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  • Text: Sonja Lira, Fotos: Steffen Burger
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  • 25.02.2009

Hospitation beim Heilpraktiker

Von vielen Schulmedizinern werden Heilpraktiker belächelt, von einigen Patienten werden sie lediglich als Möglichkeit bei Versagen der Schulmedizin angesehen. Doch

http://www.thieme.de/viamedici/medizin/alternativ/heilpraktiker.html
Pillenschubser - zwischen Toleranz und Ignoranz
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Foto: S. Burger

Als Greenhorn der Naturheilkunde

Eine längere Diskussion über Behandlungsmöglichkeiten verschiedener Erkrankungen mit einer Freundin, einer Heilpraktikerin, ging meinem Praktikum bei einem gern als "Pillenschubser" bezeichneten Heilpraktiker voraus. Ich fand ihre Meinung damals teilweise sehr befremdlich, sie die meine vermutlich auch. Und so kam es, dass ich eines Morgens bei Alexander Feil in der Naturheilpraxis stand.

"Am Anfang steht für jeden Patienten ein ausführliches Beratungsgespräch auf dem Programm", erfahre ich an jenem Morgen in der Praxis. "Wichtige Grundlage dieses Gespräch ist bei uns die Irisdiagnostik." Auf der Grundlage, dass das Auge und speziell die Iris ein Spiegel des Körpers sei, lasse sich sowohl die Konstitution beurteilen, als auch der Zustand von Organen einschätzen.

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Irisdiagnostik
Foto: S. Burger

Was mich zuerst befremdet, fasziniert mich später, denn am Ende des Tages wird meine Iris analysiert und was ich über schon durchgemachte Erkrankungen, mich und meinen Grundcharakter erfahre erstaunt mich. Da sitzt mir jemand gegenüber, der mich eigentlich gar nicht kennt und erzählt mir Dinge, die sonst - außer mir - nur meine Eltern wissen können.

Die aktuellen Beschwerden, die Anamnese und gegebenenfalls bestimmte Laborwerte bilden in Zusammenhang mit der Irisdiagnostik bei Alexander Feil die Grundlage für die anschließende Behandlung.

Zufriedene Patienten

An diesem Tag kommt Frau Schröder* in die Praxis. Frau Schröder ist 73 Jahre alt. Wie viele Menschen in diesem Alter kämpft sie mit starken Schmerzen in den Knien. Die Diagnose des Orthopäden lautete: Arthrose!

Doch nicht nur die Schmerzen machen der rüstigen Rentnerin zu schaffen; ständig seien die Kniegelenke geschwollen, es bilden sich Ergüsse. Beim Orthopäden wurde sie zum "Stammgast", immer wieder wurden die Ergüsse abpunktiert. Dann erfuhr sie von einer Bekannten von den Möglichkeiten des Heilpraktikers. Nach Behandlungen mit Blutegeln sind die Ergüsse aktuell nicht mehr vorhanden. Die Schmerzen seien, so die Patientin, deutlich reduziert.

Eine weitere Patientin an diesem Tag macht deutlich, dass die Therapie bei einem Heilpraktiker eine längerfristige, dann aber auch erfolgsversprechende Möglichkeit sein kann: Frau Hoffmann* geht seit nun fast einem Jahr regelmäßig zum Heilpraktiker. Dort wird mittels Osteopathie versucht die verkrampften und verformten Vorfüße wieder zu mobilisieren.

Lange Jahre auf High Heels führten bei Frau Hoffmann zu Schmerzen, Verhärtungen der Fußmuskulatur und zu einer Schonhaltung des Beines. "Ich konnte kaum noch gehen. Der Termin für eine OP stand schon fest, allerdings konnte mir niemand Auskunft über das OP-Ergebnis geben. Jemand sagte mir dann, vielleicht könne ein Heilpraktiker helfen.

Seit einem Jahr bin ich nun regelmäßig hier in Behandlung und froh, dass ich den OP-Termin damals nicht wahrgenommen habe". Mit Hilfe der Osteopathie sollen die Muskeln gelockert und Verklebungen gelöst werden. "Ich kann schon wieder viel besser gehen", freut sich Frau Hoffmann heute.

Der Tag vergeht wie im Fluge, trotz meines Studiums komme ich mir völlig unwissend vor, denn was ich da höre, leuchtet ein und trotzdem habe ich in sechs Jahren Uni nie etwas davon gehört.

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Einer der Behandlungsräume
Foto: S. Burger

Warum Heilpraktiker und Ärzte zusammenarbeiten sollten - Interview mit Alexander Feil

Mit welchen Beschwerden kommen Menschen zu Ihnen?

In der Regel sind es Menschen mit chronischen Beschwerden. Meistens haben sie durch Mund-zu-Mund-Propaganda von unseren Behandlungsmöglichkeit erfahren. Hier möchten sie in der Regel eine Zweitmeinung einholen und Möglichkeiten der naturheilkundlichen Therapiemethoden erfahren.

Welche Therapieoptionen kann ein Heilpraktiker anbieten?

Heilpraktiker können aus einem großem Repertoire von Therapien auswählen, welche Methoden sich am besten eignet. Neben der Irisdiagnostik, führe ich vor allem Infusionsbehandlungen, Homöopathie, Akupunktur und die Osteopathie durch.

