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  • Interview
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  • Karin und Ralf Vigoureux
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  • 19.04.2005

Im Gespräch mit Dr. André Saine

Die aktuelle Diskussion um moderne Strömungen, um Methodenvielfalt und die genuine Homöopathie hat für viel Aufregung gesorgt. Dr. André Saine, ein bekannter kanadischer Homöopath, der seit einigen Jahren auch in Europa als Homöopathie-Lehrer wirkt, hat dabei mit seiner strengen Auslegung der Lehre Hahnemanns zu einer weitgehenden Polarisierung beigetragen. Seiner Meinung nach muss man sich eng an Hahnemanns Vorgaben orientieren, falls man wirklich erfolgreich homöopathisch behandeln will.

Foto: Michael Zimmermann, Thieme

Einleitung

Im Rahmen einer „homöopathischen Weltreise” in den Jahren 2001 und 2002 hatten wir die Gelegenheit, uns in einigen Ländern über die gegenwärtige Situation der Homöopathie zu informieren und Kollegen bei der Arbeit und bei der Lehre zu beobachten. Natürlich waren wir auch sehr darauf gespannt, ob irgendwo auf der Welt besonders erfolgreich mit Homöopathie behandelt würde.

Unmittelbar vor unserer Weiterreise in lateinamerikanische Länder hatten wir im September 2001 die Möglichkeit, Dr. Saine drei Wochen lang bei seiner Praxisarbeit über die Schultern zu schauen.[2] Wir kannten ihn zuvor lediglich von einigen seiner Seminare.

Trotz unseres kritischen Geistes und der relativen Kürze der Hospitation und der Beobachtungszeiträume kamen wir nicht umhin festzustellen, dass Dr. Saine außergewöhnlich erfolgreich arbeitet. Dies ist umso erstaunlicher, da ein Großteil seiner Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen zu ihm kommt. Für uns lag nahe, genauere Informationen zu seiner Arbeit zu erfragen und so entstand ein Interview, von dem hier ein erster Teil veröffentlicht wird. Wir glauben, dass es für viele Homöopathen anregend sein kann. Neben Informationen zu klinischen Aspekten der Homöopathie bietet es auch Stoff für die aktuelle politische Diskussion.

 

Die Behandlung schwerer Krankheitsbilder    

> In der Zeit, die wir in Ihrer Praxis verbrachten, konnten wir beobachteten, dass Sie hauptsächlich Patienten mit schweren Krankheitsbildern behandeln. Was ist der Grund dafür?

Das ist nicht immer so, manchmal habe ich auch leichtere Fälle. Wenn mich beispielsweise ein Patient fragt, ob ich weitere Familienmitglieder behandeln würde. In der Regel schicke ich diese zu Kollegen, aber gelegentlich akzeptiere ich sie, um den Einfluss der Vererbung von einer Generation auf die nächste beobachten zu können. Es ist jedoch richtig, dass die meisten meiner Patienten wegen schwerer Krankheiten zu mir kommen.
Alles fing damals vor über 20 Jahren an, als ich mit meinem Vater praktizierte und hauptsächlich Patienten sah, die an sehr schweren Krankheiten litten. Von Beginn an sah ich schwere Fälle und kam gut damit zurecht, Patienten zu therapieren, die andere nicht behandeln wollten. Mit Schwerkranken zu arbeiten ist selten langweilig, genauer gesagt ist es oft eine ziemliche Herausforderung. Auf diese Weise kann man seine eigenen Fähigkeiten und die angewandte Methode gut überprüfen und damit letzten Endes auch die Möglichkeiten und Grenzen der Homöopathie.

> Wo liegen die Grenzen der Homöopathie?

