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  • Antonia Töpfer
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  • 28.10.2022

Was verdienen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Obwohl es niemand so richtig zugeben will: Irgendwie ist es uns doch wichtig was wir verdienen! Damit ihr wisst was euch in Deutschland, Österreich und der Schweiz für ein Arztgehalt erwartet, haben wir die drei Länder lohntechnisch unter die Lupe genommen.

Geldscheine - Foto: PeJo/Fotolia.com

Deutschland

In deutschen Krankenhäusern ist das Gehalt nach dem "Tarifvertrag Ärzte" geregelt. Dieser teilt Ärztinnen und Ärzte in vier Entgeltgruppen ein: Assistenzarzt/Assistenzärztin ohne Facharzttitel, Assistenzarzt/Assistenzärztin mit Facharzttitel, Oberarzt/Oberärztin und Chefarzt/Chefärztin Stellvertreter. Jede Gruppe wird zusätzlich nach der Länge der Arbeitsjahre beurteilt: Je länger ein/e Arzt/eine Ärztin tätig ist, desto höher wird sein/ihr Einkommen. So verdient ein Assistenzarzt/eine Assistenzärztin im ersten Arbeitsjahr in einem kommunalen Krankenhaus 4.852,02 € brutto monatlich, im vierten Jahr 5.663,98 €. Ein Oberarzt/Eine Oberärztin startet in seinem/ihrem ersten Oberarztjahr mit 8.021,27 € und kann sein/ihr Einkommen in drei Jahren auf 8.492,71 € steigern. In Universitätskliniken sind die Löhne etwas höher, sowohl für Assistenz- als auch für Oberärzte (w/m). Ein Assistenzarzt/eine Assistenzärztin erhält dort im ersten Jahr einen Monatslohn von 4.447,01 €. In privaten Klinikkonzernen verdienen Ärzte und Ärztinnen ungefähr gleich wie in kommunalen Krankenhäusern. Die Entlöhnung von Chefärztinnen und Chefärzten wird einzelvertraglich vereinbart.

 

Ab dem  1. Jahr  2. Jahr  3. Jahr  4. Jahr  5. Jahr  6. Jahr 
 Arzt 4.852,02 €  5.127,08 €  5.323,50  5.663,98 € 6.069,96 €  6.236,95 € 
             
 Ab dem 1. Jahr  4. Jahr  7. Jahr  9. Jahr  11. Jahr  13. Jahr 
 Facharzt 6.403,90 € 6.940,83 €  7.412,30 € 7.687,33 €  7.955,76 €  8.224,22 € 
 Oberarzt 8.021,27 €  8.492,71 €  9.167,18 €       
 Chefarzt-Vertreter 9.435,59 €  10.110,10 €         
Entgelttabelle von Ärzten in kommunalen Krankenhäusern (Marburger Bund 2022)

 

Die Assistenzärztin Dr. Marina Kaiser * arbeitet seit einem Jahr in einem öffentlichen Krankenhaus im Raum Stuttgart. Nachdem Steuern und Sozialabgaben abgezogen werden, bleiben ihr noch knapp 60% ihres Einkommens übrig. Davon gehen noch die Kosten für Wohnen und Essen weg, sodass die Ärztin knapp 2000 € zur freien Verfügung hat. Damit kann sie gut leben. Wöchentlich arbeitet Dr. Kaiser 40 Stunden, wobei auch schon mal einige Überstunden anfallen können. Diese sollten ihr eigentlich als Freizeitausgleich "angerechnet" werden, doch leider hat das wegen der prekären Personallage nicht geklappt. Alternativ hätte sie sich die Überstunden auch ausbezahlen lassen können. Jetzt wo sie sich für den Freizeitausgleich entschieden hat, geht das jedoch nicht mehr: "Meine jetzigen Überstunden kann ich leider nicht bis ins nächste Jahr mitnehmen. Und ich habe erst am Ende des Jahres mitbekommen, dass man sich nur 20% seiner Überstunden ausbezahlen lassen kann", sagt die junge Ärztin. Ihre Überstunden werden aber erfasst und wenn sie kündigt ausbezahlt.

