Zurück zu Infos zum Auslandsaufenthalt
  • Tipps
  • |
  • Ines Elsenhans
  • |
  • 30.01.2015

Hallo Welt! – Der Famulantenaustausch der bvmd

In keinem anderen Fach kann man andere Kulturen so hautnah kennenlernen wie in der Medizin. Bei einer Auslandsfamulatur lässt sich fast jeder Winkel dieser Erde erkunden. Den Famulaturplatz organisiert man dabei am besten über die bvmd.

 

Fahnen in den Händen - Foto: © vege - Fotolia.com

Wo soll die Reise hingehen? Wer beim Famulantenaustausch der bvmd mitmacht, hat die Wahl zwischen vielen spannenden Ländern. Foto: © vege - Fotolia.com

 

Na klar – auch in Deutschland gibt es spannende Famulaturen … Aber dann stehst du irgendwann müde im Klinikflur. Geschafft schließt du ganz kurz deine Augen. Plötzlich meinst du im Piepen des Monitors in Zimmer 14 das Gezwitscher eines tropischen Vogels zu erkennen. Der den Gang entlangrollende Essenswagen hört sich an wie die Brandung am Strand von Cancún. Du fühlst Sand zwischen den Zehen, die Sonne brennt dir aufs Haar … Und auf einmal tippt dir Schwester Simone auf die Schulter und streckt dir Röhrchen zum Blutabnehmen hin. Da wird dir schlagartig klar: Jetzt ist Zeit für eine Auslandsfamulatur!

 

An deiner Seite: NEOs und LEOs

Haupthürde beim Organisieren einer Famulatur fernab der Heimat ist die Frage, wie man an einen guten Famulaturplatz kommt. Stressfrei lösen lässt sich dieses Problem mit dem Fa­mulantenaustausch der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd). Mit diesem Programm unter dem Dach der „International Federation of Medical Students‘ Associations“ (IFMSA) entsendet die bvmd jedes Jahr etwa 300 Medizinstudenten ins Ausland. Der große Vorteil dabei: Für ­Unterkunft und Verpflegung muss der Student nichts bezahlen, da bei diesem „bilateralen“ Austausch im Gegenzug die gleiche Anzahl ausländischer Studenten nach Deutschland kommt. Zusätzlich gibt es noch 50 bis 60 einseitige („unilaterale“) Plätze. Studenten, die diese Möglichkeit nutzen, müssen allerdings die Kosten von 250 bis 400 Euro selber tragen.

Wie die Vermittlung der „Austauschwilligen“ funktioniert, weiß Christian Fischer Sille. Er ist einer von zwei „National Exchange Officers“ (NEO) und koordiniert den Austausch auf ­Bundesebene. „An jeder Medizineruni haben wir ‚Local Exchange Officers‘, die LEOs. Sie betreuen die Studenten, die ins Ausland wollen, die ‚Outgoings‘, sowie die ausländischen Studenten, die zu uns kommen, die ‚Incomings‘. Dabei organisieren sie Famulaturplätze, ­Wohnungen und das ‚social program‘. Zudem machen sie Infoabende, halten Sprechstunden und helfen bei der Bewerbung.“

Bei einer dieser Infoveranstaltungen hat auch Frederieke das Fernweh gepackt. „Dort erzählten Studenten über ihre Auslandser­fahrungen. Toll fand ich vor allem, dass man im Gastland einen LEO als Ansprechpartner hat“, erzählt sie. Wer am Austausch teilnehmen will, muss sich für eines der über 60 angebotenen Länder entscheiden. Für die Kieler Medizinstudentin war schnell klar, dass es Budapest werden soll: „Ich habe in Ungarn mein FSJ gemacht. Zudem waren die Erfahrungsberichte auf der bvmd-Homepage durchweg positiv.“

 

Punkt für Punkt zum Traumziel

Ist das Wunschland auserkoren, geht’s an die Bewerbung. Jennifer, die sich für eine Famulatur in Kanada bewarb, empfiehlt zwei bis drei Wochen für die Bewerbung einzuplanen. „Man braucht etwa ein Englischzertifikat und einen ‚Letter of Motivation‘. Bis ich alles zusammen hatte, wurde die Zeit schon knapp.“ Hat man alle Unterlagen, lässt man sich das vom LEO be­stätigen. Anschließend wird die Bewerbung auf der bvmd-Homepage hochgeladen. Ab da heißt es Daumen drücken. Denn häufig gibt es mehr Bewerber als Plätze. Damit es bei der Platzvergabe fair zugeht, hat sich die bvmd ein Punkteverfahren überlegt. Punkte gibt es für die Semesteranzahl, für Sprachkenntnisse und ein Engagement bei der bvmd. Liegen Bewerber gleichauf, entscheidet das Motivationsschreiben.

