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  • Bericht
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  • Text und Fotos Franziska Ippen
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  • 02.08.2016

PJ Innere Medizin am Royal Prince Alfred Hospital in Sydney

Wie bewerbe ich mich für ein PJ-Tertial in Australien? Wie finde ich eine Wohnung in Australien? Was kostet ein Auslandstertial Down under? Hier findest du genau die Infos, die du suchst.

Das PJ ist eine gute Möglichkeit, um zum Ende des Studiums den Horizont international erweitern zu können: Meine Beweggründe dafür waren vor allem, andere Gesundheitssysteme und deren Patientenversorgung, verschiedene Ausbildungs- und Weiterbildungswege sowie ein anderes Land kennenzulernen. Deswegen entschied ich mich, insgesamt 1,5 Tertiale meines PJs im Ausland zu verbringen.

Ein halbes – und zugleich mein letztes- Tertial verbrachte ich im Ausbildungsabschnitt Innere Medizin am Royal Prince Alfred Hospital in Sydney. Den Zeitraum hatte ich dabei so gewählt, dass ich während der deutschen Winter-/Frühjahrsmonaten in Australien verbrachte- während der australischen Sommer- und Herbstzeit. Der Plan für eine internationale PJ-Erfahrung inklusive eines verlängerten Sommers war also schnell gefasst. Dennoch gab es für dieses einmalige medizinische Erlebnis „Down under“ noch einiges zu organisieren, bevor es schließlich losgehen konnte.

 

Blick auf die Skyline von Sydney (Taronga Zoo)

 

Organisatorische Hürden

Auf der Homepage der Central Clinical School konnte ich bereits vorab einsehen, in welchen Fachrichtungen noch Plätze für Studenten („clinical electives“) verfügbar sind. Es lohnt sich in jedem Fall, frühzeitig nachzusehen und sich zu bewerben (9 Monate bis 1,5 Jahre im Voraus). Ich entschied mich für eine 3-wöchige Rotation im Department of Geriatric Medicine sowie eine 5-wöchige Rotation im Department of Renal Medicine.

Um sich zu bewerben, muss man zunächst die auf den Seiten der Central Clinical School zur Verfügung gestellten Formulare- das Elective Application Package- herunterladen, ausfüllen und per E-Mail zurückschicken. Zu den Formularen muss zudem ein „Letter of good standing“ der Medizinischen Heimatfakultät und der Nachweis einer Berufshaftpflichtversicherung erbracht werden. Hinzu kommt die Rechnung über den Bearbeitungsgebühren der Bewerbung, die 100 Australische Dollar (AUD) beträgt.

Ein Sprachzeugnis wird- entgegen der Forderungen anderer englischsprachiger Universitäten- nicht verlangt. Allerdings ist es hilfreich für den eigenen Lernerfolg, wenn die eigenen Englischkenntnisse mindestens im Bereich eines B2-Sprachniveaus liegen.

In Australien muss man als ausländischer Student Studiengebühren bezahlen, die je nach Zeitrahmen variieren. Aktuell beträgt die Preisspanne 900 AUD für bis zu 4 Wochen Aufenthalt und 1100 AUD für 5-8 Wochen Aufenthalt. Möchte man sein gesamtes PJ-Tertial in Sydney verbringen, wird es richtig teuer: Pro Woche wird man mit 500 AUD zur Kasse gebeten (insgesamt 8000 AUD pro Tertial).

Falls die Bewerbung erfolgreich ist, muss man die zunächst elektronisch übermittelten Formulare im Original, zusammen mit dem Nachweis eines aktuellen Impfschutzes (Diphterie, Pertussis, Tetanus, Varizellen, Masern, Mumps und Röteln), sowie einem deutschen und australischen polizeilichen Führungszeugnis per Post an den Elective Coordinator (Ms. Duriye Varol) schicken.

Für die Einreise nach Australien benötigt man zudem ein gültiges Visum. Aktuell entspricht dies für einen 8-wöchigen Aufenthalt einem Visitor (subclass 600) visa. Allerdings unterliegen die Visumsbestimmungen einem ständigen Wandel- es lohnt sich also, telefonisch beim „Department of Immigration and Border Protection“ des Australian Government anzurufen und nachzufragen. Im Falle des Visitor (subclass 600) visa ist eine ärztliche Untersuchung notwendig, die nur bei sogenannten „Panel Physicians“ durchgeführt werden darf. Die Adressen dieser Ärzte können auf den Seiten des Department of Immigration and Border Protection eingesehen werden.

