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  • 20.07.2014

Vom Paper zum Poster: Wie erstelle ich ein Static Poster?

Wer ein Paper geschrieben hat, muss häufig seine Ergebnisse auf einem Kongress vorstellen. Dort kann man seine Arbeit als Poster präsentieren. Franziska Ippen erklärt, wie ein solches Static Poster gemacht wird.

 

Bekommt man die Gelegenheit, seine Forschungsergebnisse auf einem Kongress vorzustellen, gibt es meist die Möglichkeit, die eigene Arbeit entweder als Talk, Static Poster oder als E-Poster zu präsentieren. In letzter Zeit werden Static Poster immer mehr von E-Postern verdrängt, da diese keinen Platz brauchen und einfach online angesehen werden können. Ein Static Poster bietet jedoch viele Vorteile, z. B., dass man bei einer Präsentation die eigene Arbeit graphisch gut aufarbeiten kann und lernt, interessierten Teilnehmern in Form einer kurzen Vorstellung seine Forschung bestmöglich zu verkaufen.

 

Aufbau eines Static Posters

Wenn man sich überlegt, wie man sein Static Poster am besten strukturiert, kommt man schnell zur bangen Frage, wie man die Fülle der Information aus dem zugehörigen Paper nun anschaulich, kurz, prägnant und im Idealfall noch ästhetisch in Form eines Posters darstellt. Hierbei hilft es, sich eine wichtige Grundstruktur vor Augen zu führen: Ein Poster ist in der Regel nur ein illustrierter Abstract.

Zur Wiederholung: Ein Abstract hat in der Regel folgenden Aufbau:

 

 

Wichtig ist allerdings, dass man hierbei auch an einen interessanten Titel des Posters und die Auflistung der Autoren sowie deren Zugehörigkeit zu verschiedenen Instituten denkt. Werden bestimmte Aussagen zitiert, sollten auch im Poster References aufgelistet werden. Zudem ist es immer hilfreich, die eigene Kontaktadresse, die Adresse des „corresponding authors“ oder des Instituts aufzulisten, damit interessierte Betrachter die Möglichkeit haben, auf die entsprechenden Forscher zurückzukommen, falls es noch Fragen oder Anmerkungen geben sollte. Oft ist innerhalb eines Posters keine Discussion enthalten, da für eine ausschweifende Diskussion der Ergebnisse kein Platz bleibt – hier kann das Poster davon profitieren, dass der Forscher bei der Postersession daneben steht und mögliche Fragen zu diesem Thema in einen geeigneten Kontext bringen kann, ohne alles vom Poster abzulesen.

Gerade im Falle eines Posters sollte man sich die folgenden Fragen ehrlich beantworten, um im Endeffekt eine gute Arbeit abliefern zu können:

 

 

Das Poster ist also ein kurzer Abriss meines Papers, mit dem ich versuche, das Interesse des Betrachters zu wecken.

 

Getting started: Die Wahl der Software

Ebenso wie bei der Wahl des Literaturprogramms stellt sich nun zur Erstellung eines Posters ebenfalls die Frage, welche Software man am liebsten verwenden möchte. Derzeit gibt es eine Vielzahl verschiedener Programme, unter denen sowohl kostenfreie, als auch kostenpflichtige Produkte erhältlich sind. Die meistverwendeten Programme auf diesem Gebiet sind im Moment:

 

 

Programme wie Powerpoint eignen sich für jedermann und sind besonders zu empfehlen, wenn man zum ersten Mal ein Static Poster erstellt, da Powerpoint relativ selbsterklärend ist. Die Einarbeitung in andere Programme wie zum Beispiel InDesign, Photoshop oder LaTeX dauert zwar einige Zeit länger, das Resultat ist jedoch jede Anstrengung wert. Auch hier lohnt es sich, sich umzuhören, ob die eigene Universität diese Programme zur Verfügung stellt und Kurse zur Anwendung im Bereich Posterdesign anbietet.

 

Mögliche Vorgaben

Wenn man für eine Static Poster-Präsentation angenommen wurde, folgen einige Wochen vor der Konferenz für gewöhnlich nähere Vorgaben zur Erstellung des Posters. Diese können zum Beispiel die vorgegebene Größe des Posters, dessen Ausrichtung, sowie festgelegte Schriftgrößen für Titelüberschrift und weitere Überschriften im Verlauf des Posters enthalten. An diese Vorgaben sollte man sich unbedingt halten, da das Poster sonst eventuell zu groß für die dafür vorgesehene Ausstellungsfläche geraten könnte, oder umgekehrt: Im Vergleich zu den anderen Postern auf der Konferenz verschwindend klein wirken könnte.

