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  • Bericht
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  • Johannes Knitza
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  • 26.01.2016

PJ am Redcliffe Hospital in Australien

Johannes hat ein PJ-Tertial in Down Under verbracht. Hier berichtet er über Stationsleben, Wissens- und Sehenswertes.

Bewerbung 

Wer sich für die University of Queensland entscheidet, muss sich fristgerecht online für ein medical elective bewerben (https://www.som.uq.edu.au/future-students/inbound-medical-electives.aspx). Pro Jahr gibt es zwei Bewerbungszeiträume. Allein die Bewerbung kostet schon 100 $. Im Vorfeld muss man folgende Bewerbungsunterlagen besorgen bzw. übersetzen lassen:

  1. Letter of Motivation
  2. CV with personal and educational data
  3. Current and Official Academic transcript
  4. Language Certificate if English is not your first language
  5. Scanned copy of personal details page of passport
  6. Proof of Hepatitis B Immunity (Serology Report)
  7. Criminal History Check, this check is required to be no longer than 6months prior to your application. (polizeiliches Führungszeugnis)
  8. Medical Elective Authorisation Form (to be completed by applicant and home university)

 

Dann lässt sich die Uni 8-10 Wochen Zeit, um einem zu antworten. Bei mir kam leider gar keine Antwort und ich habe dann per Mail an electives@som.uq.edu.au nochmal nachgefragt. Dort erhielt ich prompt die Antwort, dass meine drei Wunschkrankenhäuser keinen Platz mehr hätten – dafür aber das Redcliffe Hospital auf der Onkologie. Innerhalb einer Woche musste ich zusagen und 1000 $ überweisen.

Vorbereitung

Bis zum Beginn musste ich zwei Versicherungen abschließen und einen Onlinekurs absolvieren. Public Liability mit einer Versicherungssumme von über 20 Mio. $ kostet 170 $ bei Medisure. Die Professional Liability mit einer Versicherungssumme über 10 Mio. $ bekommt man kostenlos, wenn man sich bei MIPS (Medical Indemnity Protection Service) anmeldet. Der online Kurs (Hygiene, Sicherheit etc.) dauert zwar recht lang, lässt sich aber gut bewältigen. Kurz darauf antwortete mir Mark Livett, der super nette und kompetente Student Coordinator vom Redcliffe Hospital und schickte mir Informationen für mein elective.

 

Anreise

Das Flugticket habe ich recht günstig (878 €; Hin- und Rückflug München – Melbourne) mit Air China bekommen. Ich habe für den gesamten Zeitraum bei Apex (http://www.apexrentacar.com.au) einen Mietwagen für 30$ pro Tag gemietet. Dort kann man kostenlos einen Zweitfahrer eintragen lassen, der Aufschlag entfällt für unter 25-jährige und Apex deckt die gesamte Ost-Küste ab. Der Preis wird günstiger, je länger man das Auto mietet.

Andere Optionen sind:

Campen darf man offiziell nicht überall. Folgende App erfasst offizielle kostenlose Campingplätze: http://www.wikicamps.com.au. Die Toiletten/Küchen sind zwar meistens miserabel aber nur zum Übernachten eine gute Lösung.

 

Visum

Für das PJ braucht man das normale Touristenvisum Subclass 600, das 130 $ kostet. Allerdings muss man bei der online Beantragung „Tätigkeiten im Krankenhaus“ angeben. Das zieht nach sich, dass man zu einem zertifizierten Arzt gehen und ein Thorax Röntgen und eine Hepatitis/HIV Serologie machen lassen muss. Das kostet ca. 250€. Ich war kurz vorher beim Uni Betriebsarzt, der eh fürs PJ schon kostenlos die Titer bestimmt hat. Die Ergebnisse wurden freundlicherweise einfach übernommen.

 

Unterkunft

Für die erste Hälfte des Tertials konnte ich bei einer Freundin wohnen. Nachdem man den PJ-Platz angenommen hat, schickt Mark Livett einem gleich ein paar Unterkunftsmöglichkeiten in Redcliffe. Ich würde allerdings lieber in Brisbane wohnen. Über flatmates.com.au & Co. findest du sicher schnell was. Die Anreise nach Redcliffe dauert etwa 50 Minuten, wenn man keine Toll Roads benutzt.