Die Grenzen der Heilung mit Homöopathie sind in der Regel die Grenzen der angeborenen Heilungsfähigkeit des Organismus. Wenn jemand beispielsweise einen Finger verliert, dann wissen wir, dass er nicht nachwächst, und das stimmt mit oder ohne Homöopathie. Dennoch kann man beobachten, dass gewöhnlich der Heilungsprozess mit Homöopathie schneller verläuft, als man normalerweise erwarten würde. So ist zum Beispiel klar, dass Verletzungen mit Homöopathie schneller heilen. Wenn die Leute vor und nach einem operativen Eingriff behandelt werden, bestätigen die Chirurgen stets, wie gut diese Patienten genesen. Die Menschen erholen sich unter homöopathischer Behandlung auch schneller von einem Kummer.

Im Allgemeinen verläuft die Heilung mit Homöopathie paraphysiologisch oder sie geht über normale physiologische Abläufe hinaus. Ich meine hiermit, dass wir eine Geschwindigkeitszunahme bei dem normalen Genesungsprozess beobachten, dass es aber keine neuartigen Heilungsprozesse gibt. Mechanische Probleme stellen oft augenfällige Grenzen für die Homöopathie dar. Wenn beispielsweise ein Kind mit Analatresie geboren wird, ist dies offensichtlich kein Fall für die Homöopathie. Oder bei einer Gelenkluxation wird die Arznei die Körperteile nicht wieder in ihre ursprünglichen Positionen zurückbringen. Das bedeutet nicht, dass die betroffene Person nicht auch mit Homöopathie behandelt werden sollte, aber man muss sich bei rein mechanischen Problemen in erster Linie mechanischer Verfahrensweisen bedienen. Im Vergleich dazu zeigt sich ein wesentlicher Unterschied, wenn man sich mit Homöopathie den dynamischen Aspekten der Krankheitsfälle zuwendet. So werden etwa Menschen mit Bandscheibenvorfall sehr oft durch Homöopathie außergewöhnliche Erleichterung erfahren.

Wahrscheinlich wird dabei aber die mechanische Läsion an sich nicht angegangen, vielmehr wird die Reaktion des Organismus auf den mechanischen Reiz beeinflusst. Dort, wo der Organismus bei Krankheitsprozessen seine wahren Grenzen hat, sich selber zu regenerieren, da offenbaren sich auch die Grenzen der Homöopathie. Nehmen Sie beispielsweise Patienten mit Autoimmunkrankheiten wie multipler Sklerose, rheumatoider Arthritis, Spondylitis ankylosans usw. Wir beobachten bei ihnen unter anderem Entzündungsprozesse, die bestimmte Gewebe betreffen und letztlich zu deren Zerstörung führen können. Mit Homöopathie können wir diesen Krankheitsprozess aufhalten. Folglich wird der Entzündungsprozess aufhören und die betroffenen Läsionen werden in dem Maße heilen, in dem es dem Organismus möglich ist. Das Endresultat des Entzündungsprozesses ist Narbengewebe und das wird sogar mit Homöopathie dauerhaft bestehen bleiben.

> Lassen Sie uns über einige Krankheiten sprechen, die sich häufig bei Ihren Patienten finden. Wo sehen Sie die Grenzen der Homöopathie bei der Behandlung von Krebspatienten?