Mit solchen Problemen muss sich Dr. Christian Weigelt * nicht mehr herumschlagen. Er hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. In München führt er eine allgemeinchirurgische Einzelpraxis. Der Chirurg verdient hauptsächlich an Eingriffen. Sobald er also operiert, verdient er Geld. Untersucht er einen Patienten nur gründlich und entscheidet sich gegen einen Eingriff, verdient er fast nichts daran. "Das verleitet viele Ärzte zu unnötigen Therapien", ist der Münchner überzeugt. In den letzten Jahren ist dem Chirurg zudem ein deutlicher Honorarverfall aufgefallen: "Früher habe ich mit 450 Patienten gleich viel verdient wie heute mit 700 Patienten." Dieser Trend zwinge Ärzte dazu, Masse statt Klasse zu bieten. Privatpatienten machen bei Dr. Weigelt 10% der Patienten aus. Verhältnismäßig gesehen verdient er an ihnen gut, in der Gesamtsumme aber wesentlich mehr durch Kassenpatienten. Seine Praxis hat jährliche Einnahmen von etwa 700.000 €, von denen nach Abzügen der Materialkosten und Angestelltenlöhne noch etwa 400.000 € übrig bleiben. Davon bezahlt er die Steuern, die Altersvorsorge, die Krankenkasse und die Berufsunfähigkeits- und Haftpflichtversicherung. Netto beträgt sein Einkommen danach ca. 150.000 €. Das ist im Vergleich zur Deutschen Durchschnittsfamilie schon viel, doch trägt ein Niedergelassener auch viele Risiken. So hat Dr. Weigelt für seine Praxis hohe "apparative" Kosten: Röntgengerät, Ultraschall, reiner und unreiner Operationssaal, Sterilisation - alles muss einmal in 10 Jahre ersetzt werden. Dafür sind hohe Investitionen nötig. "Eine normale chirurgische Praxis reinvestiert 50% bis 60% des Umsatzes", sagt Dr. Weigelt. "In einer radiologischen Praxis sind es sogar 80%."

Umso höher muss dort also auch der Umsatz sein. So sind laut statistischem Bundesamt die Radiologie und Nuklearmedizinischen Praxen auch Spitzenreiter was die Einnahmen anbelangt: Ihr jährlicher Umsatz liegt im Durchschnitt bei 3,37 Mio €, das Reineinkommen bei 1,25 Mio €. Dabei arbeiten, wie in anderen Fachrichtungen auch, meistens mehrere Ärzte gemeinsam in der Praxis und teilen sich natürlich auch die Einnahmen. Allgemeinmedizinische Praxen bilden mit einem Jahresumsatz von 291.185 € und einem Reingewinn von 151.000 € das Schlusslicht. In der Mitte liegen Dermatologische und Chirurgische Einrichtungen.

 

Schweiz

Viele Deutsche wandern mittlerweile in die Schweiz aus. Nicht nur der Lohn soll dort höher sein, sondern auch die Hierarchien flacher und die Stimmung besser. Doch lohnt sich der Schritt ins nahe Ausland gehaltstechnisch auch wirklich? Laut dem aktuellen Lohnbuch Schweiz 2022 beträgt der Lohn eines Assistenzarztes/einer Assistenzärztin als Berufseinsteiger*in in der Schweiz monatlich 5.027 bis 7.329 Fr.-. Das entspricht 5.085 € bis 7.414 €*. Das Einkommen steigt mit den Berufsjahren. Zum 5. Berufsjahr steigt das Einkommen bereits auf 7.253 bis 12.334 Fr.-. Das entspricht 7.337 € bis 12.477 €. Das klingt nach unglaublich viel Geld. Doch aufgepasst, in der Schweiz sind nicht nur die Löhne höher, sondern auch die Lebenshaltungskosten! Je nach Kanton können sie beträchtlich variieren.

Vertraglich gilt bei Ärzten in der Schweiz eine 42 bis 50 Stunden Woche. Ferien sind meist auf 20 Tage jährlich festgelegt. Im Vergleich: In Deutschland bekommen Ärzte zwischen 26 und 30 Urlaubstage jährlich. Dr. Katharina Huber * arbeitet seit gut einem halben Jahr in einem öffentlichen Krankenhaus im Raum Zürich. Die junge Ärztin ist auf der chirurgischen Abteilung tätig. Monatlich verdient sie mit Bereitschafts- und Nachtdiensten 7.399 Fr. (6.161 €). Nach Abzug aller Sozialleistungen, Wohnen und Essen bleiben Dr. Huber ungefähr 3000 Fr. (2.498 €) übrig. Steuern begleicht jeder Bürger in der Schweiz selbst einmal jährlich. Daher "spart" Dr. Huber von den verbleibenden 3000 Fr. monatlich einen Teil für die anfallende Steuerrechnung. Ihren Lohn findet die junge Ärztin im Verhältnis zu ihrem Arbeitsaufwand zu gering. Andere Akademiker würden, wenn man die Arbeitsbelastung vergleicht, deutlich besser wegkommen. Denn Überstunden werden der Ärztin erst ab einer großen Anzahl ausbezahlt. So ist Dr. Hubers Fernziel, wie bei so Vielen, die Selbstständigkeit.

