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  • Tanja Peschel
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  • 24.05.2013

Survival-Tipps für Mediziner-WGs

In einer WG mit Medizinern - kann das funktionieren? Bei Jungmediziner Tim, der mit den Nichtmedizinern Benny und Meike zusammenwohnt, klappt's! Ebenso bei Friedemann - obwohl es den besonders hart erwischt hat: Er wohnt nämlich in einer reinen Mediziner-WG.

 

Heidelberger Dreier-WG. - Foto: K. Oborny

 

Eine WG - drei Studienfächer: Geisteswissenschaftler Benny studiert Anglistik auf Lehramt, Meike macht ein duales Studium in Projekt-Engineering und Tim ist im 6. Semester Medizin. Wie funktioniert das Zu­sammenleben bei den drei Heidelberger ­Studis? Eigentlich ganz gut. Der Mediziner in der WG war laut seinen Mitbewohnern nur während der Physikums-Zeit "unausstehlich". Und dass man manchmal vor Prüfungen ein wenig angespannt ist, können schließlich auch Nichtmediziner sehr gut verstehen. Die drei wissen aber auch: Einige Grundregeln gilt es zu beherzigen, damit der Frieden erhalten bleibt:

 

Tipp Nr. 1 @Mediziner: Schaltet mal ab!

Ganz wichtig: Als Mediziner kann man tagelang beim Lernen ranklotzen - das wird vom nichtmedizinischen Umfeld komplett toleriert. Doch sobald eine gemeinsame WG-Party startet, sollte "Schicht im Schacht" sein. Tim erzählt, wie er bei einer Feier feststellte, dass sich jemand im Badezimmer eingeschlossen hatte. "Zusammen mit einem anderen Mediziner mit Rettungssanitäterausbildung stand ich dann einige Zeit vor der Tür. Da keiner auf unser Rufen reagierte, vermuteten wir ein alkoholinduziertes Koma. Gemeinsam beschlossen wir, die Tür einzutreten." Zum Glück riefen die beiden nochmals durchs Schlüsselloch, was sie vorhatten. Denn dann drang plötzlich ein panisches "NEIN! Wir baden doch nur!" nach draußen. Und Minuten später kam ein in Handtücher gewickeltes Pärchen heraus. Merke: Zumindest bei Partys sollten Mediziner übertriebene Rettungsreflexe ablegen - sonst stiften sie nur Verwirrung oder zerstören im schlimmsten Fall das Mobiliar.

 

Tipp Nr. 2 @Mediziner: Nehmt Rücksicht in Gesprächen!

Geradezu berüchtigt sind Mediziner-WGs dafür, dass sich Gespräche über das Privatleben plötzlich mit Lerninhalten vermischen. Nichtmedizinische Gäste sitzen dann völlig perplex mit eigentlich ganz netten Menschen am Tisch, die auf einmal über die Gefährlichkeit von Eiterkeimen oder die Letalität von Rektum-Karzinomen diskutieren. Vorbildlich: Medizinstudent Friedemann aus Tübingen wohnt seit drei Semestern in einer reinen Mediziner-WG - und achtet sehr darauf, dass in der Freizeit nicht nur über medizinische Themen gesprochen wird. Seine WG verwaltet einen der legendären Tübinger Stocherkähne* - und im Sommer kommen jeden Tag Studenten vorbei, um sich das Gefährt auszuleihen. Bei diesen Treffen geben sich alle Mühe, möglichst wenig Medizinisches zu diskutieren - sogar die pathophysiologischen Abläufe beim Beinahe-Ertrinken sind tabu!

 

Katze in Heidelberger Mediziner-WG - Foto: K. Oborny

 

Tipp Nr. 3 @Nichtmediziner: Übt Toleranz!

Umgekehrt gilt, dass Nichtmediziner, die mit Medis zusammenwohnen, eine hohe Toleranzgrenze brauchen. Das ist auch angebracht - schließlich leisten Ärzte viel für die Allgemeinheit! Da kann man auch die eine oder andere Absonderlichkeit ertragen. "Man darf sich über nichts wundern", betont Benny. Er erzählt von einem ehemaligen Mitbewohner, der Bennys Wäsche zusammen mit seinem Präpkurs-Kittel wusch. "Das war ja nett gemeint, aber den Formalin-Geruch bin ich bis Semesterende nicht mehr losgeworden …" Ein anderes Mal "erwischte" Benny ihn mit einer Gummipuppe - beim Einzeichnen der Nervenbahnen und Dermatome. Als Tim später einer Kommilitonin im Wohnzimmer das Braunülenlegen demonstrierte, schockte das Benny nicht mehr im Geringsten.

