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  • 05.03.2009

Stellensuche und Bewerbung im PJ

Endlich habe ich mal ein paar freie Tage. Was tut man damit mitten im PJ? Da ich keine Lehrbücher zur Hand nehmen wollte, um schon mal fürs Hammerexamen anzufangen, nutzte ich einen Teil meiner Freizeit, um einfach mal auf Stellensuche zu gehen.

Ärztin mit Fernglas - Foto: Andreas Haertle, Fotolia.com

Aber um hier niemanden in Panik ausbrechen zu lassen: Mein Praktisches Jahr geht in zwei Wochen zu Ende und im April mache ich mein Examen, wenn alles klappt werde ich dann fertig sein und anfangen zu arbeiten. Das heißt nicht, dass man jetzt schon eine Stelle suchen und den Vertrag in der Tasche haben sollte. Aber die Stellensuche lenkt wunderbar auf eine nette Art vom Gedanken auf die große Prüfung ab.

 

Arzt oder nicht Arzt

Glücklicherweise bin ich mir schon ziemlich sicher, dass ich nach dem Studium den Arztberuf im Krankenhaus ergreifen möchte und keinen nicht-kurativen Arbeitsplatz besetzen werde. Meine Fachrichtung ist mir auch schon klar. Außerdem habe ich mich im Weiterbildungskatalog informiert, welche Anforderungen nötig sind, um den Facharzt machen zu können.

Das ist gar nicht so unwichtig. Denn für viele Fächer kann man auch die Zeit in anderen Fachgebieten anrechnen lassen, beispielsweise Innere, wenn man Neurologe werden möchte.

Weiter stehen dort auch die Vorgaben, wie viele Untersuchungen oder medizinische Prozeduren man für einen Facharzt erfüllen muss. Möchte man gerne Gastroenterologe werden, arbeitet aber in einem Haus, das keine ERCPs macht, muss man sich diese woanders bestätigen lassen.

Eine kleine nicht zu vergessende Stolperfalle ist zudem noch die Weiterbildungsermächtigung, also für wieviele Jahre ein Chef (oder eine Chefin) der Abteilung überhaut berechtigt ist, weiterzubilden. Hat deine Facharztweiterbildung eine Mindestzahl von sechs Jahren, dein Chef jedoch nur eine Berechtigung für fünf Jahre, musst du ein Jahr woanders absolvieren. Da gibt es leider immer wieder viele Missverständnisse, deshalb sollte man bei der jeweiligen Ärztekammer des Landes immer klären, ob der Chef bzw. die Abteilung auch die angegebene Zeit zur Weiterbildung besitzt. Auf den meisten Internetseiten der Ärztekammern kann man auch unverbindlich nachschauen.

 

Uniklinik oder kleines Haus

Doch es geht noch weiter: Die nächste Überlegung ist: Uniklinik oder kleines Haus. Da bin ich noch unentschlossen, zum Glück muss ich mich da ja nicht gleich entscheiden. Beides hat seine Vor- und Nachteile. In der Uniklinik verpflichtest du dich, auch Lehre und Forschung zu machen; aufgrund der Größe des Hauses bekommt man eventuell eher den eigenen Katalog voll; im kleinen Haus ist es beschaulicher, doch möglicherweise kann man nicht die gesamte Ausbildung dort absolvieren.

 

Suche nach Stellenanzeigen

Doch bevor es zu sehr ins Detail geht, gibt es noch eine kleine Hürde bei der Suche nach einer Arbeitsstelle: Die Suche nach Stellenanzeigen. Wie erfahre ich, ob und wo Stellen frei sind. Das Internet bietet Hilfe. Besonders ergiebig waren zwei Wege, zum einen ging ich auf die Internetauftritte bestimmter Krankenhäuser, die stets eine Seite für Stellenangebote haben, und zum anderen kann ich besonders die Seite des Deutsche Ärzteblatts empfehlen, wo die Suchfunktion genau auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt werden kann; ich habe dort die meisten Ergebnisse gefunden. Und ich wurde ziemlich gut fündig: Freie Stellen für Ärzte gibt es heutzutage wie Sand am Strand.

 

Kliniksuche

Bei der Suche nach der passenden Klinik orientierte ich mich daran, welche Kliniken ich schon kannte, welche Kliniken einen gutem Ruf haben oder auch wo ich überhaupt wohnen möchte. Gezielt guckte ich, wo die Autoren von Lehrbüchern arbeiten - wenn sie schon gute Bücher schreiben, machen sie vielleicht auch gute Ausbildung. Ich ging auf die Seiten von "PJ-Ranking" und Klinikbewertungen. Ja, ich las sogar die Qualitätsberichte der Kliniken, um mich über Details ihrer Behandlungszahlen zu informieren. Am Ende hatte ich jedoch das Gefül genauso schlau zu sein, wie vorher. Während ein Student sein Praktisches Jahr in einer Klinik toll fand, war ein anderer Student ganz anderer Meinung, ebenso bei den Patienten. Und Internetauftritte zeigen meist doch nur ihre Schokoladenseiten. Am Ende werde ich dann doch in den Kliniken hospitieren, in denen ich mich bewerbe, um wirklich herauszufinden, ob es mir dort gefallen wird.

