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  • 14.04.2011

Informationen zum Dengue-Fieber

Das kleine lateinamerikanische Land Paraguay hat Ende Februar den Notstand ausgerufen, nachdem mindestens 13.000 bis 15.000 Menschen am Dengue-Fieber erkrankt sind. Mediziner sprechen von 150.000 Menschen, bereits zehn Patienten sind an der Infektionskrankheit verstorben. Vielen Deutschen ist das Dengue-Fieber kein Begriff, doch Mediziner sollten sich mit der Krankheit auskennen, schließlich gehört das Dengue-Fieber zu den Erkrankungen, die gelegentlich aus dem Urlaub mitgebracht werden.

Epidemiologie

Dengue, Sieben-Tage-Fieber, Pokalfieber, breakbone fever - viele Synonyme, ein Erreger. Erreger des Dengue-Fiebers ist das Dengue-Virus, von dem vier kreuzreaktive Serotypen existieren. Bei dem Dengue-Virus handelt es sich um einen Flavivirus, das mit dem Gelbfiebervirus eng verwandt ist. Das Virus tritt endemisch vor allem in den tropischen und subtropischen Regionen auf, sporadisch auch in der Karibik und Südamerika. Grund für das Vorkommen in diesen Regionen ist die Verbreitung des Vektors, also des Überträgers der Krankheit: die Anthropode "Ägyptische Tigermücke" (Aedes aegypticus). Die Stechmücke vermehrt sich vor allem in stehenden Gewässern, sodass beispielsweise ein fehlendes Kanalisationssystem eine optimale Brutstätte darstellt. Weltweit steigen die Erkrankungszahlen wie Fachleute sich äußern "explosionsartig" und liegen momentan bei 10.000 bis 100.000.

Pathogenese

Die Pathogenese des Dengue-Fiebers ist nicht endgültig geklärt. Eine Hypothese besagt, dass es sich um eine Infektion der Monozyten handelt. Eine Aktivierung von CD4- und CD8-Zellen hat wahrscheinlich eine starke Zytokin-Ausschüttung zur Folge, was verantwortlich ist für eine erhöhte Kapillarpermeabilität.

Formen des Dengue-Fiebers

Das Dengue-Fieber kann in unterschiedlichen Formen in Erscheinung treten. Mediziner unterscheiden:

1. das Dengue-Fieber
2. das hämorrhagische Dengue-Fieber
3. das Dengue-Schocksyndrom

Dengue-Fieber

Das klassische Dengue-Fieber hat eine Inkubationszeit von fünf bis sieben Tagen. Etwa eine Woche nach dem Mückenstich kommt es dann plötzlich zu heftigen allgemeinen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Nausea und Erbrechen. Typisch sind ein charakteristisches makulopapulöses Exanthem ab dem dritten Tag, dass sich vom Stamm auf Gesicht und Extremitäten ausbreitet, und Muskelschmerzen in den Beinen. Nach sieben bis zehn Tagen kommt es zur Spontanheilung.

Hämorrhagisches Dengue-Fieber

Haut- und Organblutungen durch eine Thrombozytopenie charakterisieren das hämorrhagische Dengue-Fieber, das weitaus schwerer verläuft als das klassische Dengue-Fieber. Typisch sind Petechien, Nasenbluten, Hämatemesis, Meläna und Hämaturien. Das hämorrhagische Dengue-Fieber kann in das Dengue-Schocksyndrom übergehen.

Dengue-Schocksyndrom

In dem Stadium des Schocksyndroms kommt es zu massiven Organblutungen, Massenblutungen können auch das Gehirn betreffen. Dementsprechend liegt die Letalität in einem solchen Fall bei zehn bis 80 Prozent, der Tod kann innerhalb weniger Stunden eintreten.
Die durchschnittliche Letalität des Dengue liegt hingegen bei nur ein bis drei Prozent.

Zunehmend findet man in Südostasien, im westlichen Pazifik und in Kuba bei der einheimischen Bevölkerung besonders schwere Verläufe des Dengue, im Gegensatz zum Krankheitsbild bei Einwanderern und Urlaubern. Das wird auf eine Zweitinfektion mit einem anderen Virustyp bei der einheimischen Bevölkerung zurückgeführt.

