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  • Vanessa Bücker
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  • 15.11.2012

Der WG-Knigge

Du bist Erstsemester und hast noch keine WG-Erfahrung? Ständig fliegst du aus der WG raus und kannst dir einfach nicht erklären, warum? Tag ein, Tag aus habt ihr Streit in der WG und du weißt nicht mehr, was du tun sollst?! Lokalredakteurin Vanessa Bücker hat 7 Tipps zusammengestellt und erklärt, wie der WG-Hase läuft.

"Endlich ohne Mama und Papa, endlich ohne Regeln leben!", freut sich die Erstsemester-Studentin Anna, die sich endlich in die eigenen vier Wände wünscht. Jetzt wagt sie den ersten Schritt in diese Richtung: die Wohngemeinschaft, auch WG.

Die große Freiheit ruft. Anna freut sich auf die neue Zeit, die ihr bevorsteht. Nach längerem Suchen - schließlich herrscht Wohnungsnot in ihrer Unistadt - hat sie eine schöne WG gefunden, in der sie einziehen kann.

Sie genießt ihr neu gewonnenes Studentenleben und weiß eigentlich gar nicht so genau, warum sich ihre Mitbewohner manchmal so anstellen. Ist doch alles easy-locker, so ohne Eltern. Oder?! Doch damit so viele verschiedene Köpfe unter einem Dach zusammen leben können, braucht es auch im WG-Leben gewisse Regeln, an die man sich halten sollte.

 

1. Macht einen Putzplan

Gestapeltes Geschirr, Brotkrümel auf dem Tisch, leere Weinflaschen neben dem Mülleimer. Wenn Anna mal wieder die Sau rausgelassen hat, würde Lisa am liebsten einen großen Bogen um die Küche machen - und das die nächsten Tage. Denn irgendwie schafft es Anna nie, ihre Hinterlassenschaften wegzuräumen. Und auch sonst hält sie nicht viel vom Putzen. Wie immer wird Lisa den Dreck wegmachen müssen, aber ist sie denn die WG-Putze à la Hotel Mitbewohner?!

Klare Absprachen, wer sich um den WG-Putz kümmert, gehören in jede gute WG. Erstellt einen wöchentlich rotierenden Putzplan, so dass jede Woche jemand anderes die Küche oder das Bad putzt. So teilt man sich die Arbeit auf. Wenn sich jemand nicht an den Putzplan hält, sprecht denjenigen darauf an. Notfalls müsst ihr "Sanktionen" verhängen. Wie wäre es mit einer Flasche Wein für alle oder einem Beitrag in die WG-Kasse?

Einige Putzplan-Ideen findet Ihr hier:

Ratgeber Wohnen


Und damit nicht jede Woche ein Großsanierungsaktion für denjenigen ansteht, der mit Putzen dran ist, sollte generell gelten: "Verlasst die Räume so, wie Ihr sie vorgefunden habt." Dann sind nervige lange Haare im Waschbecken, Bremsspuren in der Toilette und gestapeltes Geschirr passé.

 

2. Jedem sein eigenes Kühlschrankfach

Am Einfachsten ist es, wenn sich jeder sein Essen selbst besorgt. Sonst kommt es mal vor, dass Anna die letzte Milch genommen hat und vielleicht das letzte Brot. Nun steht Paul mit leerem Magen vor dem Kühlschrank und kann sich weder eine Schüssel Cornflakes noch 'ne Schnitte Brot machen, ohne zum nächsten Supermarkt zu müssen. Wenn so etwas öfter vorkommt, strapaziert das die WG-Nerven gerne mal über. Verständlicherweise.

Wenn ihr zusammen etwas kocht, könnt ihr natürlich auch mal zusammen einkaufen oder zusammenschmeißen, was jeder noch so in seinem Fach hat.

 

3. Rücksicht nehmen

Dröhnende Musik aus dem Nachbarzimmer, wenn man eigentlich lernen muss. Laute spanische Soaps. Oder stundenlanges Blockieren des Bades, wenn man es eigentlich eilig hat. Wohl jeder hat solche Situationen schon erlebt.

Ein gesundes Maß an Rücksichtnahme sollte selbstverständlich sein. Zum Beispiel, dass Anna nicht für jede Erstiparty bei sich in der WG mit zehn Leuten vortrinkt - am besten an jedem Tag der Woche. Das man morgens nicht eine Stunde lang das Bad blockiert, wenn alle gleichzeitig Vorlesungen haben.

