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  • Christine Berndt
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  • 22.04.2009

Einsatz mit den Royal Flying Doctors

Christine war begeistert von der Möglichkeit während ihres Auslands-Tertials einen Tag bei den Royal Flying Doctors zu verbringen. In ihrem Bericht erzählt sie euch, was sie an diesem Tag erlebt hat.

Während meines PJ-Tertials in der Inneren Medizin in Launceston erfuhr ich von anderen PJ-Studenten, dass es möglich ist bei den Royal Flying Doctores mitzufliegen. Sofort stellte ich mich bei dem zuständigen Arzt, dem Chefarzt der Anästhesie vor. Er organisierte für mich einen Tag im Ambulance Service von Launceston mit der Möglichkeit, an einem Einsatz teilzunehmen.

Warten auf einen Einsatz

Leider kam es zunächst zu keinem Flug-Einsatz, sodass ich Bob, den Koordinator des Ambulance Services, mehrmals anrief. Ich fuhr einige "normale" Krankenwagen-Einsätze mit und lernte die Paramedics kennen. Schließlich kurz vor dem Ende meines Aufenthaltes rief ich wieder Bob an und er teilte mir mit, dass ich am Dienstag kommen könnte.

Call

12:00: Es waren vier Stunden seit Schichtbeginn vergangen. Inzwischen hatten wir den Wagen und das Bergungsset kontrolliert und einen neuen Arzt abgeholt. Nun überprüften wir in der "Beechcraft Super King Air 200", ob alles Nötige an Bord war. Die Beechcraft Super King Air 200 ist ein etwas älteres Model, das neue befand sich gerade zum General-Check in Melbourne.

In den Flugzeugen der Royal Flying Doctors sitzen, wenn es sich nicht um einen Rettungseinsatz handelt, Flight-Paramedics keine Ärzte, nur bei einem Rettungseinsatz oder sehr kritischen Patienten fliegen Anästesisten mit. Die meisten Flüge sind Transporte, sehr kritische Patienten kann man in der Luft nicht behandeln. In der Beechcraft Super King Air 200 können bis zu drei Patientengleichzeitig transportiert werden, wenn alle stabil sind. Das Flugzeug kann bis zu 35.000 Fuß hoch fliegen.

12:10: Ein Call: 64-jähriger männlicher Patient mit Brustschmerzen. Transfer von Devonport nach Hobart notwendig.

13:00: Die Maschine ist startklar. Wir gehen an Bord: der Pilot, der Flight Paramedic und ich; kein Arzt, keine Krankenschwester.

Abflug

13:13: Ich setze den Kopfhörer auf, mir kommt das Flugzeug superlaut vor. Der Kabinendruck ist für mich ungewohnt, meine Ohren verstopfen; aber es geht besser als ich erwartet hatte.

13:15: Es gibt einen zweiten Call, aber ich verstehe nicht, was los ist. Ich erfahre nur, dass nach unserem ersten Einsatz ein Patient in Queenstown abgeholt werden muss.

13:20: Ein ganz anderes Fluggefühl, als in einer großen Maschine. Ich fühle mich sicher.

13:25: Leider bin ich etwas verschnupft, die Luft ist stickig und außer Wolken sehe ich nichts. Ich frage mich, wie hoch wir fliegen. Es ist etwa beunruhigend, dass der Pilot sich Sorgen macht, ob man überhaupt landen kann.

Devonport

13:27: Ein dritter Call. Ich verstehe wieder überhaupt nichts, der Lärm in der Maschine ist zu groß.

13:33: Ich sehe die Spirit of Tasmania 2 im Hafen von Devonport liegen, wir drehen und fliegen dem Rollfeld entgegen.

13:50: Bei dem Patienten handelt es sich um einen 64-Jähriger Mann, der gestern mit Burstschmerzen in die Notaufnahme nach Devonport kam. Da Devonport keine Kardiologie hat, soll er nun nach Hobart geflogen werden. Der Mann hat mindestens 40 pack-years in der Vorgeschichte. Er steigt selbstständig mit Flip-flops in den Flieger.

14:05: Während des Flugs bleiben seine Vitalparameter stabil. Er hat ohne Sauerstoff-Gabe eine Sättigung von 96 %, der Puls liegt bei 77 bpm, der Blutdruck bei 160/85 mmHg

14:25: Das Flugzeug ist im Landeanflug - und beginnt heftig zu wackeln, während wir durch die Wolken fliegen. Der Puls des Patienten steigt auf 95 bpm, meiner wahrscheinlich auch.

Hobart

14:32: Landung in Hobart. Nachdem wir den Patienten an den bereitstehenden Krankenwaagen übergeben haben müssen wir auf den Tanklaster warten.

Queenstown

15:30: Der dritte Call wird abgesagt, sie wollen den Patienten doch lieber behalten. Gut wir sind sowieso erst mal auf dem Weg nach Queenstown zu einem, wie ich nun erfahre, 39-Jährigen mit Brustschmerzen. Der Paramedic zeichnet mir auf, wo Queenstown liegt: ganz im Südwesten umgeben von unzugänglichen Nationalparks und hohen Bergen.

15:40: Wir fliegen 13.000 Fuß hoch, weit über den Wolken.

15:45: Jetzt sehe ich was gemeint ist mit "schwieriger Landung". Das Rollfeld unter uns ist wirklich nur ein Rollfeld und sonst nichts: keine Häuser, keine anderen Flugzeuge, keine Autos, ich sehe nicht mal den Krankenwagen. Beim Sinkflug kommen wir ziemlich nah an die Berge ran; aus einer solchen Perspektive habe ich Berge noch nie gesehen.

15:55: Die Landung ist geschaft. Sobald wird stehen kommt der Krankenwaagen auf uns zugerollt, der in Queenstown hauptsächlich von freiwilligen Helfern organisiert wird. Ein Krankenhaus gibt es in Queenstown nicht. Die Ersthelfer übergeben uns den 39-Jährigen männlichen Patienten, der morgens während der Arbeit zweimal drückende Brustschmerzen mit Spannungsgefühl hatte. In der Familienanamnese gibt er an, dass seine Mutter mit 45 Jahren an einem Myokardinfarkt gestorben ist. Der Patient kann selbstständig ins Flugzeug steigen und gibt an keine Brustschmerzen mehr zu haben. Wir verkabeln ihn und geben ihm eine Sauerstoffmaske.

16:30: Puls 110 bpm, RR 104/62 mmHg, Sättigung 100%. Der Patient bleibt den ganzen Flug über stabil und unterhält sich lebhaft mit uns. Sein Puls bleibt während des Fluges über 100 bpm.

Wieder zu Hause

17:19: Wir sind zurück in Launceston und übergeben den Patienten, räumen das Flugzeug auf und fahren zurück ins Hauptquatier

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