 

Stellenanzeigen

Doch einiges lässt sich auch in Stellenanzeigen herauslesen. Meist werden dort Größe des Hauses und Anzahl der Betten der Abteilung vorgestellt. Gern auch mal der Arztschlüssel, wobei die erste Zahl für den Chef, die zweite für die Anzahl der Oberärzte und die dritte für die der Assistenten steht. Einen persönlichen Eindruck bekommt man durch den Rest der Anzeige. Steht dort nur: Bei "Wir erwarten" und weiteren trockenen Worte scheinen die Assistenzärzte dort eher zu Dienern abgestempelt zu werden. In manchen Anzeigen wird betont, dass dort feste Rotationen zur Weiterbildung existieren, oder es wird auch die Weiterbildungszeit erwähnt. Und wenn dort geschrieben steht: "Wir legen Wert auf eine freundliche Atmosphäre" - ist dann damit gemeint, dass dort niemand aufmucken darf oder ist dort wirklich eine angenehme Stimmung am Arbeitsplatz. Doch letzten Endes gibt es noch eine spannende Information in den Anzeigen, die stets reichlich verschlüsselt ist und doch für jeden einzelnen ziemlich wichtig: die Vergütung.

 

Tarife über Tarife

Natürlich suche ich nicht nur einen schönen Beruf, es geht auch ums Brötchenverdienen, und da darf man wohl die Frage nach der Vergütung stellen. Interessanterweise werden in Stellenanzeigen die Klinik, Abteilung und Vorzüge in allen Einzelheiten beschrieben. Zu Vergütung gibt es in der Regel nur einen Satz, manchmal sogar gar keinen. "Wir bieten eine angemessene Vergütung" heißt es in einer Anzeige, oder: "Wir haben einen eigenen Haustarif". Beides bedeutet auf den ersten Blick nichts Gutes. Zwar stehen in keiner Anzeige genaue Zahlen, weil sich das immer individuell berechnet, doch gibt es Tarife für Ärzte, anhand derer man mittels Tabellen sehen kann, wie viel man dann brutto verdient. Und das kann enorm unterschiedlich sein.

Beispielsweise die Kirchlichen Träger (z.B. AVR-K): Als ich in deren Tariftabellen schaute, wäre ich beinahe vom Stuhl gefallen, die zahlen deutlich weniger als Häuser kommunaler Trägerschaft (TVÄrzte/VKA): Hier geht es nicht um ein paar Cent, die Differenz beträgt zum Teil mehrere Hundert Euro. Wobei das auch stark von den einzelnen Häusern und Ländern abhängig ist, eventuell gibt es auch Häuser, die die Differenz dazuzahlen.

Etwas mehr als die Kommunen zahlen hingegen die Unikliniken, wo die Arbeitszeiten jedoch auch definitiv höher liegen. Jedenfalls ist jedem ein Blick in die Tariftabellen oder die Frage an Kollegen der Wunschklinik nach dem Verdienst zu empfehlen, um böse Überraschungen beim ersten Gehaltsscheck zu vermeiden.

Traurig ist übrigens auch noch der Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland: Da liegen teilweise noch Welten zwischen.

 

Fündig geworden

Jedenfalls habe ich nun einige Krankenhäuser im Hinterkopf, bei denen ich im Abteilungssekretariatanrufen werde, um nach freien Stellen in nächster Zeit zu fragen. Eventuell werde ich auch meine Bewerbungsunterlagen vorbereiten und dann verschicken. Letzten Endes gehe ich jedenfalls eher nach dem Gefühl: "Ja, dort könnte es mir gefallen". Eine Klinik hatte beispielsweise eine eigene Internetseite für die Klinikküche. Dort wurde betont, wie liebevoll alles noch in eigener Hand und Küche gekocht wird. Bei dem heutigen "Krankenhausfraß" in den meisten Häusern ein ungemein überzeugendes Argument.

 


 

Dies ist ein Blogeintrag unseres PJ-Bloggers "Der kleine PJler".
Den ganzen Blog findest du hier. Der Blog ist abgeschlossen. Der kleine PJler ist mittlerweile Assistenzarzt – auf einer Stelle, die ihm prima gefällt :-)

 

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