 

Charakteristika eines guten Posters

Ein gutes Static Poster sollte immer folgende Eigenschaften zugleich erfüllen: Es sollte …

 

 

Diverse Studien in diesem Bereich haben gezeigt, dass man etwa nur 11 Sekunden zur Verfügung hat, um das Interesse eines Betrachters zu wecken und zu behalten. Ein interessantes Poster vereint deswegen oft besondere Merkmale in sich, die in einem Paper eventuell nicht sachdienlich wären, zum Beispiel Fotos des Versuchsaufbaus. Ein gutes Static Poster verlangt, dass man die eigene Forschung klar herausarbeitet, ohne dabei einen logischen Fluss zu verlieren. Das Poster sollte dabei für sich sprechen, aber sollte ebenso durch die Vorstellung des „poster presenters“ noch in den Details der Arbeit interessanter gestaltet werden können, ohne redundant zu wirken.

 

Poster templates

Wem es zunächst an Ideen mangeln sollte, wie man das Poster am besten gestaltet, oder man ein vorgegebenes Format nutzen möchte, um sein eigenes Poster daraus zu entwerfen, sollte man sich nach Poster templates im Internet umsehen. Dort kann man die Größe sowie Farbe des Posters festlegen und sich, je nach Software, die zur Gestaltung verwendet wird, an dem Layout einer Vorlage orientieren. Anbei einige nützliche Links:

 

www.posterpresentations.com

www.makesigns.com

www.postersession.com

www.latextemplates.com

www.genigraphics.com

 

Design des Posters

Nachdem man sich nun ein template und die Software seiner Wahl ausgesucht hat, sowie sich die wichtigsten Fakten, die man auf dem Poster präsentieren möchte, nochmals vor Augen geführt hat, kann es losgehen – einen Schritt nach dem anderen:

Grundsätzliches: Auch wenn es banal klingt, das Poster sollte so aufgebaut sein, dass der Betrachter es von oben nach unten und von links nach rechts lesen kann. Das bedeutet, falls man das Poster in unterschiedliche Spalten aufteilt, der Leser die erste Spalte von oben nach unten lesen kann und im Anschluss im oberen Teil der zweiten Spalte weiterliest. Das ist der Standardaufbau.  Ein Aufbau eines Posters in verschiedene Zeilenblöcke ist dagegen aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht gebräuchlich.

Der Titel: Der Titel soll die Aufmerksamkeit des Betrachters für das Static Poster gewinnen. Da Poster meistens von einer größeren Distanz betrachtet werden, sollte man die Länge des Titels auf 2 Zeilen begrenzen und zentrieren- gegebenenfalls kann Fettschrift hilfreich sein. Man sollte möglichst vermeiden, alles in Großbuchstaben zu schreiben oder kunstvolle Schriftarten zu verwenden. Diese Spielereien erschweren das Lesen des Titels, und somit verspielt man auch unter Umständen leicht die Chance, dass sich andere Kongressteilnehmer näher über die präsentierte Arbeit informieren möchten.  

Autoren und deren Zugehörigkeit: Die Auflistung der Autoren und der beteiligten Institute folgt unterhalb des Titels. Um auch hier Übersichtlichkeit zu erhalten, sollte man eine kleinere Schriftgröße als bei der des Titels des Posters wählen und auch diesen Teil zentriert darstellen.

Introduction (and background): Diese beiden Punkte sind besonders wichtig, um das Interesse der Betrachter zu gewinnen. Auch hier gilt es, ähnlich wie beim Schreiben eines Papers, den Hintergrund der Arbeit sowie den eigenen Beitrag zu diesem Thema darzustellen – nur wenn möglich, noch kürzer und prägnanter. Langer Fließtext sollte nach Möglichkeit vermieden werden, denn der Titel und die Einleitung entscheiden darüber, ob der Betrachter sich nun das ganze Poster ansieht oder nicht.

Material and Methods: Gerade die Darstellung von Material und Methoden kann in einem Paper sehr ausführlich und trocken sein. In einem Static Poster kann man das vermeiden, indem man sich bezüglich des Textes auf die wesentlichen Aussagen beschränkt und den Rest mithilfe von Fotos (beispielsweise des Versuchsaufbaus), Flussdiagrammen und/oder Zeichnungen darstellt.

