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  • Sarah Schroth
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  • 24.08.2015

Alternativen zum Arztberuf

Als Arzt arbeitet man in einer Klinik oder Praxis? Nicht unbedingt, denn für Mediziner gibt es auch Berufe jenseits von OP und Notaufnahme.

 

Medizinjournalist 

Bleistift - ©Andrey57641/Fotolia.com

 

Medizinjournalist – eine der vielen Alternativen zum Arztberuf ©Andrey57641/Fotolia.com

 

Wenn dir die Kreativität im Arztberuf fehlt und es deine Lieblingsbeschäftigung ist, seitenlange Patientenanamnesen zu schreiben, dann könnte der Medizinjournalismus was für dich sein. Der Job eines Medizinjournalisten ist vielseitig. Es gibt Jobs bei der Zeitung, bei Verlagen, Magazinen, beim Fernsehen, beim Hörfunk oder bei diversen medizinischen Gesellschaften im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Von Lyrik, über Fachartikel bis hin zu Belleristik ist hier alles erlaubt und grundsätzlich auch möglich.

Zum Berufsbild „Medizinjournalist“ führen viele Wege. Wichtig ist, dass man das Schreiben als Handwerk begreift, das richtig erlernt werden muss. Ein Großteil der Berufs­anfänger absolviert zunächst ein Volontariat. Es dauert meist eineinhalb bis zwei Jahre und wird in einer Redaktion abgeleistet. Ein Pluspunkt dieses Wegs: Volontäre erleben den Redaktionsalltag hautnah und sammeln dabei wertvolle praktische Erfahrungen. Eine zweite Möglichkeit, in den Journalismus einzusteigen, führt über ein Studium der Journalistik, Publizistik oder Kommunikationswissenschaft. Entsprechende Grund- oder Aufbaustudiengänge werden von verschiedenen Unis und Fachhochschulen angeboten. Sie führen zum Abschluss Diplom, Bachelor oder Master. Alternativ kann man als angehender „Schreiberling“ versuchen, einen der heiß begehrten Plätze an einer Journalistenschule, zum Beispiel der Henry-Nannen-Journalistenschule in Hamburg, zu ergattern. Ein Kandidat muss dafür Aufnahme­prüfungen bestehen, Arbeitsproben abliefern und sich oft gegen Hunderte von Mitbewerbern durchsetzen. Gerade für Berufsanfänger ist das eine enorme Herausforderung.

Neben dem Wunsch und dem dazugehörigen Talent, sich mit schwarzer Tinte auf weißem Blatt auszudrücken, gehört zu dem Beruf des Medizinjournalisten viel Eigenmotivation, Eigeninitiative und Durchhaltevermögen. Nur die wenigsten Medizinjournalisten finden einen Job mit einem festen Arbeitsvertrag. Der klassische Medizinjournalist arbeitet als Freelancer, hangelt sich von Auftrag zu Auftrag und nutzt oft die eigenen vier Wände oder das Café um die Ecke als Arbeitsraum. Manche Medizinjournalisten sind nur im Nebenberuf Journalisten und arbeiten z.B. 50 Prozent noch in der Klinik oder der eigenen Praxis. Auch eine gute Möglichkeit, um beide Leidenschaften zu verbinden.

Der Verdienst als Medizinjournalist ist leider nicht so rosig wie der eines Chefarztes. Die meisten Medizinjournalisten schaffen es erst nach mehreren Jahren, von ihrem Beruf gut leben zu können. Ein grosses Netzwerk von Kunden und Arbeitgebern aufzubauen ist daher das A und O.

Ein klarer Vorteil sind die Arbeitszeiten. Natürlich hat man auch hier Phasen mit viel Druck und Stress, aber in den meisten Fällen kann man seine Zeiten relativ flexibel einteilen. Und als freier Journalist ist man sowieso sein eigener Chef.  