 

Das Krankenhaus

Das Royal Prince Alfred Hospital (RPAH) ist das größte Lehrkrankenhaus der Central Clinical School der University of Sydney und entspricht quasi dem Äquivalent eines Universitätsklinikums in Deutschland. Es gehört zu den ältesten Krankenhäusern im Staat New South Wales und zu den besten Kliniken Australiens. Die Central Clinical School selbst liegt auf dem Klinikgelände, sodass eine enge Verzahnung von klinischer Lehre und praktischem Lernen möglich ist.

 

Der Eingang des Royal Prince Alfred Hospital.

 

 

Ablauf der Rotationen

In australischen Krankenhäusern gibt es einige Besonderheiten, die neu für mich waren: Weder die Ärzte, noch die Studenten tragen Kittel. Frauen tragen meist Stoffhosen und Blusen, Kleider oder Röcke, Männer Anzugshosen, Hemden und Krawatte. Das Stethoskop wird- ähnlich wie man es aus amerikanischen Krankenhausserien kennt- locker um den Hals getragen oder in einer Handtasche.

 

Der Innenhof der Central Clinical School und dem Hauptgebäude des Royal Prince Alfred Hospitals.

 

Außerdem ist am Royal Prince Alfred Hospital der Zugang zur Medizinischen Fakultät und diversen Stationseingängen nur mit einer Klinik-ID möglich, die man immer sichtbar an der Kleidung tragen sollte, um sich als zum Krankenhaus zugehörig ausweisen zu können.

Während der ersten 3 Wochen am Royal Prince Alfred Hospital rotierte ich durch das Department of Geriatric Medicine. Dort wurde ich in ein sehr nettes Team eingeteilt, bestehend aus einem Intern (1. Jahr der Weiterbildung, in der verschiedene Rotationen durchlaufen werden müssen), einem Registrar (fortgeschrittener Assistenzarzt) und einem Consultant (Oberarzt). Das Spektrum der Krankheitsbilder ist sehr breit gefächert, daher war gerade diese Rotation zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung Gold wert.

In der Geriatrie wurden die Patienten zunächst von Interns und dem Registrar vorvisitiert. Vor jedem Patientenzimmer stellte der Intern also kurz den Patienten vor, woraufhin der Registrar mich zu den einzelnen Krankheitsbildern ausfragte und ich mich zum weiteren Procedere äußern musste. Im Anschluss an diese Visite erfolgte die Abnahme durch den Consultant. Auf diese Weise kann eine Visite von 9 Uhr morgens bis abends um 18 Uhr dauern. Anfallende Aufgaben werden zwischen kleineren Visitenpausen erledigt oder parallel zur Visite.

Ganz anders lief es im Department of Renal Medicine ab: Ich war für die Transplantationsstation eingeteilt, auf der eine internistische Visite im Vergleich relativ kurz ablief- in unter einer Stunde wurden bis zu 25 Patienten gesehen. Zudem gab es hier zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten und Journal Clubs, an denen ich regelmäßig teilnahm. Zudem gab es die Möglichkeit, sich als „interessierter und engagierter Student“ auf die „Emergency Transplant“-Liste als chirurgische Assistenz setzen zu lassen. Was damit genau gemeint war, bekam ich allerdings erst zu spüren, als nachts um 3 Uhr zum ersten Mal das Telefon klingelte: „We have a kidney transplant, can you be in the operating room in 30 minutes?“ Dennoch war die Assistenz bei Transplantationen eine Erfahrung, die ganz sicher nicht missen möchte.

Neben der Möglichkeit, in einer internistischen Rotation bei einigen Nierentransplantationen chirurgisch assistieren zu können, gab es noch die Möglichkeit, an den regulären Vorlesungen der Central Clinical School teilzunehmen. Für diese wurde man als Student freigestellt, man konnte aber ebenso auch auf Station bleiben, wenn man dies wollte. Freitags fanden zudem die „Grand Rounds“ statt. Dies ist eine interdisziplinäre Veranstaltung, zu der etwa 3 Ärzte einmal wöchentlich spannende Fälle oder aktuelle Studienergebnisse ihres Fachgebiets vortragen. Im Anschluss war immer Zeit für Diskussionen- bei einem großzügigen Buffet.

 

Unterkunft und Verpflegung

Leben in Australien ist sehr teuer- das Einzige, was die Lage als Student etwas vereinfacht, ist der zum Euro vergleichsweise schlechtere Kurs des Australischen Dollars. Die Central Clinical School, der das Royal Prince Alfred Hospital angehört, bietet leider keine Apartments für Studenten an. Organisiert man sich die Unterkunft privat, ist Vorsicht geboten, da man hier als ausländischer Student sehr gerne über den Tisch gezogen wird- und das massiv.

