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  • Interview
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  • Thomas Krimmer
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  • 11.11.2015

Medical Content Specialist: Medizinisches Wissen verständlich machen

Nicht alle Ärzte zieht es in Klinik oder Praxis. Dr. Ute Stefani Haaga ist Co-Geschäftsführerin einer Agentur für Medizinmedien. Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit.


Dr. med. Ute Stefani Haaga und ihre Tochter; Foto: medizinwelten-services GmbH


Dr. med. Ute Stefani Haaga ist Ärztin und leitet als Co-Geschäftsführerin eine Agentur für Medizinmedien. Sie arbeitete einige Jahre in der Inneren Medizin. Dann hat sie sich für einen Bereich der Medizin entschieden, der sie stets am Puls der neuesten medizinischen Entwicklungen hält und der gleichzeitig mit einem hohen Maß an Flexibilität für eine individuelle Lebensgestaltung einhergeht: Medical Content und Medizinmedien. Wir sprachen mit ihr über ihren beruflichen Weg und ihr aktuelles Tätigkeitsfeld.

 

> Frau Dr. Haaga, wie kommt man als Ärztin auf die Idee, sich dem Bereich Medizinkommunikation zuzuwenden?

Während meiner Zeit als Assistenzärztin an einer deutschen Universitätsklinik, an der ich in der Inneren Medizin tätig war, habe ich viel gelernt. Es hat mir große Freude gemacht, mit den Patienten zu arbeiten und praktische Medizin zu betreiben. Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, nur noch ein Rad in einer großen Maschinerie zu sein, das um jeden Preis funktionieren muss und andere Interessen zurückzustellen hat. Hinzu kamen sehr kurze Arbeitsverträge ohne die Aussicht auf eine längere oder unbefristete Anstellung. Zum Glück ist man als Ärztin in vielen Bereichen gefragt – und ich habe es einfach ausprobiert. Im Internet habe ich die Stellenanzeige einer Agentur gelesen, die sich mit Medizinkommunikation beschäftigt und die einen Arzt oder eine Ärztin als Projektleiter gesucht hat. Ich habe mich beworben und hatte den Job. Nach einigen Jahren hatte ich dann die Gelegenheit, als Co-Geschäftsführerin bei der medizinwelten-services GmbH einzusteigen, die ich nun seit 2010 gemeinsam mit meinem ärztlichen Kollegen Dr. Christofer Coenen leite.

 

> Was sind ihre Aufgaben in der Agentur?

Wir kümmern uns um die Vermittlung von medizinischem Wissen an unterschiedliche Zielgruppen. Das können Ärzte sein oder andere medizinische Fachkreise, wie zum Beispiel Diabetesberater, Pflegepersonal oder der Außendienst von Pharmafirmen, aber auch Patienten. Bei der Wissensvermittlung bedienen wir uns unterschiedlicher Medien. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Texte, Abbildungen, Animationen, Filme oder interaktive und multimediale Onlineeinheiten. Das Ganze fassen wir unter dem Oberbegriff „Medical Content“ zusammen. In den vergangenen Jahren haben wir eine zunehmende Nachfrage an Medical Content in hoher fachlicher und gestalterischer Qualität festgestellt. Diese Nachfrage können wir befriedigen, da wir unser medizinisches Know-how mit unserer journalistischen, technischen und gestalterischen Erfahrung verbinden und unseren Kunden ein auf die individuellen Anforderungen maßgeschneidertes Ergebnis liefern.

 

> Mit welchen fachlichen Bereichen haben Sie hauptsächlich zu tun?

Grundsätzlich arbeiten wir in allen medizinischen Fachbereichen. Das ist immer eine Frage der Einarbeitung in das jeweilige Thema. Unsere thematische Palette reicht deshalb von der Dermatologie über die Psychiatrie bis hin zu großen Themen wie der Diabetologie oder der Onkologie. Auch Kopfläuse waren schon mal Thema und fast hätten wir sogar das veterinärmedizinische Thema „Eutergesundheit“ bearbeitet – aber das ist dann schon eher ein Exot, der nicht jeden Tag kommt. Die vielen Themen machen die Arbeit sehr spannend, denn meist geht es um neue Entwicklungen, die erklärungsbedürftig sind. Wir kommen so mit dem Neuesten vom Neuen aus allen Bereichen der Medizin in Kontakt, und es macht Freude, in diesem Umfeld Konzepte zu entwickeln, mit denen diese Informationen vermittelt werden können.

 

> Aus welchen Branchen kommen Ihre Kunden?

