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  • Interview
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  • Via medici
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  • 05.12.2005

Warum hat man einen Kater?

Aschermittwoch. Verschlafen schlurft Ihr Mitbewohner in die Küche. "Mann", stöhnt er, "hab ich einen Kater. Waren wohl zu viele Fastnachts-Cocktails gestern. Sag mal, Du studierst doch Medizin. Was kann man eigentlich nach durchzechter Nacht gegen Kopf- und Gliederschmerzen tun?"

 

Damit du für Fragen gewappnet bist, die mit: "Sag mal, Du bist doch Mediziner..." beginnen, haben wir für dich lieber gleich einen Experten gefragt: Prof. Lüllmann, emeritierter Professor für Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Kiel, gibt Antwort.

 

> Woher kommt der "Kater" und welche Symptome sind typisch?

 

Prof. Lüllmann: Typische Katersymptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Magenschmerzen. Bier, Wein und Schnaps enthalten Geschmacksstoffe und höhere Alkohole, die zu den Nachwirkungen beitragen. Als Faustregel gilt: Je höher der Ethanol-Gehalt, umso mehr wird die Magenschleimhaut geschädigt. Das führt zu Übelkeit. Je aromatischer ein Getränk, desto mehr stehen zentrale, langsam abklingende Wirkungen im Vordergrund. Ethanol wird linear eliminiert, die Begleitsubstanzen dagegen exponentiell, daher können sie längere Zeit nach Genuss in relativ höherer Konzentration vorliegen als Ethanol. Der reine Alkohol wirkt wie ein Narkotikum. Die Begleitsubstanzen modifizieren die zentralen Wirkungen und führen bei bestimmten Alkoholika zu besonders ausgeprägten Katersymptomen. Über die genaue Ursache für Kopf- und Gliederschmerzen ist wenig bekannt. Periphere Schmerzrezeptoren scheinen eine Rolle zu spielen.

 

> Was kann man dagegen tun? Gibt es eine wirkungsvolle Prophylaxe?

Man sollte qualitativ hochwertige Alkoholika trinken und Hochprozentiges meiden. Herbe Weiß- und Rotweine sind am besten verträglich. Wer Schnäpse trinkt, sollte sie immer zusammen mit Bier genießen ("Lüttje Lage"). Wichtig ist auch, vorher gut und fettreich gegessen zu haben. Das verzögert die Ethanol-Resorption und vermindert Spitzenkonzentrationen im Blut. Der Kater selbst kann mit einem einfachen Schmerzmittel am nächsten Morgen abgemildert werden.

 

> Ab welchem Alkoholpegel muss man mit einem Kater rechnen? Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Prof. Lüllmann: Als Wert im Blut kann = 0,5‰ angesehen werden. Aber bereits vorher sind bei vielen Menschen deutliche Wirkungen festzustellen. Frauen sind empfindlicher gegenüber Ethanol und bauen den Alkohol auch langsamer ab. Wer sich auf "vernünftige" Alkoholika beschränkt, sollte am nächsten Morgen nicht an einem Kater leiden müssen.

 

Fazit: nur qualitativ hochwertige Alkoholika in Maßen. Prost!

Vielen Dank für dieses Gespräch.

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