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Auch Akupunktur gehört zu den Therapieoptionen eines Heilpraktikers
Foto: S. Burger

Auch das Baunscheidtverfahren, das zu den sogenannten ausleitenden Verfahren gehört, wende ich häufiger an. Hierbei wird mit einem Stichelgerät die Haut an bestimmten Stellen gereizt und anschließend mit verschiedenen Stoffen behandelt. Die Reize sollen die Versorgungssituation des bearbeiteten Hautbezirks und des zugeordneten Organs verbessern.

Gelegentlich können auch Tapeverbände, wie sie auch in der Sportmedizin häufiger eingesetzt werden, den Patienten Linderung ihrer Beschwerden verschaffen. Darüber hinaus kommen bei mir Blutegel immer wieder zum Einsatz.

Wie lange dauert eine Behandlung beim Heilpraktiker pro Sitzung und bis zum Therapieerfolg?

Je nachdem welche Behandlung bei einem Patienten notwendig ist, liegt die Dauer der einzelnen Behandlung im Schnitt bei 30 Minuten, eine Erstberatung kann aber auch eine Stunde in Anspruch nehmen.

Meist kommen Patienten mit chronischen Beschwerden zum Heilpraktiker und erwarten dann die Wunderheilung in wenigen Wochen. Das funktioniert natürlich nicht. Die Patienten müssen oft viel Geduld aufbringen - Besserungen sind meist erst nach mehreren Wochen erkennbar. Schließlich ist die Erkrankung ja aber auch nicht in wenigen Wochen entstanden, sondern hat sich über einen längeren Zeitraum entwickelt.

Kommen viele Patienten, weil sie von der Schulmedizin enttäuscht sind?

Nein, enttäuscht von der Schulmedizin sind die wenigsten. Die überwiegende Mehrheit sucht eine zusätzliche Möglichkeit ihre gesundheitliche Situation zu verbessern.

Wie klappt denn die Zusammenarbeit mit den Schulmedizinern?

Mit einigen Ärzten ist eine gute Kooperation möglich. Schließlich muss ich meine Patienten ja auch zu einem Schulmediziner überweisen, wenn ich einen suspekten Befund entdecke, den ich selbst nicht weiterbehandeln kann. Ich habe aber auch schon Patienten gehabt, denen der Hausarzt die weitere Behandlung quasi verweigert hat, weil sie von ihren Besuchen beim Heilpraktiker berichtet haben.

Wie könnte die Zusammenarbeit zwischen Schulmedizinern und Heilpraktikern verbessert werden?

Sicherlich ist es wichtig über die Arbeitsweise der anderen Berufsgruppe zumindest eine gewisse Grundinformation zu haben. Außerdem sollten wir die Naturheilkunde und die Schulmedizin nicht als konkurrierende Verfahren, sondern vielmehr als ergänzende Verfahren betrachten.

Die Ausbildung zum Heilpraktiker

Das Wissen des Heilpraktikers und das Berufsbild haben sich aus der Erfahrungs- und Laienheilkunde entwickelt. Erst 1928 entstand aus dem "Verband der Heilkundigen Deutschlands" der "Großverband der Heilpraktiker Deutschlands".

Heute ist "Heilpraktiker" eine geschützte Berufsbezeichnung in Deutschland. Es handelt sich bei Heilpraktikern um Personen, die die staatliche Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde auch ohne ärztliche Approbation besitzen.

Von vielen Kritikern wird insbesondere die Tatsache angeprangert, dass die Ausbildung nicht gesetzlich geregelt ist. Daher gibt es auf dem Markt viele unterschiedliche private Anbieter.

Die Ausbildung dauert hier meist zwei bis drei Jahre. Inhaltlich stehen Basiswissen aus den Bereichen Pathologie und Krankheitslehre, sowie Anatomie, Diagnostik und Therapie (auch Pharmatherapie) auf dem Lehrplan. Am Ende erfolgt die Überprüfung mittels einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung durch einen Amtsarzt.

Im Praxisalltag kann jeder Heilpraktiker die Methoden anbieten, die er beherrscht, das heißt, es herrscht Therapiefreiheit. Die Methoden können sowohl aus dem Bereich der naturheilkundlichen, als auch der ganzheitlichen Medizin stammen.
In der Regel stammen die Verfahren aus folgenden Therapiebereichen:

Manche Heilpraktiker arbeiten auch mit dem Schwerpunkt Psychotherapie.

Heilpraktiker dürfen selbstständig Diagnosen stellen und Therapien einleiten, die Verordnung verschreibungspflichtiger Medikamente und Betäubungsmittel ist ihnen aber untersagt.

Ebenfalls untersagt ist ihnen die Behandlung sexuell übertragbarer und meldepflichtiger Erkrankungen. Auch im Bereich der Zahnmedizin und Geburtshilfe dürfen sie nicht tätig werden.

Heilpraktiker dürfen übrigens auch Verfahren verwenden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Auch aus diesem Grund zahlen nahezu alle Kassen die Leistungen beim Heilpraktiker nicht. Der Patient muss die Kosten für eine solche Behandlung meist selbst tragen.

*Name von der Redaktion geändert


Die Autorin Sonja Lira hat kürzlich ihr Medizinstudium beendet und arbeitet nun als Ärztin.