Krebs scheint kein rein dynamischer Zustand zu sein, sondern in hohem Maße das Resultat einer falschen oder übermäßigen Beanspruchung, der schließlich das Versagen der Abwehrkräfte des Organismus folgt. Sowohl die Körperabwehrkräfte als auch die Lebenskraftreserven sind begrenzt. Bei Krebspatienten wird oft die Fähigkeit des Körpers, einen geordneten Zustand aufrechtzuerhalten, überfordert. Dies ist Folge einer lang anhaltenden Irritation und einer nachlassenden Abwehr, die gewöhnlich mit Alterungsprozessen assoziiert ist. Wir alle sind dafür anfällig, Krebs zu entwickeln, aber in einem unterschiedlichen Ausmaß. Je länger und intensiver die falsche oder übermäßige Beanspruchung des Organismus, desto größer ist das Risiko des Einzelnen, Krebs zu entwickeln. Wenn Sie beispielsweise 100 Personen nehmen und bei ihnen die Haut abschürfen, während sie ultravioletten Strahlen ausgesetzt sind, wird sich ab einem gewissen Punkt bei den meisten, wenn nicht gar bei allen, Hautkrebs entwickeln. Im Prinzip wird jeder unter den entsprechenden Bedingungen Krebs entwickeln. Wenn also jemand Krebs hat, ist es unser Ziel herauszufinden, ob man eine Reaktionsveränderung bewirken und die Ordnung bei dieser Person wiederherstellen kann. Das Ausmaß der Reaktion hängt sehr von den Möglichkeiten des Körpers ab, sich selbst zu heilen. Obgleich das individuell verschieden ist, gibt es Regeln, die uns helfen, die Prognose zu bestimmen. Je jünger die Person ist, je lokalisierter und langsamer der Krebs wächst, desto besser ist die Prognose mit Homöopathie. Je sichtbarer ein Tumor, desto besser die Prognose, da dies sehr hilfreich bei der Behandlungsüberwachung ist. Ferner gilt, je weniger Symptome und insbesondere je weniger charakteristische Symptome vorhanden sind, desto weniger gut ist die Prognose. Trotz alledem habe ich auch alte Leute mit Metastasen und einem schnell fortschreitenden Krebs gesehen, die sehr günstig auf ein gut gewähltes Mittel reagiert haben. Je größer die Ähnlichkeit, desto besser die Reaktion des Patienten auf das Mittel. Dennoch, was wir nicht voraussagen können, ist das Ausmaß der Reaktion. Wird es ausreichen, um den Krebs zu überwinden? Das bleibt bis zuletzt ungewiss.

Ich will Ihnen ein Beispiel geben. Ich hatte einmal eine 73-jährige Patientin mit multiplem Myelom, die sich der üblichen Behandlung mit Chemotherapie ohne positiven Erfolg unterzog. Als ihr die konventionelle Medizin nichts anderes mehr anbieten konnte, kam sie zur Homöopathie. Obwohl sie sich in einem geschwächten Zustand und in einem fortgeschrittenen Krebsstadium befand und 73 Jahre alt war, genas sie völlig unter rein homöopathischer Behandlung. Der Punkt ist eben, dass das Ausmaß der Reaktion immer unbekannt bleibt, wenn das verschriebene Mittel einen hohen Grad an Ähnlichkeit besitzt, auch wenn, wie in diesem Beispiel, viele Faktoren anfangs eine weniger gute Prognose vermuten ließen. 

> Wie viele Patienten mit Krebs wurden unter Ihrer Behandlung geheilt?