 

Spannung bis zum Schluss

Nach ungefähr vier Wochen versendet die bvmd die Zu- und Absagen. Gehört man zu den Glücklichen mit Zusage, kann man die Korken knallen lassen. Aber nicht zu ausschweifend! Denn danach müssen an das Berliner bvmd-Büro noch Dokumente für das Gastland eingereicht werden und man muss sich so schnell wie möglich in das IFMSA „Electronic Exchange System“ einloggen und das Online-Bewerbungsformular ausfüllen. So wird die Bewerbung aufrechterhalten und das Gastland bekommt die persönlichen Daten. Etwa acht Wochen vor Famulaturbeginn wird es dann noch einmal spannend: Die „Card of Acceptance“ landet im Briefkasten. Nun weiß man endlich, wann es wo hingeht und in welcher Fachabteilung angepackt werden darf. Jennifer musste nach der Nachricht erst mal kräftig schlucken: „Eigentlich wollte ich in das englischsprachige Kanada und in die Endokrinologie. Stattdessen wurde es das Städtchen Québec im französischsprachigen Kanada und die Urologie.“ Trotzdem hat sie sich riesig gefreut, dass es geklappt hat, und schickte zur Bestätigung die „Card of Confirmation“ ans Gastland.

Wer eine Absage erhalten hat, muss den Traum vom Austausch nicht begraben. Entweder man hält die Bewerbung für die nächste Saison aufrecht oder man bewirbt sich auf Restplätze, die auf der bvmd-Homepage ausgeschrieben sind. Für sie gilt ein vereinfachtes Bewerbungsverfahren.

 

Freunde fürs Leben

Nachdem die Anreise organisiert ist, heißt es Koffer packen und los. Für Andreas aus Göttingen war Buenos Aires das Ziel. An seinem ersten Arbeitstag in der neurologischen „ClÍnica Sagrada Familia“ wurde er herzlich begrüßt – und gleich mal gewarnt. „Die Ärzte rieten mir, mich vor den verführerischen argentinischen Frauen in Acht zu nehmen“, erzählt er mit einem breiten Grinsen . Doch für solche Ablenkungen hatte Andreas sowieso keine Zeit. „Oft war ich bis spätabends in der Klinik“, erzählt er.

Pro Tag sah er bei bis zu zwölf Angiografien zu. Behandelt wurden vor allem Hirnaneurysmen und Gefäßmalforma­tionen. Das enorme Pensum der Ärzte führte dazu, dass sie oft müde im OP standen und Andreas einige Komplikationen miterlebte. „Vielleicht wären die Fehler vermeidbar gewesen, hätte man elektive Eingriffe verschoben.“ Auch wunderte ihn, dass mit den Assistenzärzten Therapieoptionen und Probleme kaum besprochen wurden. So bekamen sie keine Chance, aus ihren Fehlern zu lernen. Auch Jennifer war von „ihren“ Urologen nicht ganz so begeistert. „Wenn die Ärzte bei einer Prostatektomie auf Québécois in ihren Mundschutz nuschelten, hab ich trotz guter Fran­zösisch-Kenntnissen manchmal nicht ver­standen, was ich tun soll. Ein Urologe hat mich deshalb sogar mal angeschrien.“ Frederieke hingegen hatte mehr Glück. „Ich war auf der Diabetes-Station, wo viele ambulante Patienten behandelt wurden. Auch wenn ich nicht mit anpacken durfte, habe ich einiges gelernt, weil ein junger Assistenzarzt mir viel erklärt hat.“

So unterschiedlich die Erlebnisse in der Klinik auch waren, von den Freizeitaktivitäten er­zählen alle drei begeistert. Andreas nutzte die Wochenenden, um Touren ins Delta des Rio de la Plata zu unternehmen. Jennifer durfte nach ihrer Famulatur eine Woche Urlaub im Elternhaus einer neuen Freundin machen. Und Frederieke hat nach Feierabend oft am „social program“ der LEOs teilgenommen oder sich mit anderen Studenten getroffen. Sie erzählt: „Der Austausch ist cool – das Beste ist aber, dass man andere Medizinstudenten kennenlernt und neue Freundschaften schließt.“ Dem kann Andreas nur zustimmen. Sein nächster Flug nach Buenos Aires ist schon gebucht.

 


Infos zum Famulantenaustausch

 

Bewerbungsbedingungen

 

Stichtag für die Bewerbung

 

Gut zu wissen

 

 

Schlagworte

Mehr zum Thema

Artikel: Forschungsaufenthalt in den USA

Linkliste: Linknavigator Auslandsaufenthalte

Infopaket: Infopaket Famulatur/PJ im Ausland