 

Freizeit

Eine tolle und billige Stadtrundfahrt kann man per citycat (Ferry) machen. Am besten man legt sich eine gocard zu (geht auch für Buse etc.) Die Fahrten sind dann noch günstiger als mit Papierticket. Einen Stopp sollte man aufjedenfall beim berühmten South Bank machen, wo man im Sommer vor der Skyline in einer Lagune relaxen kann. Weggehtechnisch spielt sich in Brisbane alles hauptsächlich im Fortitude Valley ab. 

Ansonsten kann ich einen Ausflug nach North Stradbroke Island empfehlen. Man kann von Brisbane mit dem Zug nach Cleveland fahren wo einen dann eine Fähre für 20$ return auf die Insel nach Dunwich bringt. Von dort kann man für 10$ return einen Bus nach Point Lookout nehmen. Die Strände sind nicht so voll, das Wasser ist kristallklar und es gibt meistens sogar konstanten Surf (Cylinder beach). Kitesurfen geht in der Gegend um Caloundra am besten.

 

Klinik

Eins vorab: Es ist wichtig, dass du businesslike angezogen bist (Herrenschuhe, Hemd, schicke Hose). Das Hemd solltest du aus Hygienegründen über die Ellbogen hochkrempeln. Prinzipiell handelt es sich um ein eher kleineres öffentliches Krankenhaus. Die Onko hier hat praktisch keine inpatients (stationäre Patienten) und leider auch keine Hämatologie. Man sieht die häufigsten Krebsarten und sogar ein paar seltenere wie NETs etc. Die Chemotherapie hier liegt irgendwo zwischen den europäischen und amerikanischen Richtlinien.

Der sehr erfahrene Chef Dr. Boris Chern ist sehr nett und ließ mich recht schnell selbständig Patienten betreuen und Arztbriefe schreiben. Meinem Eindruck nach machen die Ärzte dort nicht viel mehr außer reden und schreiben. Alles andere erledigen die Schwestern. Außerdem arbeiten dort immer zwei externs und mindestens ein anderer consultant. Studenten sieht man eher selten.

Los geht’s um 8:30 und die Sprechstunde ist meistens gegen15:30 zu Ende. Dr. Chern war wie das gesamte Team immer bereit einem etwas zu erklären. An gewissen Tagen finden auf der Station auch „clinics“ der Palliativmedizin und Radioonkologie statt, wo man immer hingehen konnte. Da ich mich auch sehr für Orthopädie interessiere, erkundigte ich mich, ob ich auch mal nach Sprechstundenende in die Ortho schauen darf.

Der student coordinator Mark Livett probiert wirklich, alles möglich zu machen. Die Ortho fracture clinic war die größte Klinik des Krankenhauses. Somit kann man ziemlich viel sehen und lernen. Auch im OP war ich immer willkommen und durfte sogar meine erste Radiusplatte unter Anleitung selbst verschrauben und zunähen. Dabei hatte ich auch das erste und einzige negative Erlebnis meiner gesamten Australienzeit: Der Anästhesist sagte mit stark deutschem Akzent, dass prinzipiell jede unnötige Verlängerung der OP nur unnötige Schmerzen nach sich ziehe. Ich dankte ihm daraufhin auf Deutsch für seine Geduld. Anscheinend war er aber überall für seine schlechte Laune bekannt.

Mittwochs und freitags gibt es Vorträge (grand rounds) – und kostenloses Essen dazu (Sushi, Pizza, Sandwiches). Ansonsten ist Mittwoch morgens ein empfehlenswertes X-Ray Meeting, wo die interessantesten Fälle gezeigt werden. Gerne kann man sich auch etwas zu essen mitnehmen, es im Kühlschrank des Studentengebäudes lagern und in der Mikro aufwärmen. Dort gibt es auch kostenlos Kaffee/Tee. Direkt um die Ecke gibt es unglaublich günstige Restaurants und Supermärkte (asian, indian, etc.) z. B. Chicken Curry mit Reis für 6,80$!!

 

Fazit

Anfangs war ich etwas enttäuscht, dass ich nicht an dem neugebauten Gold Coast Hospital oder anderen näheren und größeren Krankenhäusern genommen wurde. Im Nachhinein bietet das Redcliffe Hospital aber wirklich viele Vorteile: Man wird wirklich überall mit offenen Armen begrüßt und es werden einem absolut keine Steine in den Weg gelegt. Im Vergleich zu privaten Krankenhäusern kann ich nur bestätigen, dass man vieles selbst machen darf. Prima war natürlich auch, dass ich sogar noch einen Einblick in eine andere Fachrichtung bekommen konnte. Falls du Fragen hast, kannst du dich gerne an mich wenden: johannesknitza@yahoo.fr

 

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