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  • 18.08.2016

Dr. Motz und die #nextgeneration

Patienten, die vor ihm schon Dr. Google befragt haben, kennt Dr. Motz. Verkehrsunfallopfer, die im Schockraum ihre Platzwunden mit dem Smartphone live posten, auch. Und Angehörige, die in Skype Live- Schaltung über die Genesung ihrer Liebsten informiert zu werden wünschen, sowieso. Doch es gibt noch eine Steigerung.

CPM@Physio

Die korrekte Dokumentation ärztlicher Befunde und Maßnahmen in der Krankenakte ist heutzutage ein legales und ökonomisches Muss. Das trichtert Dr. Motz seinen Assistenten immer und immer wieder ein. Doch dass die zeitgemäße schriftliche Anforderung einer Motorschienentherapie (continous passive motion) an die Krankengymnasten unter CPM@Physio niedergelegt wird, verursacht bei dem alten Chirurgen eine kurzfristige Kiefersperre. Was kommt als nächstes?

 

Hipster, Nerds und It-Girls

Passend zum literarischen Gehabe seiner Leute, stellt sich auch das Außenbild der Next Generation Mediziner dar. In Dr. Motz Abteilung wurde extra für die Hipster unter den Jung-Chirurgen ein Bartträgermundschutz angeschafft, um das wilde Gekräusel vor dem Eintauchen in die OP-Wunde zu schützen. Optisch schaut das aus, als trüge der Hipster zwei Häubchen, eines auf dem Kopf und eines am Kinn. Allein aus Eitelkeit hätte sich Dr. Motz einen etwaigen Bart schon längst kinderpopoglatt rasiert!

Die andere Hälfte der männlichen Belegschaft zeigt durch entsprechende Brillenberahmungen und in den Knien hängenden Arzthosen sein zeitgeschichtliches Selbstverständnis. Die eigentlich unter den Arzthosen getragenen karo-Boxershorts werden dabei zum gluteal einzig verhüllenden Stoffteil, was den Vorteil hat, die vorhandenen Kollektionen täglich vergleichen zu können.


Auf weiblicher Seite finden sich zu eigentlich Höherem berufene It-Girls. Sie wollen einzig als Operateurin im Mittelpunkt der Op Scheinwerfer stehen und sehen Papierkram, Visiten und vor allem aktives Assistieren als unter ihrer Würde an. Wer sind sie denn schließlich! Die Paris Hilton der Chirurgie, die Cara Delevingne der Scrubs-Kleidung und die Alexa Chung der Station! Da die Dienstkleidung dummerweise wenig Spielraum zur individuellen modischen Interpretation lässt, wird diese auf Turnschuhe (neon pink) oder den Weg von und zur Arbeit (Designer Handtasche, Pumps und zerfetzte Jeans) konzentriert.

 

Wichtig: Ich

Die Nachfolger der Generation Y sind ein Spiegel ihrer Zeit und stellen eines in den Mittelpunkt ihrer Arbeit: sich selbst. Die kleinste Überminute ist eine unfassbare Zumutung, schließlich wartet die Freizeit! Die Mittagspause ist heilig, sonst droht der körperliche Verfall und wenn Dr. Motz am Telefon auf der Suche nach einer OP Assistenz im Hintergrund eifriges Tellerklappern vernimmt, fragt er schon gar nicht mehr nach.

Gleichzeitig sinkt die Wertschätzung für die Umgebung: Berichten die Assistenzärzte von konsiliarischen Empfehlungen anderer Ärzte, sprechen sie von „die Müller hat gemeint…“ Woraufhin Dr. Motz ätzen möchte: für dich du kleines Assistenzwürstchen immer noch „die oberärztliche Kollegin Frau Dr. Müller“ – aber er lässt es, weil er sonst umgehend bei der Geschäftsführung wegen Beleidigung antreten muss. Auch die Patienten kommen nicht besser weg, sie existieren nur noch als „das Schenkelbein“ oder „Die Alte mit der Wunde am Mittelfuß“.

 

Nicht ohne mein Smartphone!

Während Dr. Motz Generation nahezu nackt an persönlichen Gegenständen in den OP ging (lediglich die eigene Brille blieb auf), geht die heutige Generation nirgends ohne Smartphone hin und schon gar nicht in den OP. Hier zeigt sich wieder mal der Vorteil des Fachgebietes Anästhesie, da die dortigen Assistenten während der öden Narkose ihr Handy auch haptisch bedienen können und sich mit Spielen (natürlich wird gerade die Fach-App bedient) die Zeit vertreiben. Der arme chirurgische Assistent darf nur hilflos seinen WhatsApp Eingängen lauschen.


Es gibt eine WhatsApp Assi-Gruppe die einen in-time auf dem Laufenden hält, welche Patienten den diensthabenden Kollegen gerade belästigen, aber auch, was der Chef sich wieder zu verlangen anmaßt. Wenn die Assistenten wüssten, dass Dr. Motz seinen Whistleblower in dieser Gruppe hat und über sämtliche Lästereien auf dem Laufenden ist!

 

Von gestern

Während seines Hintergrunddienstes outet sich Dr. Motz als total von gestern, weil er kein Smartphone und kein WhatsApp besitzt. Röntgenbilder, die zu befunden der Dienstarzt sich außer Lage sieht, müssen dem alten Kerl per antiquierter E-Mail gesendet werden! Doch ein Assistent der #newgeneration lies #DrMotz mit seinem #newmedia Gebrauch neulich aufgrund der Innovationsfreude entzücken. Das nicht zu entschlüsselnde CT wurde da während des Durchscrollens gefilmt und Dr. Motz als CT.mov geschickt. Wie cool ist das denn?

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