Das ist recht schwierig zu beantworten. Wenn wir als „geheilt” definieren, dass ein Patient mindestens fünf Jahre lang frei von jedem Zeichen von Krebs ist, nachdem er nur mit Homöopathie behandelt wurde, dann würde das für nur wenige Patienten zutreffen. Erstens sind viele der Patienten, die ich gesehen habe, schon konventionell behandelt worden und in einem geschwächten Zustand zur Homöopathie gekommen. Zweitens habe ich eine große Anzahl Patienten behandelt, die sich gleichzeitig konventionellen Behandlungsmethoden unterzogen. Drittens ist die Mehrzahl der Patienten, die ich betreut habe, in einem fortgeschrittenen Krebsstadium zu mir gekommen, oft mit mehreren Metastasen oder in einem hoffnungslosen Zustand.Meiner Erfahrung nach ist der Schlüssel immer, die für den dargebotenen Zustand am besten indizierte Arznei zu finden. Wenn das jedes Mal mit Sorgfalt gemacht wird, wird es eine Reaktion geben. Was wir nicht kennen, ist, wie ich schon zuvor erwähnte, das Ausmaß der Reaktion. Diese mag vorteilhaft genug sein, um das Leiden zu beseitigen, aber nicht ausreichen, um das Fortschreiten des Krebses zu verhindern. Es gibt eine feine Grenzlinie zwischen Linderung und Heilung bei der Behandlung von Krebspatienten mit Homöopathie. Häufig mag der Patient sagen, dass er sich unter dem indizierten Mittel viel besser fühlt, aber der Krebs breitet sich weiter aus. Das ist eine komplizierte Situation. Der Arzt muss dann in einem solchen Fall entscheiden, ob das Krebswachstum an Schwung verloren hat und mit demselben Mittel - vielleicht in höherer Dosierung - fortgefahren werden muss, oder ob ein Komplementärmittel für das spätere Krankheitsstadium gesucht werden muss. Man kann sich die Schwierigkeiten vorstellen, die einem unerfahrenen Behandler begegnen. Um erfolgreich Krebspatienten zu therapieren, muss man erstens ein sehr guter Kliniker sein, zweitens ein sehr guter Homöopath und drittens muss man einige Erfahrung in der Behandlung von Krebspatienten haben. Falls Sie diese drei Voraussetzungen in sich vereinigen könnten, dann wäre Ihr Erfolg bei der Behandlung dieser Patienten hoch. Wenn ich Erfolg sage, heißt das, dass Sie in der Lage wären, für jede der verschiedenen, wechselnden Krankheitsphasen das indizierte Mittel zu finden, da bei Krebspatienten im Allgemeinen das Mittel häufig wechselt. Wenn ich auf meine eigene Praxistätigkeit der vergangenen 20 Jahre zurückschaue, könnte ich nicht genau sagen, wie viele Krebspatienten ich nach ihrer Genesung noch fünf Jahre lang beobachtet habe. Ich bin nicht sicher, vielleicht fünf oder zehn. Aus verschiedenen Gründen bleiben viele Patienten nach ihrer Wiederherstellung nicht mit ihrem Arzt in Verbindung. Es gibt auch einige Patienten, die ich bis zu ihrem Tode begleitet habe. Viele von diesen reagierten gut auf das Mittel, es entwickelten sich aber im Laufe ihrer Behandlung Komplikationen, oft ohne Bezug zur Krebserkrankung, und sie starben. Ich erinnere mich an einen jungen Mann Mitte 20, der mit einem Rezidiv einer akuten, lymphatischen Leukämie kam und weitere konventionelle Behandlung ablehnte. Er kam zu mir in einer sehr schlechten Verfassung und wir gingen gemeinsam durch einige schwierige Zeiten. Ich behandelte ihn etwa zwei Jahre lang. Ihm ging es wieder ziemlich gut und schon früh in seiner Remission nahm er seine Arbeit als Fernfahrer wieder auf. Mehrere Monate später erhielt er spät nachts während seiner Arbeit einen schweren Stoß in den Bauch. Er rief mich mitten in der Nacht an. Es klang so, als ob er innere Blutungen hätte. Ich sagte ihm, er solle ins Krankenhaus gehen, aber er weigerte sich. Stattdessen ging er ins Bett und starb im Schlaf. Es wurde keine Autopsie durchgeführt. Ich hatte ein paar ähnliche Fälle, bei denen der Patient, die Familie, die Freunde und ich sehr hart arbeiteten und der Patient aus anderen Gründen starb.

In vielen anderen Fällen zeigte sich zwar eine Reaktion auf das Mittel, aber es gab einen Punkt, an dem entweder meine Fähigkeiten nicht ausreichten oder es dem Organismus nicht mehr möglich war, sich zu erholen. Ich arbeite noch daran, die Kunstfertigkeit auf diesem Gebiet zu vervollkommnen. Es ist eine sehr interessante und äußerst herausfordernde Arbeit, sie ist aber nicht für jeden geeignet. Homöopathen mit weniger als mehreren Jahren Erfahrung in solider Praxis sollten diese Patienten nicht alleine übernehmen.