Redet miteinander: Wer hat zur selben Zeit morgens Vorlesungen? Wann möchte wer ins Bad? Hat jemand Prüfungen und braucht seine Ruhe? Miteinander reden ist das A und O. So wisst ihr, was jeder braucht und könnt gegenseitig Rücksicht auf die Bedürfnisse Eurer Mitbewohner nehmen.

Trefft Kompromisse, damit jeder zufrieden ist. Wenn Paul lernen muss, weil er Examen hat, aber Anna gerne laut Musik hört, sollten sie eine Lösung finden, die beiden passt. Anna nimmt natürlich gerne Rücksicht auf Paul, dafür geht er vielleicht auch mal einen Nachmittag in die Bib zum Lernen und sie kann Zuhause laut Musik hören. Denn wer weiß, ob nicht Anna gerade lernen muss, wenn Paul sein bestandenes Examen feiern will mit ganz viel lauter Musik ...

 

4. Grenzen ziehen

Die Intimsphäre sollte heilig sein. Jeder braucht mal seine Zeit für sich und die anderen sollten dementsprechend Verständnis haben. Lasst Eure Türen offen stehen, wenn ihr ansprechbar seid. Aber schließt eure Tür, wenn ihr einfach mal Ruhe wollt. Und falls doch mal was ganz Wichtiges ist: Klopfen nicht vergessen!

 

5. Setzt Euch zusammen

Für eine gute Gruppendynamik ist es hilfreich, sich ab und zu zusammen zu setzen. Plant gemütliche WG-Abende oder kocht einfach mal zusammen. Diese Treffen bieten euch Raum und Zeit, Probleme in der WG oder Organisatorisches anzusprechen. Außerdem steigern nette, gemeinsame Abende oder Aktionen das Wir-Gefühl.

 

6. Sprecht Probleme offen an

Sollten Probleme auftauchen, ist es das Beste, sie so schnell und so offen wie möglich anzusprechen. Wichtig ist zum einen, dass ihr das richtige Setting wählt. Wenn es etwas Wichtiges ist, solltet ihr das nicht zwischen Tür und Angel besprechen. Kocht euch einen Tee oder Kaffee, setzt euch in Ruhe hin. Oder wählt einen WG-Abend aus, um etwas zu besprechen.

Fresst das Problem nicht tage- oder wochenlang in euch rein, sondern sagt, sobald euch etwas stört. Anna putzt nie? Der Freund von Lisa ist vier Tage die Woche zu Besuch und das nervt? Paul will immer Verständnis für seine Prüfungszeiten, räumt diese aber selbst nie für andere ein?

Sprecht über eure Probleme - aber versucht, sachlich zu bleiben! Beleidigt die anderen nicht, verpackt nicht alles in Vorwürfe. Bildet keine Fronten - Zwei gegen Einen oder so. Hinter dem Rücken tratschen über einen Mitbewohner geht gar nicht. Das führt im schlimmsten Fall zur Spaltung der Gruppe.

 

7. Akzeptieren, wenn es nicht mehr funktioniert

Klappt es gar nicht mehr, muss man wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. Manchmal treffen nun mal so verschiedene Geister aufeinander, dass es vorne und hinten nicht klappt. Der geistreiche Mitbewohner, der seine Nase nur in Bücher steckt und auch sonst ein Einsiedler ist, wird wahrscheinlich eher ein Problem mit dem Party-Löwen haben, der sich jeden Abend ins Koma säuft.

Du solltest in eine gute Mitbewohner-Beziehung ähnliches wie in eine gute Partnerschaft stecken: Kommunikation, Kompromissbereitschaft, Rücksichtnahme. Vielleicht mal den ein oder anderen Gefallen tun: einen Topf abspülen, den man nicht benutzt hat, oder Müll rausbringen, wenn man eigentlich nicht an der Reihe ist. Mal fragen, ob noch jemand eine Kleinigkeit vom Supermarkt braucht, wenn man eh hingeht.

Miteinander leben in der WG fordert einen ebenso vernünftigen Umgang miteinander wie in der Familie oder Partnerschaft. Nur weil du jetzt auf eigenen Beinen stehst, heißt das nicht weniger Regeln oder dass man weniger tun muss. In der Regel heißt es sogar: mehr Verantwortung und eine größere Kompromissbereitschaft.

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