Diagnostik

Die Diagnostik beginnt mit der Anamnese, wobei der Arzt der Reiseanamnese besondere Bedeutung zukommen lassen sollte. So sollte die Frage nach dem Urlaubsort und der Reisezeit bei typischen Symptomen eine Selbstverständlichkeit sein. Bei der körperlichen Untersuchung findet man eventuell die typischen Exantheme oder auch Petechien und Einblutungen.

Die Labordiagnostik spielt eine große Rolle. So zeigen sich im Labor typische Entzündungszeichen wie Leukopenie mit Lymphozytose ab dem zweiten Tag, sowie eine niedrige Thrombozytenzahl. Bei der hämorrhagischen Form des Dengue-Fiebers finden sich eine Verbrauchskoagulopathie und niedrige Eiweiß- und Natriumkonzentrationen im Blut.

Es gibt jedoch auch einen spezifischen Nachweis des Dengue-Fiebers: Die Bestimmung des Antikörpertiters. Der Antikörpernachweis ist ab dem vierten Krankheitstag in Speziallaboren möglich. Eine weitere Möglichkeit der Diagnostik ist der direkte Virusnachweis mittels PCR.

Differentialdiagnostik

Die Malaria stellt eine wichtige Differentialdiagnose des Dengue-Fiebers dar. Die durch die Anopheles-Mücke übertragene Tropenkrankheit wird mit dem sogenannten "Dicken Tropfen" oder mittels Blutausstrich nachgewiesen.

Differentialdiagnostisch in Erwägung zu ziehen sind darüber hinaus zum Beispiel die Leptospirose, das Gelbfieber und andere hämorrhagische Fieber, sowie ein Typhus abdominalis.

Prophylaxe/Therapie

Leider existiert keine Impfung gegen das Dengue-Fieber. Zur Prophylaxe wird empfohlen, sich vor den Vektoren, also den Stechmücken, zu schützen. Hier helfen Repellents, Moskitonetze und geeignete Kleidung. Die betroffenen Länder sind bemüht, insbesondere in ihren Elendsvierteln die Stechmücken zu bekämpfen. Dies kann zum Beispiel durch ein Kanalisationssystem erreicht werden, da hierdurch die Brutplätze reduziert werden. Auch Insektenvertilgungsmaßnahmen sind wirksam. Außerdem ist man bemüht, erkrankte Menschen zu isolieren. Hierbei ist jedoch zu betonen, dass nicht bekannt ist, dass Menschen sich direkt gegenseitig anstecken.

Patienten mit Dengue-Fieber können bislang nur symptomatisch behandelt werden, eine spezifische Therapie existiert nicht. Das unkomplizierte klassische Dengue-Fieber lässt sich meist ambulant mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten behandeln; von nichtsteroidalen Antiphlogistika wie ASS als Antipyretikum wird jedoch wegen deren gerinnungshemmenden Wirkung dringend abgeraten.

Kommt es bei dem Patienten zum Volumenmangel durch Blutung und Fieber, müssen Plasmaverlust und metabolische Störungen ausgeglichen werden. Hier kommen Flüssigkeits- und Elektrolytersatz in Frage. Gelegentlich ist es notwendig, Blut oder Gerinnungsfaktoren zu ersetzen oder Thrombozytenkonzentrate zu geben.
Die Therapie bei schweren Verlaufsformen des Dengue-Fiebers sollte intensivmedizinisch erfolgen.

"Ungebetener Einwanderer: der Tigermoskito"

Die Stuttgarter Zeitung berichtete im Februar, dass Experten des Landesgesundheitsamtes in Stuttgart erwarten, dass sich tropische Infektionskrankheiten in Süddeutschland ausbreiten. So "prognostizieren Stuttgarter Klimaforscher einen Anstieg der Durchschnittstemperaturen um zwei bis drei Grad bis zum Jahr 2030" - mit der Folge, dass typische Tropenkrankheiten auch in Deutschland auftreten könnten.

Nicht nur aus diesem Grund sollten Mediziner diese Erkrankungen bei entsprechender Symptomatik differentialdiagnostisch in Erwägung ziehen.

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