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  • Ines Elsenhans
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  • 26.03.2014

Auf den Hut gekommen – Promotion: So klappt der Einstieg

Für viele gehört die Doktorarbeit zum Medizinstudium einfach dazu. Dabei haben es manche aber so eilig, dass sie sich ohne jedes Konzept in die Arbeit stürzen – und damit scheitern. Hier ein paar Tipps, damit du dir beim Griff nach dem Doktorhut nicht die Finger verbrennst.

 

Foto: iStockphoto

 

Medizinstudenten sind promotionsfreudig. 2012 haben 6.397 Jungmediziner promoviert. Das sind fast 70 % aller Absolventen. Klar, warum auch nicht? Schließlich bietet es sich an, während des Studiums „so nebenbei“ die Doktorarbeit zu machen. Doch gerade weil es so unkompliziert klingt, machen sich viele Medizinstudenten nicht genügend Gedanken um ihr Vorhaben. Manche lassen sich von den visionären Reden eines habilitierenden Jungforschers zu einem Projekt überreden, das in vielerlei Hinsicht auf wackligen Füßen steht. Andere sind so darauf fixiert, eine „schnelle“ Doktorarbeit zu machen, dass sie ein Thema wählen, das sie nach kurzer Zeit an­ödet. Solche Promotionsvorhaben sind von vornherein zum Schiffbruch verdammt. Deshalb hier ein Fahrplan, mit dem du gefährlichen Untiefen und Klippen ausweichen kannst:

 

Wann soll’s losgehen?

Der ideale Zeitpunkt, um eine Promotion zu beginnen, ist direkt nach dem Physikum. Promotionsexpertin Dr. Jasmin Webinger, die das Portal Doktoranden-Akademie.de betreibt, erklärt: „Die Doktorarbeit verzögert sich oft. Hat man schon früh angefangen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man bis zum Ende des Studiums fertig ist. Wenn man schon als Arzt arbeitet und die Doktorarbeit immer noch nicht abgeschlossen hat, fällt man schnell in einen Stand-by-Modus und beendet die Arbeit vielleicht gar nicht mehr.“ Das ist dann zwar kein Weltuntergang, schließlich gibt es keinen wirklich harten Grund, einen Doktortitel tragen zu müssen. Doch es ist schade um die investierte Arbeit und Zeit. Außerdem hat es Vorteile, einen Doktortitel zu haben, glaubt Dr. Webinger: „Vor allem im Patientenkontakt ist es unan­genehm, wenn man mit Doktor angesprochen wird und gar keinen Titel hat. Außerdem profitiert man als Arzt, wenn man Studien kritisch hinterfragen kann und weiß, wie sie zustande kommen.“

 

Welches Thema interessiert mich?

Hast du dich entschieden, eine Doktorarbeit zu machen, solltest du dir zuerst die Promotionsordnung deiner Uni besorgen. Hier steht u. a. drin, welche Voraussetzungen du für die Promotion erfüllen musst. Dann solltest du dir überlegen, über welches Thema du promovieren willst. Gibt es ein Fachgebiet, das dich besonders interessiert? Möchtest du im Labor forschen, mit Patienten arbeiten oder lieber eine statistische Auswertung machen (Kasten)? Hast du dich für eine Art entschieden, solltest du dir überlegen, ob du ein Freisemester nehmen oder die Arbeit lieber neben dem Studium erledigen möchtest. Und: Was möchtest du mit der Arbeit erreichen? Möchtest du später in der universitären Forschung arbeiten, oder brauchst du den Titel nur für das Praxisschild? Hast du das für dich geklärt, kannst du gezielt Schwarze Bretter nach entsprechenden Anzeigen abscannen, im Uni-Server recherchieren oder einfach selbst bei den Instituten anklopfen, die eine Doktorarbeit für dich haben könnten.

