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  • 24.02.2014

Dr. Motz im Mittelalter

Dr. Motz ist ein Fan von Methoden aus dem Mittelalter. Schließlich war nicht alles schlecht, was die Ärzte damals praktizierten. Nur die Sache mit dem Scheiterhaufen gefällt ihm nicht so sehr. Obwohl er sich sicher ist, dass einige seiner Kollegen wahre Hexen sind.

 

Medizin im Mittelalter

 

Fortbildung ist Pflicht

Es ist schon eine Weile her, da hat sich Dr. Motz einer Fortbildungsveranstaltung unterzogen. Fortbildung ist ja Pflicht und so ist er ins Kino gegangen und hat sich „Der Medicus“ angeschaut. Leider fand er den Film ziemlich langweilig, zuviel Empathie und immer dieses homöopathische Gehabe mit Uringucken und Kräuterzubereiten, nein, das hat ihm nicht gefallen.

 

Blöd laufen kann es immer

Doch als es dann endlich ans Operieren ging und der Blinddarm zur Therapie der „Seitenkrankheit“ entfernt wurde, da hielt es Dr. Motz fast nicht mehr auf seinem Sitz. „Sepsis, Sepsis, wo bleibt denn die Tabaksbeutelnaht“, wollte er empört aufschreien, als der Medicus den Appendix einfach abschnitt und das Coecum unversorgt zurück ins Abdomen flutschen lies. Dann aber fiel ihm ein, dass er besser mal die Klappe halten sollten, denn er kannte auch heutige laparoskopische Chirurgen, die einfach mal den Blinddarm samt Bergebeutel im Bauch vergessen hatten.  Früher wie heute gilt, der Patient muss das seinige zur Heilung dazutun.

 

Früher war alles besser

Methoden aus dem Mittelalter sind ja nicht unbedingt schlecht. Meint jedenfalls Dr. Motz, wenn seine Kollegen die von ihm praktizierte OP-Technik beim Karpaltunnel als finsterstes Münchner Mittelalter bezeichnen. Nur weil er den Schnitt ein bisschen größer macht, alle Nervenabgänge freilegt und auch die Unterseite des Karpaltunnels mobilisiert, statt über so ein Mini-Schnittchen völlig ohne Sicht das Ligament zu untertunneln und indirekt zu spalten … Mittelalter, pff … Das ist eben gelernte, althergebrachte, erprobte offene Chirurgie! Und nicht so ein neumodischer Kram!

 

Medizinischer Artenschutz

Als der Film aus war und die ganzen Leute so lange brauchten um zum Ausgang zu laufen, da dachte Dr. Motz noch ein bisschen über mittelalterliche Methoden nach. Als Tierschützer findet er es richtig gut, dass sich Gelenkendoprothesen aus Elfenbein nicht durchsetzen konnten. Ein gewisser Themistocles Gluck hatte das 1890 mal in Form eines künstlichen Kniescharniergelenkes probiert, aber das Elfenbein war nicht biokompatibel und wurde abgestoßen. Kein Wunder, wenn es doch von Stoßzähnen stammt …  Dafür implantiert man heute tote Knochen anderer Menschen, zum Teil, ohne dass die davon was wissen. Nicht weil sie eh tot sind, sondern weil es in Russland eine Mafia gibt, die Verstorbenen alle möglichen nützlichen Einzelteile entfernt und verkauft. Auch nicht viel anders als die Wilderer bei den Elefanten.

 

Alles Hexerei!

Glücklich ist Dr. Motz auf jeden Fall darüber, dass er heutzutage bei Misserfolg nicht als Hexerich oder Zauberer auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden kann. Wobei er es auch nicht besser findet,  wenn er von hyperprotektiven Angehörigen oder gleich dem Staatsanwalt gegrillt wird. Und bei manchen seiner Kolleginnen ist Dr. Motz sicher, dass es sich doch um Hexen handelt.

 

Holzhammermethode

Manchmal allerdings würde er gerne seinen Patienten einfach einen Knebel in den Mund stecken und loslegen, wenn die Plexusanästhesie mal wieder nicht sitzt. Oder den Patienten mit Alkohol besinnungslos machen. Da fiele sicher ab und an ein Schlückchen für ihn ab … Vielleicht kann er wenigstens die nächste Weihnachtsfeier in einer Mittelalterkneipe organisieren, da fielen seine Tischmanieren dem Chef auch nicht mehr unangenehm auf. Vielleicht könnte er sich ja auch einen Holzhammer als Narkoseeinleitungsmittel zu Weihnachten wünschen.  

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