Etwas mehr als die Hälfte aller Schweizer Ärzte und Ärztinnen sind in "freier Praxis" tätig. Ihr jährliches Medianeinkommen liegt (laut einer Studie des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit von 2018) bei 257.000 Fr. (259.237 €). Wie hoch das Einkommen ist, hängt stark vom Kanton und der Spezialisierung ab. So verdienen Kinder- und Jugendpsychiater mit 16.000 Fr. (16.139 €) am wenigsten, Gastroenterologen mit 57.000 Fr. (57.496 €) im Monat am meisten.

 

Österreich

Etwas anders sieht es in Österreich aus. Im europäischen Vergleich liegt das Land eher im unteren Teil der Gehaltsliste. So ist das Nettoeinkommen österreichischer und französischer Ärzte und Ärzinnen zu Beginn ihrer Tätigkeit im Vergleich am kleinsten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Lebenshaltungskosen laut Bundesagentur für Arbeit in Österreich trotz der tieferen Löhne etwas höher als in Deutschland sind. Besonders teuer ist das Leben in der Hauptstadt Wien. Die "Einstufung" der Ärzte und Ärztinnen ist auch in Österreich abhängig von der Dauer der Berufstätigkeit und der fachlichen Qualifikation. Alle zwei Jahre steigt in der jeweiligen Qualifikationsgruppe (z.B. Assistenzärzte oder Oberärzte) der Lohn an. Das Gehaltssystem ist jedoch nicht einheitlich gestaltet: Jedes Bundesland regelt die Besoldung selbstständig. Ein Assistenzarzt/Eine Assistenzärztin verdient zwischen 3.500 € und 4.600 € monatlich. Ein angestellter Oberarzt/ eine angestellte Oberärzin durchschnittlich 7.490 €. Auch hier kommen zum Grundgehalt noch Gehaltszulagen für Nacht- und Wochenendstunden sowie Überstunden dazu. Einheitlich geregelt ist in Österreich hingegen die vorgeschriebene Arbeitszeit: Sie liegt wöchentlich bei 40 Stunden. Eine Maximalzeit von 60 Arbeitsstunden darf nicht überschritten werden. Auf das gesamte Jahr gerechnet dürfen maximal 48 Wochenarbeitsstunden inklusive Überstunden pro Woche im Durchschnitt nicht überschritten werden. In der Regel werden 30 Urlaubstage jährlich gewährt.

 

Was wirklich zählt…

Das Gehalt ist zweifelsohne ein wichtiger Grund zu arbeiten - auch für Ärztinnen und Ärzte. Für Mediziner*innen, denen der Aspekt besonders wichtig erscheint, ist die Schweiz wohl der richtige Ort. Bezieht man die hohen Lebenshaltungskosten, die noch ausstehenden Steuerabgaben, die höhere Wochenstundenzahl und die geringere Ferientage mit ein, dürfte sich das jedoch wieder relativieren. Immer zu beachten sind neben dem Lohn auch die Arbeitsbedingungen, das Team und die Weiterbildungsmöglichkeiten. Am aller wichtigsten dürfte aber die Freude an der Arbeit sein und das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun. Zumindest die Sinnfrage ist als Arzt einfach zu beantworten. Und ein weiterer Vorteil des Arztberufes, der sich kaum mit Geld aufwiegen lässt: Auch in "Krisenzeiten" wie der jetzigen kann man sich sicher sein, gebraucht zu werden.

 


 

Anmerkung eines Users:

Beim Thema Gehaltsvergleich sollte man die steuerlichen Aspekte nicht außer Acht lassen.

In Österreich gibt es eine gesetzliche Abfertigung. Das sind zum Beispiel nach 10 Jahren 4 Brutto-Monatsgehälter, nach 25 Jahren 12 Brutto-Monatsgehälter. Und dies mit einem fixen Steuersatz von 6%. Auch gibt es jährlich ein gesetzliches Weihnachts- und Urlaubsgeld, jeweils 1 Monatsgehalt ebenfalls zum Sondersteuersatz mit 6% versteuert.

Ehrlicherweise sollte dies berücksichtigt werden, dann schaut der Vergleich schon anders aus. Beispiel:

Brutto 4.000,-- monatlich

Netto 12 x 2.371,11

zuzüglich Weihnachtsgeld netto 3.118,17

zuzüglich Urlaubsgeld netto 3.155,37  

Da müsste man in Deutschland brutto ca. 4.950,-- verdienen um netto gleichzuziehen.

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