 

 

Arbeit bei einer internationalen Organisation

 

Rotes Kreuz - Foto:©MariaP./Fotolia.com

©MariaP./Fotolia.com

 

Die Arbeit bei einer internationalen Organisation oder einem sozialen Hilfswerk ist für viele junge Mediziner und auch Medizinstudenten ein großer Traum. Man kommt um die Welt, sieht die verschiedenen Facetten der medizinischen Versorgung und findet – mehr als in jedem anderem Bereich – einen Sinn in seiner Tätigkeit.

Wer Medizin studiert, um humanitäre Hilfe zu leisten, sollte jedoch wissen, dass dies erst nach einer mehrjährigen Erfahrung im Krankenhaus sinnvoll ist. Die allermeisten Hilfsorganisationen suchen Fachärzte, oder Ärzte mit mindestens zwei bis drei Jahren Weiterbildungszeit auf dem Buckel. Hinzu kommt, dass man von solchen Einsätzen, die einige Monate bis Jahre dauern können, finanziell in der Regel nicht über die Runden kommt. In den meisten Fällen braucht es ein zweites Standbein im Sinne einer Praxis oder einer Festanstellung in einem Krankenhaus, die nach dem Einsatz im Ausland wieder aufgenommen werden kann.

Alternativ gibt es Ärzte, die sich politisch bei verschiedenen Organisationen wie der UN oder Ärzteverbänden engagieren. Hier benötigt es für den Einstieg meistens eine kleine Portion Vitamin B, sowie eine gute Grundkenntnis der nationalen und internationalen Gesundheitstrukturen. Idealerweise hast du dich schon im Studentenverband deiner Uni engagiert und weißt somit, wie die Strukturen in so einem System funktionieren.

 Die Arbeit bei einer internationalen Organisation wie dem Roten Kreuz, der UN oder bei Ärzte ohne Grenzen ist kein nine-to-five Job und keine leichte Kost. Daher sollte man vorab ein Praktikum oder Volontariat anstreben, um sich live und vor Ort die Arbeitsabläufe und Möglichkeiten einer Anstellung in dem Bereich anzusehen.

Weitere Infos findest du hier und hier

Pharmaindustrie

 

Medikamente - Foto: ©Vitaly Korovin/Fotolia.com

Ärzte sind in der Pharmaindustrie heiß begehrt. ©Vitaly Korovin/Fotolia.com

 

Ärzte sind bei der Pharmaindustrie immer begehrt. Ob im Bereich Forschung, Produktentwicklung, Patientenstudien, Management oder Marketing – theoretisch ist alles möglich. Mann sollte sich jedoch bewusst sein, dass die Pharmaindustrie ein ganz anderes Arbeitsumfeld liefert und eine völlig neue Perspektive auf die Medizin bietet. Das kann sehr spannend sein, bedeutet aber auch, dass es nicht unbedingt einfach ist, in dieser Branche den Einstieg zu schaffen. Gesucht werden vor allem Ärzte mit langjähriger Berufserfahrung, idealerweise einem Facharzttitel oder einer Fortbildung im gesundheitsökonimischen Bereich.

Den Sprung in den Pharmateich schafft man oft über einen Direkteinstieg. Wer vorher schon Praktika in entsprechenden Unternehmen absolviert hat, bekommt oft den Vorzug. Je nach Aufgabengebiet kann ein Zweitstudium in z.B. BWL oder Marketing förderlich sein. Wer die obersten Chefetagen erklimmen möchte, hat mit einem MBA noch bessere Chancen. 

Die Bezahlung lässt hier von Anfang an nicht zu wünschen übrig. Die Pharmaindustrie schafft gerne finanzielle Anreize, um Ärzte für ihre Branche zu begeistern, was auch für die meist sehr humanen und familiengerechten Arbeitszeiten gilt.

Doch Vorsicht: Wer nur in die Industrie geht, weil er in der Klinik unzufrieden ist, wird langfristig nicht glücklich werden. Denn man muss wirklich offen für neue Themen sein und die Herausforderung lieben. Medizinstudenten, die sich für eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft interessieren, sollten am besten zunächst einige Jahre in der Klinik arbeiten, um eine inhaltliche Basis aufzubauen und Erfahrungen zu sammeln. Was auch hilft: Einfach mal zu einer Firma hingehen und mit Medizinern sprechen, die dort arbeiten.

