Zurück zu Schon gewusst?
  • Interview
  • |
  • Christine Zilinski
  • |
  • 04.11.2015

Was hilft gegen Hangover?

Keine Frage: Medizinstudenten wissen, wie man gut feiert. Doch auch sie sind vor den Nachwirkungen einer ausschweifenden Partynacht nicht gefeit. Wir haben den Münchner Immunologen Dr. Peter Schleicher gefragt, was man gegen den alkoholbedingten Brummschädel am nächsten Morgen tun kann.

Hangover - Foto: igor/Fotolia.com

Die Folgen von Alkohol können ganz schön unangenehm sein ... Foto: igor/Fotolia.com   

> Wie entsteht eigentlich ein „Kater“?

Der Alkohol blockiert das Antidiuretische Hormon. Dadurch scheidet man mehr Flüssigkeit aus, als man trinkt, und man verliert Elektrolyte. Das ist einer der Hauptgründe für den Kater. Ein weiterer Faktor ist die direkte Wirkung des Ethanols, das Ödeme im Gehirn verursacht. Dadurch steigt der intrakranielle Druck, man bekommt Kopfweh und fühlt sich benommen. Zum Dritten sind in vielen alkoholischen Getränken Fuselalkohole enthalten, also Begleitalkohole, die toxisch auf das zentrale Nervensystem wirken und dadurch ihren Teil zum Unwohlsein beitragen.

 

> Wie kann man einem Kater vorbeugen?

Wir haben in unserer Praxis untersucht, was passiert, wenn man vor Alkoholkonsum ein Glas Olivenöl trinkt. Das scheint tatsächlich zu helfen! Warum das so ist, darüber gibt es verschiedene Theorien: Entweder verhindert der aus­kleidende Effekt des Öls im Magen und Dünndarm den schnellen Übertritt vom Alkohol ins Blut, oder es liegt an den essenziellen Fettsäuren. Die werden in der Leber sehr schnell ver­stoffwechselt, sodass der Alkohol möglicher­weise kompetitiv schlechter auf­genommen wird. Ein weiterer Tipp ist, vorher einen Elektrolytdrink zu sich zu nehmen. Oder man schluckt Weihrauchtabletten. Will man zum Beispiel aufs Oktoberfest und dort mehr als eine Maß trinken, kann dieses Medikament helfen. Es wirkt der Ödembildung entgegen und hilft dem Körper bei der Entgiftung.

 

> Was muss man während des Trinkens von Alkohol beachten?

Wenn man Alkohol trinkt, sollte man bei einer Sorte bleiben, also Bier oder Wein, keine harten Sachen. Und immer wieder zwischendurch elektrolytreiches Mineralwasser trinken, am besten auf ex. Dann hellt man sofort wieder auf. Oder spätestens vor dem Schlafengehen – und dann am besten gleich eine ganze Flasche.

 

> Was kann man tun, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“ und man morgens mit Kater aufwacht?

Aspirin oder Ibuprofen einnehmen – und dazu Mineralwasser trinken. Die Schmerztabletten machen die Thrombozyten beweglicher, die Feindurchblutung wird verbessert. Das Wasser füllt den Elektrolyt- und Wasser­verlust wieder auf. Kaffee sollte man nicht trinken, das reizt und säuert den Magen an. Einen Rollmops zu essen, ist dagegen gut, weil er sehr elektrolytreich ist und zudem Fischöle enthält, die antientzündlich wirken. Anschließend sollte man an der frischen Luft zügig spazieren oder in die Sauna, um ein wenig zu schwitzen. Das dient der Entgiftung des Mesenchyms, des Unterhautgewebes. Auch eine Hühnerbrühe ist sinnvoll. Darin befinden sich Eiweiße – und nach einem Rausch braucht die Leber Aminosäuren, um sich zu regenerieren. Den Kater am nächsten Morgen mit einem Schnaps wegzuspülen, ist Unsinn. Wer das braucht, hat ein Alkoholproblem und sollte zum Arzt.

 


Du möchtest mehr über vorklinische Themen wissen? Du möchtest heute schon wie morgen lernen?

Dann klicke hier!

Mehr zum Thema

Interview: Kann man Menschen einfrieren und wieder auftauen?

Interview: Gibt es Frühlingsgefühle wirklich?

Interview: Kann man sich tatsächlich erkälten?

Schlagworte