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  • Victoria Ziesenitz
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  • 23.02.2007

Blut ist ein ganz besonderer Saft

Ohne Blutkonserven wären komplizierte Operationen und heroische Krebstherapien undenkbar. Blutbestandteile werden zur Behandlung verschiedener Krankheiten eingesetzt. Denn Blut ist ein ganz besonderer Saft. Bisher ist es noch nicht gelungen, künstliches Blut zu erzeugen, das in seinen Eigenschaften denen von echtem Blut gleicht. Nach meiner letzten Blutspende habe ich recherchiert, wie der kostbare Saft nach der Blutspende weiterverarbeitet wird.

 

Vollblut

So wird das Blut bezeichnet, das bei einer Blutspende abgenommen wird - in der Regel 500ml. Bei der Blutspende läuft das Blut in einen sterilen Plastikbeutel. Im Spendebeutel sind bereits ein Stabilisator und ein Antikoagulans, meist Citrat, enthalten, um so das Blut zu konservieren. Bis zu 6 Stunden nach der Blutspende wird das Vollblut als Warmblut bezeichnet, bis zu 72 Stunden danach als Frischblut. Vollblut kann maximal 3 Wochen lang gelagert werden.

 

In der Regel werden 500 ml abgenommen
Foto: Claudia Özdemir

 

Bei 20-24 Grad Celsius werden die Thrombozyten von den restlichen Blutbestandteilen abgetrennt, danach wird das Blut auf 1 bis 6 Grad Celsius abgekühlt. Das Vollblut enthält noch alle Blutbestandteile und muss erst in seine verschiedenen Komponenten aufgetrennt werden. Es dient in der Regel zur Herstellung von Blutprodukten, die zur Transfusion aufbereitet werden.

Vollblut wird wegen der Gefahr möglicher Immunreaktionen und wegen des Infektionsrisikos für AIDS, Hepatitis B und C nur sehr selten transfundiert. In der Regel erhält ein Patient nur die Blutbestandteile, die er benötigt, um das Risiko von Unverträglichkeiten zu minimieren. Außerdem kann durch die Auftrennung des Blutes in seine Bestandteile deren Lagerung optimiert werden.

Mittels Zentrifugation, also durch Wirkung der Schwerkraft, wird das Vollblut in seine verschiedenen Komponenten aufgetrennt: Erythrozyten finden sich in der untersten Schicht, Leukozyten und Thrombozyten bilden als "Buffy Coat" die Zwischenschicht, das zellfreie Blutplasma ("Frischplasma") befindet sich oben.

 

Erythrozytenkonzentrat

Nach Zentrifugation einer Vollblutspende erhält man ca. 200 bis 350 ml Erythrozytenkonzentrat, das mit einer Nährlösung versetzt wird. Durch Filtern des Zentrifugats werden verbliebene Leukozyten abgetrennt ("leukozytendepletiertes Erythrozytenkonzentrat"). Wird dieses mit einer Reinigungslösung aufgeschwemmt, erneut zentrifugiert und gefiltert, können noch vorhandene Leukozyten- und Plasmareste entfernt werden. Dies ist insbesondere bei Patienten sinnvoll, die bei vorangegangenen Transfusionen allergisch auf verbliebenes Spender-Plasma reagiert haben.
Erythrozytenkonzentrate sind bei +4° C 42 Tage lang haltbar. Umgangssprachlich werden sie auch als "Blutkonserve" bezeichnet.

 

Erythrozytenkonzentrat
Foto: Medienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg

 

Thrombozytenkonzentrat

Nach der Zentrifugation des Vollbluts sind Thrombozyten und Leukozyten im "Buffy Coat" enthalten. Um eine für einen erwachsenden Patienten ausreichende Menge Thrombozytenkonzentrat (ca. 280 ml) herzustellen, werden die Buffy Coat-Präparate von vier Spendern zusammengeführt. Anschließend werden die Leukozyten abgefiltert, um mögliche Immunreaktionen, wie Antikörperbildung oder Fieber, zu vermeiden. Bei +22° C ist das Thrombozytenkonzentrat unter kontinuierlicher Agitation 5 Tage lang haltbar.

 

 

Thrombozytenkonzentrate
Foto: Medienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg

 

Um Bakterien und Viren abzutöten, die sich möglicherweise in verbliebenen DNA-haltigen Zellen wie Leukozyten befinden, können Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentrate mit Gammastrahlung bestrahlt werden. Diese Bestrahlung ist zum Beispiel notwendig vor der Transfusion dieser Blutprodukte an immunsupprimierte Patienten oder Frühgeborene.

 

Gefrorenes Frischplasma

Das Frischplasma wird tiefgefroren und kann so über zwei Jahre gelagert werden. Es enthält Gerinnungsfaktoren, Faktoren der Fibrinolyse, Faktoren des Komplementsystems, Immunglobuline und Albumin und andere Proteine. Bei einer Transfusion werden ca. 280 ml aufgetautes Frischplasma verabreicht.

 

Blut spenden auf dem Campus

Im Juni 2006 ist die Blutspendezentrale des Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Zelltherapie (IKTZ-Heidelberg gGmbH) aus der Heidelberger Innenstadt in den Technologiepark im Neuenheimer Feld umgezogen.

IKTZ Heidelberg gGmbH
Blutspendezentrale
Im Neuenheimer Feld 583
69120 Heidelberg
Telefon: 06221/ 650 51 22
Fax: 06221/ 650 51 11

IKTZ Heidelberg

blutspende@iktz-hd.de

 

Die Blutspendezentrale ist mit den Straßenbahnlinien 4 und 5R sowie mit der Buslinie 31 (Haltestelle "Technologiepark") zu erreichen.

Neue Öffnungszeiten:
Montag/ Mittwoch: 9-12 Uhr und 13-16 Uhr
Dienstag: 13-18 Uhr
Donnerstag: 9-12 und 13-18 Uhr
Freitag: 8-12 Uhr

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