Consulting

 

Taschenrechner - Foto: FrankU/Fotolia.com

Unternehmensberater setzten sich auch oft mit der Kapazitätsplanung von Unternehmen auseinander. ©FrankU/Fotolia.com

 

Du denkst, Consulting wäre was für BWLer? Nicht nur! Consultingunternehmen suchen Hochschulabsolventen jeglicher Fachrichtung und Mediziner sind auch hier gerne gesehen. Schließlich beraten Consultingunternehmen auch Kliniken oder die Pharmaindustrie. Der Einstieg ins Business wird einem relativ einfach gemacht, da hier immer neue Nachwuchstalente gesucht werden. Nach der Bewerbung, die meist über ein Online-Portal läuft, gibt es oft mehrere Gespräche und Runden, in denen der Bewerber sich beweisen und gegen eine Vielzahl von Mitbewerbern durchsetzen muss.

Consulting bedeutet soviel wie Beratung. Als Arzt wird man meistens im medizinischen Sektor eingearbeitet und berät Firmen bei gesundheitsbezogenen Projekten, Marketingstrategien, Produkten oder der finanziellen Krankenhausentwicklung. Das bedeutet vor allem kundenorientiertes Denken und Handeln. Man muss gut und gerne mit Menschen zusammenarbeiten, Networking und strategisches Denken lieben. Schüchterne Bücherwürmer sind hier sicher fehl am Platz.

Finanziell sitzt man im Consultingunternehmen auf der Sonnenseite des Lebens. Aber Zeit, die Sonnenstrahlen zu genießen, bleibt leider wenig. Denn der schnelle Aufstieg und die großzügige finanzielle Entschädigung hat auch seinen Preis. Wer es in der Nahrungskette bis ganz nach oben schaffen will, muss lange Arbeitszeiten in Kauf nehmen. Wenn der Kunde eine Präsentation auf den nächsten Tag wünscht, muss man diese anfertigen, auch wenn das bedeutet die Nacht durchzuarbeiten. Dazu kommen zahlreiche Geschäftsreisen und Auslandsaufenthalte, die wenig Zeit für Familie, Freunde und Freizeit zulassen. Im Gegenzug kann man aber auch mal ein paar Monate ein Sabbatical machen.

 

Hier geht's zum Interview mit einem Unternehmensberater

Medizininformatik

 

Tablet - Foto: ©ra2Studio/Fotolia.com

Medizininformatiker sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. ©ra2Studio/Fotolia.com

 

Computernerd aufgepasst! Wenn du die vielen Stunden vor dem PC nicht scheust und dein Chef dich schon mehrmals verwarnt hat, weil du während der Visite wieder die neuste Medizin-App ausprobierst, bist du hier genau richtig. Medizininformatik ist ein sehr spannendes und schnell wachsendes Gebiet mit unglaublich viel Potential. Wer sich mit Computertechnik auskennt und den medizinischen Background mitbringt, ist in der heutigen Zeit ein wahrer Goldjunge bzw. Goldmarie.

Hier ist es aber unbedingt zu empfehlen ein weiteres Studium anzuhängen. An vielen Hochschulen wird zum Beispiel der Bachelor „Medizinische Informatik“ angeboten. Dieser dauert sechs Semester, ein weiterführendes Master-Studium umfasst weitere vier Semester. Darüber hinaus gibt es auch universitäre Diplome mit einer Regelstudienzeit von acht Semestern. Für Ärzte, die bereits im Berufsleben stehen, gibt es die Möglichkeit, die Zusatzbezeichnung „Medizinische Informatik“ zu erwerben. Für diese Zusatzbezeichnung muss man zunächst eine zweijährige klinische Betätigung nachweisen, die Weiterbildung selber dauert ein Jahr. Es gibt sowohl private als auch öffentliche Einrichtungen, die diese Weiterbildung anbieten, wobei die privaten Anbieter meist deutlich teurer sind. Speziell für berufstätige Ärzte gibt es Wochenendkurse und Blockseminare, die auch online oder im Fernstudium erarbeitet werden können. Mit diesen zwei Ausbildungen im Sack werden Krankenhäuser, Start-ups und diverse Firmen mit den Händen nach dir ringen.

