein modernes Forschungsinstitut angegliedert, zu dessen Schwerpunkten die Erforschung des malignen Melanoms zählt.

Das Krankenhaus verfügt über einen "education block" mit einer gut ausgestatteten Bibliothek und zahlreichen Hörsälen. Als sehr bereichernd habe ich die Vielfalt an Lehrveranstaltungen, von denen täglich einige angeboten wurden, wahrgenommen. Wenn in meinem chirurgischen Team gerade nicht viel zu tun war, habe ich daher gerne auch an Veranstaltungen anderen Fächer teilgenommen. Die "rounds" waren deutlicher interaktiver als deutsche Vorlesungen. Hier wurden in der Regel ein oder zwei besonders ergiebige Krankengeschichten vorgestellt und die anwesenden Fachspezialisten, aber auch sich in Ausbildung befindliche Ärzte und Studenten wurden direkt nach ihrer Meinung befragt, wobei ich aber nie erlebt habe, dass jemand bloßgestellt worden wäre. Stattdessen ergab sich in der Regel eine oft tatsächlich ergiebige Diskussion auf oft recht hohem Niveau. Wie überall fiel auch hier der überaus kollegiale und höfliche Umgangston auf.
Interessante Lehrveranstaltungen dieser Art gab es täglich zu den verschiedensten Fächern.

Zur Homepage des Westmead Hospitals beim Western Sydney Local Health District.

III. Das Praktikum

Während die äußeren Umstände des Praktikums, wie berichtet, recht erfreulich waren, war ich von der chirurgischen Ausbildung selbst ein wenig enttäuscht. Um es einmal kurz zusammenzufassen: Praktische Aufgaben waren für uns elective students nicht vorgesehen, man musste stets selbst die Initiative ergreifen, um etwas tun zu können, was bei der relativen personalen Überbelegung aber auch nicht immer möglich war.

Da auf den Krankenstationen die "Interns" (Ärzte im ersten Berufsjahr), sowie auch jeweils ein "Pre-Intern" (achtwöchiges Praktikum nach Abschluß des Studiums), die anfallenden Arbeiten übernahmen, sofern sie nicht vom Pflegepersonal, das in Australien deutlich besser ausgebildet ist und auch viele in Deutschland ärztliche Aufgaben selbständig übernimmt, erledigt wurden, hielt ich mich zumeist im OP auf.

Die ersten acht Wochen verbrachte ich mit dem gefäßchirurgischen Team und konnte die gängigsten Eingriffe in diesem Fach (femoropoplitealer Bypass, die verschiedenen Reparationsarten des Bauchaortenaneurysmas, Thrombendarteriektomie der Carotis, Amputationen und einige mehr) zu Genüge kennenlernen. Auf Nachfrage konnte ich stets steril am Tisch an den Eingriffen teilnehmen. Meine Hilfe wurde aber eigentlich nur gebraucht, wenn durch Notfälle plötzlich Personalknappheit bestand.

Die zweite Hälfte des Praktikums verbrachte ich mit dem viszeralchirurgischen Team. Die Abläufe stellten sich hier ähnlich dar, das Spektrum an Operationen war aber größer, so daß ich hier mehr profitieren konnte. Außerdem war es kein Problem, in Pausen oder an operationsfreien Tagen einmal durch die anderen Säle zu gehen und - wenn dort ein interessantes Programm lief - sich kurz vorzustellen und einen Vormittag dort zu bleiben. Ich bin bei den australischen Ärzten nahezu ausschließlich auf große Offenheit und Lehrbereitschaft gestoßen.

Eine Abwechslung waren außerdem noch die Vormittage in der Poliklinik, in der sich vor allem Patienten zu Nachsorgeterminen nach Operationen vorstellten und während derer ich auch selbständig Patienten-Anamnesen erstellen und Untersuchungen durchführen konnte.

IV. Freizeit

Da es mir aus formalen Gründen nicht möglich war, vor oder nach meinem Praktikum noch Urlaub zu nehmen, beschränkten sich meine touristischen Aktivitäten leider nur auf Sydney und die nähere Umgebung. Die Weltstadt Sydney bietet an sich aber schon genug Attraktion für einige Wochen.

Ebenfalls nicht versäumen sollte man die Nationalparks in der näheren Umgebung, allen voran ausgedehnten Blue Mountains im Westen. Aber Vorsicht: Hier ist es immer ungefähr zehn Grad kälter als in Sydney. Wir waren falsch angezogen und hatten deshalb doch nicht so viel Spaß.
Sehr gut gefallen hat es mir auch im Royal National Park, der sich südlich der Stadt an der Küste entlang erstreckt. Neben schönen Stränden findet sich dort ein eindruckvoller Wanderweg die Klippen entlang.
Über das letzte Wochenende quartierten wir uns im Pittwater YHA, nördlich der Stadt gelegen, ein, das etwas umständlich zu erreichen, aber unglaublich idyllisch gelegen war. Entsprechend sahen ich dort auch innerhalb eines Abends diverse Wallabies (Zwergkänguruhs), einen Kookaburra (australischer Eisvogel), wunderschöne weiße Kakadus und ein zahmes Opossum kam uns auch noch besuchen und wollte seinen Anteil vom Abendessen.

Insgesamt besticht Australien durch seine wunderschöne fremdartige Natur und Tierwelt und durch die ausgesprochen freundlichen, offenen und entspannten Menschen, so dass ich unbedingt noch einmal wiederkommen werde, um mehr von diesem Land kennen zu lernen.

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