 

Tipp Nr. 4 @alle: Putzfimmel oder Müllhalde? Sprecht euch ab!

Zu den häufigsten Streitpunkten in WGs gehört der Putzplan - dabei ist komplett egal, ob man Medizin studiert, Jura oder Theologie. Benny meint dazu: "Man sollte möglichst mit Leuten zusammenziehen, die ein ähnliches Sauberkeitsempfinden haben wie man selbst". Jemand mit Putzfimmel wird prinzipiell öfter mit unordentlichen oder schusseligen Mitbewohnern aneinandergeraten, die ihre Putzdienste regelmäßig vergessen. Auch Friedemann findet: Eine entspannte Lebenseinstellung der Mitbewohner ist wichtig. Andererseits müssen aber auch die Grundlagen eines Sauberkeitsverständnisses vorhanden sein.

 

Tipp Nr. 5 @alle: Habt Spaß - aber nehmt Rücksicht!

Ebenfalls für alle Studienfächer gilt, dass man etwa den gleichen Sinn für Humor haben sollte - sonst kommt es leicht zu Missverständnissen. Was der eine für eine feinsinnige ironische Bemerkung hält, versteht der Nächste als ernsthafte Kritik. Und wer Mitbewohner zum Spaß mit Gaffer-Tape fesselt oder deren Zimmertür mit Regalen blockiert, sollte sich genau überlegen, ob andere das wirklich auch lustig finden. Hat sich jemand mal zu viel herausgenommen, ist es ganz wichtig, nichts unter den Teppich zu kehren - sondern sofort anzusprechen. Das gilt für verpasste Putzdienste ebenso wie für missratene Späße. Zudem ist wichtig, dass man aufeinander Rücksicht nimmt - lernt der Mediziner gerade nächtelang aufs Physikum, sollte man nicht unbedingt die spontane Party mit heimbringen.

 

Heidelberger Mediziner-WG beim Abwasch - Foto: K. Oborny

 

Tipp Nr. 6 @reine Mediziner-WGs: Nicht zu viel kuscheln!

Reine Mediziner-WGs haben Vorteile: Bei intensiver Lernerei kann man auf das Verständnis der Mitbewohner bauen und jederzeit jemanden fragen, falls es bei einem Thema hakt. Leider gibt es einen massiven Nachteil: Das Zusammenleben in einer WG ist ohnehin schon eine intime Angelegenheit. Studiert man auch noch dasselbe und hat sogar Vorlesungen, Praktika und Prüfungen miteinander, kann das rasch in eine quasi symbiotische Beziehung abgleiten. Die meisten Leute gehen sich so irgendwann auf die Nerven und vergiften das WG-Klima. Nichtsdestotrotz kann auch eine reine Mediziner-WG funktionieren! Nur müssen dazu alle Beteiligten darauf achten, ihr Privatleben abseits der WG zu pflegen - so wie Friedemanns WG: "Wir hocken nicht den ganzen Tag aufeinander. Da wir nicht alle zur gleichen Zeit aufstehen oder immer dieselben Vorlesungen besuchen, haben wir uns bis abends meist nur drei Stunden gesehen."

 

Tipp Nr. 7 @alle: Die Chemie muss stimmen!

Andererseits gibt Friedemann zu: "Es gibt schon viele Mediziner, mit denen ich nicht zusammenziehen wollte, einfach weil mancher übermäßig viel lernt und einen damit stresst." Auch Tim wäre in Bezug auf eine reine Mediziner-WG sehr vorsichtig. Er hätte Angst, dass ihn die anderen schnell in den Lern-Wahnsinn treiben. Sehr viel wichtiger als das Studienfach finden allerdings alle Interviewten, dass sie mit dem Charakter der Mitbewohner klarkommen. Sprachwissenschaftler Benny würde auf jeden Fall wieder mit Tim in eine WG ziehen. Er meint, es könne zwar schon schwierig sein, mit einem Mediziner zusammenzuwohnen. "Aber", fügt er begeistert hinzu, "im Notfall kann Tim mich dafür retten!"

 


 

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