Unsere Kunden kommen zum einen aus der Industrie, das sind zum Beispiel Pharma- und Medizintechnikfirmen. Zum anderen sind aber auch Medizinverlage Kunden, für die wir regelmäßig arbeiten. Außerdem zählen zu unseren Auftraggebern eine Reihe weiterer Medizindienstleister, darunter Firmen, die Kommunikationskonzepte für Krankenkassen anbieten, oder Werbeagenturen aus der Pharmabranche. Gelegentlich sind es auch Ärzte, die für Vorträge oder für ihre Praxishomepage fachgerecht aufbereitete Inhalte wünschen. Kurz gesagt: Alle, für die die Kommunikation medizinischer Inhalte ein zentrales Anliegen ist, kommen prinzipiell für uns als Kunden infrage.

>Haben Sie viel mit Menschen zu tun oder arbeiten Sie vor allem im Büro?

Kommunikation spielt nicht nur bei unseren Arbeitsergebnissen eine zentrale Rolle, sondern auch während des gesamten Projektablaufs. Oft sind ganz unterschiedliche Personen an einem Projekt beteiligt. Zum einen ist dies der Kunde, dann vielleicht noch ein externer Experte, der Input für ein Kommunikationsprojekt gibt, und schließlich weitere Beteiligte wie Grafiker, Programmierer, Schauspieler, Filmteams, Druckereien etc. Wie Sie sehen, ist auch das Projektmanagement eine wichtige Aufgabe, die wir zu bearbeiten haben. Aber dann gibt es auch wieder Zeiten, in denen man konzentriert an den eigentlichen Inhalten arbeiten muss. Da kann es manchmal sinnvoll sein, sich ins Homeoffice zurückzuziehen, um auch mal etwas Ruhe zu haben.

 

> Sie haben eine kleine Tochter und erwarten gerade Ihr zweites Kind. Wie lässt sich Ihre Tätigkeit als Firmenchefin mit dem Privatleben verbinden?

Natürlich hat man mit der Firmenleitung viel zu tun, aber ich bin ja nicht allein. Der Vorteil in unserem Metier ist, dass man sich die Arbeitszeiten recht flexibel einteilen kann. Ich muss nicht von sieben bis siebzehn Uhr auf der Matte stehen, sondern kann auch mal abends oder am Wochenende Dinge erledigen, die liegengeblieben sind. Wenn es notwendig ist, kann ich auch im Homeoffice arbeiten. Wenn zum Beispiel zwischendurch ein Termin mit den Kindern ansteht oder dergleichen. Wichtig ist, dass man sich gut organisiert und in der Firma gut abspricht. Aber das hat sich mit der Zeit prima eingespielt.

 

> Vermissen Sie Ihre ehemalige Tätigkeit als klinisch tätige Ärztin?

Manchmal schon. Die direkte Arbeit mit den Patienten ist eine Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich den Wechsel in einen anderen Bereich gewagt und geschafft habe. In Klinik und Praxis ist man einer Fülle an Zwängen unterworfen, die oft wenig Platz für eine individuelle Entfaltung lassen. Ich dagegen kann im Grunde machen, was ich will. Natürlich müssen unsere Kunden zufrieden sein und das Ergebnis unserer Arbeit muss stimmen, aber das ist ja eine Selbstverständlichkeit.

 

> Sehen Sie in Ihrer Branche Potential für interessierten Nachwuchs?

Auf jeden Fall. Wie gesagt, der Bedarf an hochwertigem Medical Content wächst ständig. Wir laden deshalb alle interessierten Kolleginnen und Kollegen ein, sich auf unserer Homepage oder direkt bei uns über unsere Arbeit zu informieren. Wer Lust hat, kann auch bei uns hospitieren und sich ansehen, wie wir arbeiten. Wir sind laufend auf der Suche nach neuen ärztlichen Mitarbeitern. Wer sich bei uns bewerben möchte, kann uns gern seine Bewerbungsunterlagen schicken. Wir freuen uns über jeden, der unser Team verstärken möchte.

Frau Dr. Haaga, vielen Dank für das Gespräch und für die interessanten Einblicke in Ihre Tätigkeit.


Zur Person: Frau Dr. Ute Stefani Haaga ist Ärztin und seit 2010 in der Geschäftsführung von medizinwelten-services. Sie war drei Jahre klinisch und forschend ärztlich tätig, absolvierte Auslandsaufenthalte in Kliniken und Forschungseinrichtungen in den USA, Frankreich und Spanien und spricht fließend Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch. Seit 2002 ist sie Expertin für Medizinmedien (Medical Content).

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