Nach meinen Erfahrungen lohnt es sich, für die ersten 1-2 Wochen ein Hotel/Hostel zu buchen und vor Ort nach einer geeigneten Unterkunft zu suchen. Grund dafür sind manche als seriös angebotene „Guesthouses“ oder „Furnished Apartments“, die auf dem freien Markt (z.T. mit ansprechender Internetseite) angeboten werden. Diese stellen sich nach der Ankunft jedoch häufig als böse Überraschung heraus (mangelnde Hygienestandards mit allerlei Ungeziefer, erfundene „terms and conditions“ der Unterkunft, nachträgliche Änderung der Buchung).

Ich hatte Glück und habe vor Ort über eine Oberärztin der Klinik eine private Unterkunft gefunden, in der sogar das Essen inklusive war. Allen anderen sei zur Recherche zu Seiten wie z.B. Flatmates oder Gumtree geraten, dort inserieren viele Studenten ihre Wohnung, um ein Privatzimmer darin zu vermieten. Die Preise für ein WG-Zimmer oder eine private Unterkunft können- je nach Lage und Rahmenbedingungen- von ca. 180-500 AUD pro Woche liegen. Meiner Erfahrung nach bekommt man für ca. 250-300 AUD pro Woche eine schöne private Unterkunft in Kliniknähe.

Ansonsten lohnt sich das Nachfragen unter den australischen Medizinstudenten. Wer etwas tiefer in die Tasche greifen möchte (bis zu 600-800 AUD pro Woche), kann in einer der Collegeunterkünfte in Kliniknähe unterkommen.

 

Australien, Freizeit und Reisen

Australien hat selbstverständlich einen extrem hohen Freizeitwert. Auch hier lohnt es sich, sich im Vorfeld zu informieren und gezielt zu planen, welche australischen Highlights man während seiner PJ-Zeit erleben möchte. Sydney selbst ist eine traumhafte und sehr vielseitige Stadt. Das Royal Prince Alfred Hospital liegt in unmittelbarer Nähe zum Stadtteil Newtown, in dem es viele kleine Cafés, Restaurants und Geschäfte gibt. Ideal also für die Mittagspause in der Klinik- gemeinsam mit den Kollegen Essen zu gehen wird in Australien ohnehin groß geschrieben- oder für ein Treffen mit Freunden am Abend.

 

Die Sydney Harbour Bridge

 

Für Schwimmer und Surfer gehören der Bondi Beach sowie der Coogee Beach in Sydney zu den beliebtesten Stränden. Auf dem Bondi to Coogee Walk kann man vom einen zum anderen Strand an der beeindruckend schönen Küste entlang laufen und weitere, kleinere Strände entdecken.

 

Bondi Beach

 

Einzigartig ist auch der Sydney Harbour- von dort aus kann man mit den Fähren nahezu alle anderen Stadtteile Sydneys in Küstennähe erreichen, über die Harbour Bridge nach North Sydney laufen oder am Wochenende direkt im Stadtteil „The Rocks“ den schönsten Street Market der Stadt genießen. Um das volle Sydney-Erlebnis gehabt zu haben, sollte man sich zudem die ein oder andere Vorstellung im Sydney Opera House nicht entgehen lassen. Für Studenten gibt es auch Rabatt- oftmals muss man sich nur erst danach erkundigen.

 

Sydney Opera House

 

An den Wochenenden kann man idealerweise andere Teile des Landes erkunden. Für Städtetrips sind insbesondere Melbourne und Perth empfehlenswert. Um traumhaft weiße Strände zu erleben, die in australischen Nationalparks liegen, lohnt sich eine Reise zu den Whitsunday Islands. Wer vor am Great Barrier Reef tauchen und schnorcheln möchte, hat insbesondere ab Cairns die besten Möglichkeiten dazu.

 

Koala in einem Eukalyptusbaum

 

Fazit

Mein PJ in Sydney war eine fantastische Erfahrung. Für mich hatte es insbesondere einen sehr großen Wert, da die Verzahnung mit der Central Clinical School gut organisiert war und ausländische Studenten auf diese Weise sehr gut in sämtliche Lehrveranstaltungen einbezogen wurden. Dadurch ergaben sich zum normalen Klinikalltag enge Kontakte zu australischen Medizinstudenten (und somit spätere Freundschaften), interessante Eindrücke in die australische Patientenversorgung und zusätzliche fachübergreifende Einblicke über Journal Clubs und Grand Rounds. Eine ideale Atmosphäre also, um zum Ende des Studiums die gelernten Inhalte vielseitig auf einem wunderschönen Kontinent weit weg von Zuhause vernetzen und vergleichen zu können- und deswegen für ein PJ-Tertial sehr empfehlenswert!

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