Vitamin-A-Mangel

Autor(en): P. Kölle

Vitamin A spielt eine bedeutende Rolle für die Epithelien („Epithelschutzvitamin“) und die Sehkraft. Es ist anzunehmen, dass Schildkröten Vitamin A wie diemeisten Tierspezies aus Karotinen selbst synthetisieren. Eine Hypovitaminose A tritt häufig bei Sumpf- und Wasserschildkröten und hier insbesondere bei juvenilen Schmuckschildkröten im Alter von über 5 Monaten auf. Ganz junge Tiere sind normalerweise nicht betroffen, da diese meistens noch von Dotterreserven an Vitamin A zehren. 

Bei herbivoren Landschildkröten kommt eine Vitamin-A-Unterversorgung praktisch nicht vor. Die Vitamin-A-Hypovitaminose wird meistens durch einseitige Fütterung mit Fertigfutter oder Muskelfleisch verursacht, welches nur sehr geringe Mengen oder gar kein Vitamin A und/oder Karotin (Provitamin A) enthält. Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen ist eine Vitamin-AHypovitaminose auch bei herbivoren Landschildkröten zu finden, wenn diese ausschließlich mit karotinarmen Futtermitteln wie Gurke, ausgeblichenem Heu, Nudeln oder Haferflocken ernährt werden. 

Klinik 

Klinisch zeigt sich der Vitamin-AMangel insbesondere durch Augensymptome, die meistens (jedoch nicht immer) beidseitig auftreten: man beobachtet Blepharoödem, Konjunktivitis sowie käsige Massen unter den Lidern. Des Weiteren können Inappetenz und Apathieund zum Teil Rhinitis, Pneumonie, Dysecdysis oder Ohrabszesse vorliegen. Histologisch findet man bei Vitamin-A-Mangel eine squamöse Metaplasie und Degeneration der Epithelien der Konjunktiven, der Harder’schen Drüsen, der Maulhöhle, der Haut, der Nierentubuli, der Pankreasgänge und der Lunge. 

Diagnose 

Die Diagnose wird anhand des typischen Vorberichts (Fütterung) und typischer Augensymptomatik gestellt. Theoretisch wäre auch eine Bestimmung von Vitamin A im Plasma oder aus einer Leberbiopsie möglich, sie ist jedoch in Praxis wegen der meist geringen Körpergröße der Tiere, der Kosten und des Aufwandes nicht durchführbar. Differenzialdiagnostisch sind bakteriell bedingte Entzündungen des Auges/der Augenlider, Traumata, Fremdkörper sowie Blepharoödeme bei generalisierten Ödemen abzugrenzen. 

Therapie 

Neben einer einmaligen Injektion von Vitamin A sollte eine lokale Behandlung der Augen mit Vitamin-A-haltiger Augensalbe durchgeführt werden. Evtl. vorhandene käsige Massen müssen (ggf. unter Sedation oder Narkose) ausgeräumt werden. Dabei werden die Augenlider auseinandergespreizt und die käsigenMassenmittels eines kleinen scharfen Löffels entfernt. Eine Spülung aus einer Spritze mit physiologischer Kochsalzlösung kann die Reste der Massen von der Kornea entfernen. Danach ist eine Vitamin- A-haltige Augensalbe ins Auge einzubringen. Eine anschließende Allgemeinantibiose bei Vorliegen von käsigen Massen, Pneumonie oder Otitis ist zur erfolgreichen Therapie erforderlich, z. B. mit Baytril oder Tetrazyklinen und am besten gemäß Resistenztest. 

Bei Inappetenz sollte Zwangsfütterung und/oder Injektion von 5 %iger Glukoselösung erfolgen. Das Futter sollte auf bedarfsdeckende Fütterung umgestellt werden, also bei Sumpf- und Wasserschildkröten ganze Fische inklusive Eingeweide, Pflanzen wie Wasserlinsen ad lib. sowie ab und zu Verabreichung von Leber. Der Besitzer sollte darauf hingewiesen werden, dass eine Behandlung mindestens über 2–4 Wochen hinweg erforderlich ist. Die Prognose ist bei entsprechend intensiver Behandlung gut. 

Quelle:

P. Kölle
Die Schildkröte
Heimtier und Patient
ISBN: 9783830410669
2008, S. 131-132

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