Charlotte, Studentin im 7. Semester an der LMU München, war sich schnell sicher, dass sie für ihre Doktorarbeit experimentell im Labor arbeiten will: „Ich möchte nach dem Studium gerne an der Uni bleiben und dort forschen oder unterrichten. Dafür ist ein Doktortitel Voraussetzung.“ Sie hat sich ein Freisemester genommen und untersucht im Institut für Neuropathologie ihrer Uni die Auswirkung eines Gens auf die Entstehung von Kleinhirntumoren. Die Stelle fand sie über das Online-Portal ihrer Uni. Für die Bewerbung musste sie ein Motivationsschreiben abgeben – was sie gar nicht schlecht fand, denn so konnte sie sich selbst noch mal überlegen, ob sie die Arbeit wirklich machen möchte. „Das Thema muss einen begeistern! Denn nur dann ist man auch bereit, Schweiß und Zeit zu investieren“, erzählt Charlotte. Dem kann Jana Pekrul nur zustimmen. Sie studiert Medizin im 9. Semester und schreibt an der Ruhr-Universität Bochum eine retrospektive statistische Arbeit über den Einfluss von Traumatisierungen auf die psychiatrische Behandlung von beispielsweise Psychosen wie Schizophrenie. Lange Zeit war es ihr gar nicht so wichtig, zu promovieren, doch das Thema begeisterte sie.

 

Wie lautet die genaue Fragestellung?

Im Prinzip könnte man jetzt „operativ“ loslegen. Doch vorab sollte man noch zwei entscheidende Punkte klären: Wie lautet die genaue Fragestellung meiner Doktorarbeit? Und: Werde ich mit meinem Betreuer gut zurechtkommen? „Die Fragestellung ist extrem wichtig“, erklärt Dr. Webinger. „Sie sollte vom Doktorvater bereits ausgearbeitet sein. Denn wenn das Konzept nicht ausgereift ist, forscht man ins Blaue hinein. Das kostet oft wertvolle Zeit und führt nicht zum Ziel.“ Gibt es noch keine exakte Fragestellung, oder soll sie erst noch gefunden werden, sei extrem vorsichtig – oder lass gleich die Finger von der Arbeit! Genauso wichtig wie die Fragestellung ist die Betreuung. Wie gut kennt sich der Doktorvater mit dem Thema aus? Hat er schon viel darüber publiziert und hat darum auch selbst Interesse, die Arbeit zu publizieren?

 

Stimmt die Chemie?

Und vor allem: Ist dir der Doktorvater sympathisch? Denn stimmt die Chemie nicht, kommt es häufig zum Clinch, und die Arbeit wird abgebrochen. Gleiches gilt noch mehr für den direkten Betreuer. Schließlich ist er es, der einen anleitet und bei der Arbeit unterstützen soll. In einem Gespräch mit ihm kann man ausloten, wie viel Erfahrung er hat und ob eine Zusammenarbeit gut funktionieren könnte. Zudem sollte man unbedingt mit anderen Studenten sprechen, die ihre Doktorarbeit im selben Institut gemacht haben und die von ihren Erfahrungen berichten können.

Bist du dir mit dem Thema, der Fragestellung und der Betreuung sicher, ist es hilfreich, erst mal ein Exposé über die geplante Arbeit zu verfassen. Darin ist die Fragestellung als wissenschaftliche Hypothese formuliert, und du merkst rechtzeitig, ob eventuell noch Aspekte unklar sind. Dazu ist es gut, die wissenschaftlichen Publikationen zu deinem Thema zu lesen, um einen guten Überblick zu bekommen. Empfehlenswert ist zudem, eine Promotionsvereinbarung mit seinem Doktorvater zu schließen. Charlotte hat dies gemacht: „In meiner Vereinbarung steht zum Beispiel drin, was ich in der Doktorarbeit mache und wie der Zeitrahmen gefasst ist.“

 

Und die Biometrie?

Je nachdem, was für Daten du sammeln möchtest, kann es auch wichtig sein, einen Bio­metriker zurate zu ziehen. Er kann schauen, ob die Frage­stellung überhaupt Sinn ergibt, ob der Versuch ordentlich geplant ist oder ob man noch weitere Daten erheben muss.

 

Der Lohn der Mühe

Hat man alles richtig eingefädelt, kann eine Doktorarbeit richtig Spaß machen. Charlotte und Jana sind aktuell gut im Zeitplan – und fühlen sich in ihrem Team wohl. „Wenn bei mir mal wieder das Protokoll zu den Zellkulturen nicht klappen will, rede ich mit den Kollegen darüber“, erzählt Charlotte. „Trotz mancher Rückschläge habe ich viel Freude an meiner Arbeit und hoffe, etwas für den wissenschaftlichen Fortschritt beitragen zu können!“

 

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