Die Arbeitsaufgaben sind, je nach Einsatzort, sehr unterschiedlich. Alle Welt versucht die Medizin effizienter zu gestalten und die bestehenden Medizinprogramme zu verbessern oder gleich neu zu erfinden. Dies gilt für Krankenhaus genauso wie für den Freizeitbereich, wo Gesundheitsprogramme und Apps immer gefragter werden.

Die Bezahlung schwankt ebenfalls mit Gebiet und Arbeitserfahrung, aber da das Feld bisher noch relativ neu und wenig überlaufen ist, wird es in den nächsten Jahren wohl kaum einen arbeitslosen Medizininformatiker zu finden geben. Also – Computerfreaks LOS!

Start-ups

 

Bussiness - Foto: ©N-Media-Images/Fotolia.com

Mediziner können sich in Start-ups verwirklichen oder selbst ein Start-up gründen ©N-Media-Images/Fotolia.com

 

Sowohl die e-Health, als auch die e-learning Branche erleben aktuell einen mächtigen Boom und wachsen unaufhaltsam in die Höhe und Breite. Beinahe täglich erobern neue Gesundheits-Apps, Lernplattformen und Medizindiagnostikprogramme den Markt.

Mediziner, die im Studium wenig von den Abläufen und dem Aufbau einer Firma lernen, stoßen in Start-ups auf komplett neue Arbeitswelten und Arbeitswege. Flache Hierarchien und lockere Arbeitsstrukturen machen das Leben in einem Startup sehr angenehm. Ebenso flexibel wie die Arbeitszeiten, sind auch die Arbeitsaufgaben. „Einfach mal machen“ ist hier die Devise, denn wenn es ein Problem gibt, packen alle mit an. Das macht die Arbeit natürlich sehr spannend und unglaublich vielseitig. Man kann sich selbst und seine Ideen sehr gut einbringen und – anders als in den festgefahrenen Krankenhausstrukturen –  man hat das Gefühl, ein aktiver Mitgestalter seines Arbeitsumfelds zu sein.

Bei soviel Honig um das Startup-Maul fragt man sich natürlich, wo hier die Kehrseite der Medaille ist. Und die gibt es: Zum einen stehen Start-ups finanziell fast immer auf der Kippe. Man lebt die ersten Jahre von Investoren, die es zu bezirzen und zu begeistern gilt. Das bedeutet, dass es auch längere Durststrecken gibt, in denen das weiterleben der kleinen Babyfirma – und damit auch das eigene Gehalt – nicht gesichert ist. Neben der ersten Devise: „Einfach mal machen“ lautet die zweite Devise des Startups nämlich: „Mitgehangen, mitgefangen“. Wenn das Startup untergeht, sieht es auch für den einzelnen Mitarbeiter schlecht aus. Finanzielle und langfristige Sicherheiten sind nicht geboten und können oft auch nach mehreren Jahren nicht gewährleistet werden. Diese finanzielle Abhängigkeit vom Erfolg des Start-ups führt wiederum dazu, dass man als Mitarbeiter alles dafür gibt, das Startup erfolgreich über die Runden zu bringen. Dies bedeutet, dass es trotz flexibler Arbeitszeiten mit „laisser-faire“ Attitüde, auch immer wieder Phasen gibt, wo Nächte durchgepowert werden, oder man sich am Wochenende statt auf der nächsten Party vor dem Computer vorfindet. Doch mit einem starken Team und der Begeisterung für das entstehende Projekt, sind diese Nachteile schnell zu vernachlässigen.

Und: Du kannst natürlich auch selbst ein Start-up gründen. Deiner Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Selbst viel Eigenkapital ist heutzutage nicht mehr nötig, denn es gibt ja Crowdfunding. Damit nix beim Aufbau der neuen Firma schief geht, gibt es zahlreiche Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, Start-ups auf dem Weg nach oben zu beraten. Also: nur Mut!

 

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