Results: Im Ergebnisteil sollte man möglichst schnell darstellen, ob der Versuch/die Studie im Rahmen der eigenen Forschung funktioniert hat oder nicht. Im selben Absatz sollte man kurz auf die deskriptive Statistik/Analyse eingehen, während im nächsten Absatz die Testung der jeweiligen Forschungshypothese im Vordergrund stehen sollte. Um die Ergebnisse visuell ansprechend darzustellen, empfehlen sich Graphen, Diagramme, Bilder, Schemata Tabellen (Cave: Nicht zu viele Zeilen und Spalten verwenden!) usw. Wichtig ist hierbei, dass diese graphischen Hilfsmittel für sich stehen sollten und außer einer Bildunterschrift möglichst keine detailliertere Einleitung benötigen sollten. Der Ergebnisteil stellt meistens den längsten Teil eines Posters dar, weshalb man sich hier um eine besonders ansprechende Darstellung seiner Resultate bemühen sollte.

Conclusions: In diesem Teil wird der Betrachter kurz nochmals auf die wichtigsten Ergebnisse, die aus der Arbeit hervorgehen, erinnert. Diese Ergebnisse werden nun in einen bestimmten Kontext gebracht z. B.:

 

 

References, Acknowledgements, Contact: Falls man Literatur zitiert hat, sollte man diese in den References anmerken. Acknowledgements können ebenfalls erwähnt werden, z.B. der Dank an einen Mentor oder an eine Firma, die das Experiment/die Studie finanziell unterstützt hat. Im Idealfall sollte man die Adresse des Corresponding authors erwähnen, damit interessierte Forscher mit diesem in Kontakt treten können. Manchmal können sich auch einzigartige Gelegenheiten dadurch ergeben, z.B. ein internationales Kooperationsprojekt mit einer renommierten Einrichtung.

Tipps und Tricks zu Layout und Gestaltung

1. Das Poster sollte nicht zu lang und nicht ausschließlich aus Text bestehen: Man sollte sich auf die wesentlichen Informationen beschränken und auch Platz innerhalb des Posters lassen.

2. Stichpunkte können leichter leserlich sein als Fließtext

3. Man sollte zu dunkle Hintergrundfarben vermeiden, denn um diese zu kompensieren, bräuchte man weiße, oder zumindest helle Schrift. Helle Schrift führt aber dazu, dass das Poster an einer gewissen Distanz unleserlich wird. Also: Es ist besser, einen helleren Hintergrund zu wählen – zudem spart es Tinte.

4. Der Hintergrund sollte nicht zu unruhig sein, um das Poster nicht chaotisch wirken zu lassen.

5. Man sollte für sein Poster nicht mehr als drei bis vier verschiedene Farben verwenden.

6. Bei der Wahl der Farben sollte man darauf achten, dass jeder diese Farben wahrnehmen kann – beispielsweise auch ein Teilnehmer mit Rot-Grün-Blindheit.

7. Unter Bilder, Zeichnungen, Schemata, Graphen, etc. sollte man stets die Nummer der Abbildung sowie eine Bildunterschrift hinzufügen

8. Um bestimmte Aussagen oder Worte hervorzuheben, kann man Fettschrift oder kursive Schrift verwenden. Worte oder ganze Sätze zu unterstreichen ist auf Postern dagegen eher unüblich.

9. Während Titel sowie Autoren zentriert auf dem Static Poster dargestellt werden, sollte der Text im Rest des Posters nach links ausgerichtet sein, um das Lesen zu erleichtern.

10.  Damit Fotos, Graphen, Schemata, Zeichnungen, etc. ihre volle Wirkung entfalten können, sollte man für diese Dateien eine hohe Auflösung verwenden.

11.  Der Kontrast zwischen Hintergrund, Text sowie diverser Abbildungen sollte gut abgestimmt sein.

12.  Man kann innerhalb des Posters die verwendeten Schriftgrößen variieren. Dabei sollte man jedoch beachten, dass Textabschnitte, die die gleiche Wichtigkeit besitzen, auch in derselben Schriftgröße formatiert sind.

13.  Ein Paper ist, verglichen mit einem Poster, oft eher unpersönlich. Die Gestaltung eines Static Posters bietet somit die Möglichkeit, der geleisteten Arbeit eine persönliche Note zu geben.

14.  Bevor das Poster zum Drucken gebracht wird, sollte man es nochmals nach Fehlern überprüfen. Ebenso kann es hilfreich sein, andere Kollegen nach ihrer Meinung zu befragen.

15.  Zuletzt sollte man sich nochmals die erlaubte Größe des Posters ansehen, bevor man es druckt.


Hier geht's zur Übersicht der Reihe "Vom Research Paper bis zur Posterpräsentation"

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