> Was können Sie zu unheilbaren Fällen sagen?

Ich benutze das Wort „unheilbar” nicht. Oft gibt der Ausdruck „unheilbare Fälle” eher die Begrenzung unseres jetzigen Wissens wieder als die wahre Kenntnis von dem, was nicht heilbar ist. Die Geschichte lehrt uns, dass sich die Grenzen der Homöopathie mit zunehmendem Wissen erweitert haben. Was als „unheilbar” gilt, entspricht oft nur einer Meinungsäußerung und ist daher nicht ganz wörtlich zu nehmen. Ein breites Wissen darüber, welche Arten von Krankheitszuständen bereits geheilt wurden, ergibt einen zuverlässigeren Maßstab hinsichtlich Heilbarkeit als die Meinung eines einzelnen Homöopathen mit seiner Praxis als einzigem Bezugsrahmen.Viele Patienten, von denen man früher dachte, dass sie mit Homöopathie nicht heilbar seien, sind wieder gesund geworden. Viele professionelle Homöopathen haben gesagt, dass Krebspatienten mit Homöopathie nicht heilbar seien, aber das ist nicht wahr. Patienten mit Krebs können mit Homöopathie als einziger Behandlung genesen. Wir können nicht immer a priori wissen, wer heilbar ist und wer nicht. Wenn wir versagen, wie wissen wir, ob der Grund des Versagens der ungenauen Anwendung der Methode zuzuschreiben ist oder ob der Fall über die Möglichkeiten des Organismus, wieder gesund werden zu können, hinausgeht?Ich kann nicht behaupten, dass ich die Behandlung von Krebspatienten meisterlich beherrsche. Aber ich kann voraussehen, dass wir in der Zukunft unsere jetzigen Ergebnisse übertreffen werden. Ich habe einige ungewöhnliche Erfolge bei Menschen mit schlechter Prognose gesehen, die unter homöopathischer Betreuung wiederhergestellt wurden. Was die Behandlung von Menschen mit Krebs angeht, haben wir bislang nur die Oberfläche angekratzt. Ich habe großes Potential gesehen, aber auch große Niederlagen und große Enttäuschung. Anfänger unterrichte ich nicht gerne in der Behandlung von Krebspatienten, weil nicht viele Homöopathen fähig sind, eine gute Krebstherapie durchzuführen. Nur erfahrene Homöopathen mit fortgeschrittenem Wissen sollten dies tun. Der Spielraum für Fehler ist sehr klein. Um in solchen Fällen erfolgreich zu sein, muss der Arzt oft zu jedem Zeitpunkt mit 100%iger Präzision arbeiten.

 

Die Behandlung von Autoimmunkrankheiten

> Wie sind Ihre Erfolge bei Patienten mit Autoimmunkrankheiten?

