Zurück zu Allgemeine Infos
  • Artikel
  • |
  • Nina Puls
  • |
  • 22.11.2021

Wie entscheide ich mich für einen Facharzt?

Es gibt 34 verschiedene Facharztrichtungen. Wie entscheidet man sich da am besten? Nina beschreibt,wie du den richtigen Facharzt findest.

 

 

Wenn gefühlt bei jedem Gespräch über die Uni, sei es mit der Familie oder Freunden, die Frage fällt, ob du denn schon wüsstest, in welchem Bereich du später arbeiten möchtest, merkst du, dass der Druck langsam steigt. Manche Kommilitonen und Kommilitoninnen sind sich bereits vor dem Studium sicher, welcher Facharzt es mal werden soll. Manche wollen in die Fußstapfen ihrer Eltern treten, andere haben die Inspiration für ihren Wunschfacharzt aus verschiedensten Quellen wie Schule, Film, Fernsehen, Bücher, etc.
Doch wie entscheide ich mich für einen Facharzt, wenn meine Eltern keine Ärzte sind oder ich schlichtweg Angst habe, mich mit einer vorzeitigen Entscheidung auf irgendwas festzunageln, was mir hinterher doch nicht mehr gefällt? Sollte es dem ein oder anderen unter euch auch so gehen wie mir, versuche ich herauszufinden, wie die Entscheidung eventuell leichter fällt.

 

Die Qual der Wahl

Insgesamt gibt es 34 verschiedene Facharztrichtungen, wobei einige sich noch weiter unterteilen lassen, und diverse Zusatzbezeichnungen. Hierfür lohnt es sich, die Liste einmal anzuschauen und erstmal einen Überblick über die Bereiche zu verschaffen, eine gute Übersicht habe ich euch unter dem Text verlinkt.
Die erste Frage ist dann ,,Möchte ich am/mit Patienten arbeiten?“. Fällt die Antwort auf Ja, fallen grob schon einmal die Bereiche der Vorklinischen Fächer wie z.B. Biochemie, aber auch Pharmakologie, Laboratoriumsmedizin und Gesundheitswesen weg. Sind schonmal etwa 7 weniger auf der Liste, hey!

Die nächste Frage wäre dann vielleicht, ob es lieber was Chirurgisches, was Konservatives oder etwas von beidem sein soll, wobei ich die Entscheidung nicht ganz so leicht finde und für mich persönlich andere Faktoren im Vordergrund stehen.


Meine weiteren Fragen sind z.B.:
- wie lässt sich das Fach später mit einer Familie (bei Familienwunsch) kombinieren?
- möchte ich dauerhaft im Krankenhaus arbeiten oder mich in einer Praxis niederlassen können?
- wie lange dauert die Facharztausbildung und wie viele Ausbildungsstellen gibt es in Deutschland?
- ist der Facharztkatalog auch in der vorgegebenen Zeit zu schaffen oder verlängert sich die Ausbildung eventuell?
- was möchte ich eventuell durch meine Arbeit erreichen/bewegen, möchte ich forschen können?

Wie Kommilitoninnen und Kommilitonen und bereits ausgebildete Fachärzte darüber denken, erfahrt ihr jetzt:

Kim, 28, 12. Semester
•    Was hat dich im Studium interessiert? In der Klinik gefielen mir Derma, Gynäkologie und Allgemeinmedizin
•    Möchtest du in einem Krankenhaus oder in einer Praxis arbeiten? Auf Dauer lieber in einer Praxis
•    Konntest du schon was von deinen Favoriten ausschließen? Durch Famulaturen, sowohl in der Klinik als auch in der Praxis, habe ich Derma für mich ausgeschlossen
•    Was sind für dich noch wichtige Entscheidungspunkte? Punkte wie z.B. liegen mir Ultraschalluntersuchungen und habe ich da Spaß/Lernerfolg dran, würde ich nur mit einer Altersgruppe oder Geschlecht arbeiten wollen, was kann ich später damit machen und was für Zusatzqualifikationen kann ich erwerben?
•    Hast du dich schon entschieden? Ich absolviere mein zweites PJ-Tertial in der Allgemeinmedizin, bin darüber sehr glücklich und kann mir gut vorstellen, selbst einmal in diesem Fach zu arbeiten.


Prof. Dr. med. Daniela Berg, Fachärztin und Klinikdirektorin für Neurologie
•    Wie haben Sie sich für Ihren Facharzt entschieden und würden Sie diese Wahl heute nochmal genauso treffen?
,,Das Gehirn ist so unglaublich faszinierend und die Neurologie als Fach, das in besonderer Weise die Leib-Seelische Einheit des Menschen im Blick haben muss, so spannend, dass ich mich immer wieder für dieses Fach entscheiden würde.
Aber ich bin auch überzeugt, dass viele, wenn nicht alle anderen medizinischen Bereich faszinierend sind. Schlussendlich geht es immer um Menschen und verschiedene Ansätze Ihnen in Krankheits-/Notsituationen zu helfen. Dazu gehört natürlich auch die Krankheiten besser zu verstehen – also die Wissenschaft. Bei den jungen Menschen, die ich begleiten darf, erlebe ich immer wieder, dass die Begeisterung für eine Thematik mit der Auseinandersetzung wächst. Und natürlich gibt es unterschiedliche Typen, Charaktere und Begabungen, was auch auf die Fachauswahl eine Auswirkung hat.
In einigen Bereichen der Medizin sind eher sehr schnelle tatkräftige Entscheidungen gefordert, in anderen eine kontinuierliche einfühlsame Begleitung etc.“


Cynthia, 24, 10. Semester
•    Was für eine Fachrichtung strebst du an? Ich interessiere mich sehr für die Orthopädie, mein Vater ist bereits Orthopäde und ich bin von klein auf damit aufgewachsen
•    Warum ein operatives Fach? Ich stehe wahnsinnig gerne im OP, mir macht es Spaß mit meinen Händen zu arbeiten und etwas zu schaffen
•    Krankenhaus oder Praxis? Für die ersten Jahre definitiv Krankenhaus, für später könnte ich mir allerdings auch vorstellen, in einer Praxis tätig zu sein


Björn, 32, M3ler
•    Du hast gerade das M3 erfolgreich absolviert, was machst du als nächstes? Ich habe mich sowohl in der Inneren, als auch in der Anästhesie beworben. Beide Fächer interessieren mich und Anästhesie war mein Wahltertial im praktischen Jahr. Jetzt gucke ich, welche Stelle ich bekomme, da mir erstmal die Nähe zu meinem Wohnort aktuell wichtiger ist.
•    Also hast du dich noch nicht entschieden? Nein. Mir fällt diese Entscheidung wahnsinnig schwer, daher lasse ich mich erstmal auf die erste Stelle ein und schaue, wie es mir gefällt. Notfalls kann ich die Richtung ja immer noch ändern, da bin ich sehr offen.

 

Hier die Liste aller Facharztrichtungen

Mehr zum Thema

Info: Was verdienen Ärzte?

Artikel: Vom Kaffee schütten und Kaffee trinken

Artikel: Die Medizin wird weiblich

Schlagworte