Zurück zu Promotion
  • Artikel
  • |
  • Daniel Stein
  • |
  • 21.07.2020

Doktorarbeit für Medizinstudierende im Ausland

Du studierst Medizin im Ausland und möchtest gerne promovieren, um deinen Doktortitel zu bekommen? Ich habe mich mit diesem Thema intensiv beschäftigt und möchte mein Wissen mit dir teilen.

 

Es gibt 4 verschiedene Typen einer medizinischen Doktorarbeit. Bei der experimentellen Doktorarbeit führst du Experimente im Labor durch, bei der klinischen Arbeit erhebst du Daten direkt am Patienten, bei der theoretischen Arbeit bearbeitest du ein Thema aus der Geschichte, Theorie oder Ethik der Medizin, medizinischen Informatik oder Biometrie und bei der statistischen Arbeit vergleichst du Daten, die bereits vorliegen. Mehr dazu findest du in diesem Artikel hier.

Verinfacht kann man sagen, es gibt experimentelle Arbeiten und statistische Arbeiten. Nicht nur die Arbeitsweise, auch der Aufwand unterscheidet sich bei diesen beiden Typen enorm. Sollte dir eine wissenschaftliche/universitäre Karriere (z.B. als Professor/Professorin) wichtig sein, ist eine experimentelle Arbeit zwingend, da du hier wissenschaftliches Denken, Arbeiten und Forschen lernst. Möchtest du den Dr. med. jedoch nur aus Prestigegründen, dann wird eine statistische Arbeit vollkommen ausreichend sein.

Die Doktorarbeit im Ausland

Medizinstudierende in Deutschland können ihre Doktorarbeit schon während des Studiums beginnen. Wenn man jedoch im Ausland studiert, ist das leider nicht so einfach, da der Titel Dr. med. ausserhalb Deutschlands nicht existiert und die Nachbarländer nur den PhD als Promotion anbieten.

Eine Möglichkeit den Dr. med. trotzdem im Ausland zu erwerben, ist, die Daten im Ausland zu erheben und nach Erlaubnis zu fragen ob diese für eine deutsche Publikation verwendet werden dürfen. Da die Daten jedoch dem Labor gehören und Utensilien und Geld verwendet wurden, um diese zu erheben, wird dieser Antrag oftmals abgelehnt. Dennoch ist es nicht unmöglich! Es gibt Fälle, in denen die Nutzung der Daten für die Doktorarbeit genehmigt wurde.

Es gibt jedoch einfachere Wege:
Jede Universität in Deutschland hat einen Katalog für Promotionsthemen, der wöchentlich geupdated wird. Dieser kann oftmals auf der Uni Website unter der Kategorie “Forschung” gefunden werden oder per Google, falls dieser doch gut versteckt sein sollte. Der Katalog beinhaltet nicht nur die aktuellen Themen, zu denen Promotionsstudierende gesucht werden, sondern auch welche Art der Doktorarbeit es ist, wie lang der Arbeitsaufwand ungefähr sein wird und was von einem erwartet wird, wenn man sich bewirbt. Eine E-Mail mit Lebenslauf reicht dann oft schon aus, um sich eine gute Chance auf einen Promotionsplatz zu sichern.

Bei einer statistischen Arbeit hat, wie zuvor erwähnt, eine Datenerhebung bereits stattgefunden, sodass du die Arbeit gemütlich im Ausland schreiben kannst. Du ersparst dir also viele Komplikationen, vor allem wenn dir der Forschungsaspekt nicht wichtig ist.

Solltest du aber eine experimentelle Arbeit ansteuern, welche eine Datenerhebung benötigt, musst du klären, ob du entweder jeden Sommer für paar Monate im Labor arbeiten könntest bis die Datenerhebung fertig ist (hier solltest du dich schon drei Jahre vor Studiumsende bewerben) oder ob die Datenerhebung erst nach Beendigung des Studiums erfolgen soll. Nicht jeder Professor wird sich darauf einlassen, weswegen es umso wichtiger ist, dass du dem Professor genau schilderst, in welcher Situation du dich befindest und was du dir von der Zusammenarbeit erhoffst und vorstellst. Nur so kann man sicherstellen, dass beide Seiten zufrieden sind und keine Missverständnisse zu zukünftigen Problemen führen werden.

Du bewirbst dich hierbei auf einen Job an der Uni, wodurch es natürlich auch passieren kann, dass du abgelehnt wirst und du dich woanders umschauen musst. Dennoch: Gib nicht auf!

Die Zeitplanung

Der Zeitaufwand variiert stark und hängt von vielen Faktoren ab: Welche Art der Doktorarbeit strebst du an? Wie komplex sind die Experimente und das Thema, das ausgearbeitet wird? Kannst du nur im Sommer arbeiten oder erst nach dem Studium?

Eine statistische Arbeit kann zum Beispiel um die drei Monate in Anspruch nehmen, wenn du dir deine Zeit gut einteilst und strukturiert arbeitest. Eine experimentelle Arbeit hingegen beansprucht oftmals mindestens ein ganzes Jahr oder mehrere Sommer, da die experimentelle Phase allein schon mehrere Monate vereinnahmen kann (>6 Monate) und man auch noch Zeit für das Schreiben der Dissertation benötigt.

Hier solltest du dich gut bei dem jeweiligen Professor informieren, damit du eine gute Vorstellung darüber hast, wie viel Zeit die Dissertation beanspruchen wird, damit du am Ende keine bösen Überraschungen erlebst.

Fazit

Frag dich zuerst, ob du promovieren möchtest. Sofern du keine Karriere in einer Uniklinik anstrebst, ist ein Dr. med. nicht zwingend nötig. Entscheidest du dich für eine Promotion, überlege gut, ob du eine statistische oder experimentelle Doktorarbeit angehen möchtest und wie du diese zeitlich in dein Studium einbauen kannst.

Sobald du dich entschieden hast, suche dir ein passendes Thema im Themenkatalog deiner Wunschuni und bewirb dich mit deinem Lebenslauf und deinen Erwartungen. Sollte es nicht auf Anhieb klappen, schau dich an anderen Unis um! Früher oder später wird es definitiv klappen!

Ich hoffe, ich konnte dir mit meinem Guide zur Doktorarbeit verhelfen. Solltest du dennoch noch Fragen haben, schreib mir einfach eine E-Mail!

Mehr zum Thema

Übersicht: Doktoranden-Akademie

Artikel: Den Dr. med. Endlos vermeiden – Tipps zum Schreiben einer Doktorarbeit

Artikel: Doktorarbeit’s Diary Teil 2: Von Zellkulturschalen und Labor-Erkenntnissen

Schlagworte