Das ist einfacher zu beantworten. Wenn wir günstige Bedingungen haben, das heißt, wenn der Homöopath das richtige Mittel findet, der Patient gut mitarbeitet und sein Leben so führt, dass es der Gesundung förderlich ist, dann würde ich sagen, dass 100 % der Patienten mit schwerer Autoimmunkrankheit mit Homöopathie genesen sollten. Wir müssen erneut klar stellen, was wir unter „Genesung” verstehen. Damit ist gemeint, dass der Entzündungsprozess aufhört und eine gewisse Regeneration des Gewebes stattfindet, aber nur innerhalb der Grenzen der Heilungsfähigkeit des Organismus. Bestimmte Gewebe können dauerhaft zerstört sein und werden sich sogar unter der besten homöopathischen Behandlung nicht erneuern. Wir beobachten aber, dass sich das, was innerhalb der Heilungsmöglichkeiten des Körpers liegt, unter guter homöopathischer Behandlung wiederherstellen lässt. Das heißt also, dass unter den besten Umständen der Krankheitsprozess von allen Patienten mit Autoimmunkrankheit unter homöopathischer Behandlung zum Stillstand kommen sollte. Der Erfolg wird gemindert, wenn die Fähigkeiten des Homöopathen nicht ausreichend sind oder wenn der Patient nicht mitarbeitet oder seine Symptome nicht ohne weiteres beschreiben kann, was durch die Verschleierung oder die Veränderung der Symptome durch die allopathischen Medikamente verursacht sein kann. Von den Patienten, die gut mitmachen, einen günstigen Lebensstil pflegen und an einer voll entwickelten Autoimmunkrankheit leiden, werden jetzt für mich realistisch gesehen nur ungefähr fünf Prozent problematisch sein. In einigen dieser Fälle ist das auf eine unzureichende Symptomatik zurückzuführen, bei anderen geschieht dies, weil sie sich in einem späten Stadium einer ernsten Krankheit befinden. Ich denke dabei an einen Patienten, der in einem sehr fortgeschrittenen Stadium einer Pneumonitis zu mir kam. Trotz sehr guter Reaktion auf die homöopathische Behandlung starb er schließlich nach vielen Monaten harten Kampfes.

Es gibt auch bestimmte Krankheitszustände, die dazu neigen, sich einer Behandlung, sei sie allopathisch oder homöopathisch, stärker zu widersetzen. Dazu zählen Fälle mit voll entwickeltem Lupus oder hartnäckiger Psoriasis. Nur der erfahrene Homöopath wird wissen, wie er mit solchen Fällen erfolgreich umgeht.

Eine Studie über Patienten mit Autoimmunkrankheiten ist hervorragend geeignet, die Überlegenheit der Homöopathie im Vergleich zu jeder anderen Behandlungsform zu demonstrieren. Die große Mehrheit der Patienten wird nicht nur ihre Gesundheit wiederherstellen und frei von Medikamenten und ihren Nebenwirkungen sein, sondern dies auch unter relativ niedrigen Kosten und mit minimaler Belastung für unsere Gesellschaft. 

> Sie behandeln viele Kinder mit Epilepsie und Zerebralparese. Wie reagieren diese auf die homöopathische Behandlung?

Falls sie eine angemessene homöopathische Behandlung bekommen, haben sie eine exzellente Chance, zu einem normalen Gesundheitszustand zurückzukehren. Ich habe eine Anzahl von Patienten mit Zerebralparese über viele Jahre verfolgen können. Allerdings ist es wahr, dass es Grenzen gibt. Die Fähigkeit des Nervensystems, sich zu regenerieren, ist ziemlich beschränkt. Aber innerhalb dieser Grenzen verläuft die Behandlung von Epilepsiepatienten ausgezeichnet. Ich würde sagen, dass bei der großen Mehrzahl der Epilepsiefälle die Anfälle abnehmen werden bis hin zu dem Punkt, dass sie vollständig verschwinden. Ich habe einen Fall von Zerebralparese, den ich seit ungefähr 15 Jahren betreue. Als ich den Jungen das erste Mal sah, war er zwei Jahre alt und hatte täglich etwa 150 Grand-Mal Anfälle, obwohl er unter dem Einfluss von drei Antikonvulsiva in doppelter Maximaldosis stand. Dieser Junge hatte noch nie in seinem Leben ohne Hilfe Stuhlgang gehabt. Er machte keine willkürliche Bewegung, gab keinen Laut von sich und reagierte nicht auf seine Umgebung. Nach ungefähr sechs Monaten war er frei von allen allopathischen Medikamenten und reagierte auf die Umwelt. Er entwickelte den Reflex, beim Stuhlgang zu pressen. Der Stuhlgang wurde schließlich normal. Die Zahl der Anfälle reduzierte sich über die Jahre und jetzt hat er manchmal monatelang keinen einzigen. [3]

 

Zeitschrift für Klassische Homöopathie (zkh 2004; 48: 117-127) 

 

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