Tupferproben von Rachen, Kropf und Kloake

Autor: M. Pees

IndikationenVeränderungen in der Schnabelhöhle  

  • gastrointestinale Störungen
  • respiratorische Symptomatik
  • unspezifische Symptomatik  

Durchführung 

Rachen: Zum Öffnen des Schnabels hat es sich als zweckmäßig erwiesen, die Patienten – je nach Größe – auf Einmalspritzen (1–20 ml) beißen zu lassen (siehe Abb. 1). Der Tupfer sollte im hinteren Rachenbereich am Rachendach mehrfach gedreht werden, dabei ist darauf zu achten, nicht in Kontakt mit dem Schnabelhorn zu kommen. 

Abb. 1: Kropfspülung bei einem Graupapagei. Schematisierte Darstellung des Einführens der Knopfkanüle in den Kropf (violett). Es ist wichtig, mit einem Finger (Pfeil) Kontakt zum Vogel zu halten, damit es bei plötzlichen Abwehrbewegungen nicht zu Verletzungen kommt. 

Kropf: Aufgrund der anatomischen Lage des Ösophagus und des Kropfes (normalerweise vorwiegend auf der rechten Körperseite) werden Kropftupferproben ebenso wie Kropfspülproben ausgehend vom linken Schnabelwinkel des Patienten entnommen. Für die sichere Platzierung des Tupfers im Kropf ist es zweckmäßig, durch äußere Palpation der Kropfregion (der Kropf liegt an der Brustapertur direkt unter der Haut und kann somit leicht palpiert werden) die genaue Lage zu kontrollieren. Während der gesamten Zeit der Probenentnahme muss der Untersucher mit der Hand, mit der er den Tupfer hält, Kontakt zum Kopf des Tieres halten. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Tupfer bei Abwehrbewegungen des Vogels nicht die dünnen Schleimhäute des oberen Verdauungstraktes verletzt oder gar perforiert (siehe Abb. 2). 

Abb. 2: Rachentupferentnahme bei einem Graupapagei. Die Spritze verhindert, dass der Vogel den Tupfer abbeißt. 

Kloake: Das Einführen des Tupfers gestaltet sich gelegentlich, vor allem bei dichtem Gefieder im Kloakenbereich, schwierig. Wenn die Tiere den Kloakenschließmuskel stark anspannen und sich dadurch das perikloakale Gefieder aufstellt, ist es fast unmöglich, eine kontaminationsfreie Tupferprobenentnahme durchzuführen. Der Einsatz von Wasser oder alkoholischen Sprays mit dem Ziel, das Gefieder zu scheiteln, verstärkt häufig nur noch das Problem. 

Praxistipp
Bei Anspannen des Schließmuskels ist es hilfreich, zunächst mit einem ersten angefeuchteten Tupfer in die Kloake einzugehen, den Tupfer kurze Zeit in der Kloake zu belassen, vorsichtig wieder zu entfernen und anschließend zu verwerfen. Viele Patienten entspannen anschließend ihren Schließmuskel, woraufhin mit einem 2. Tupfer Probenmaterial aus der Kloake entnommen werden kann (siehe Abb.3). 

Abb. 3: Kloakentupferentnahme bei einem Graupapagei. Durch leichtes Abwinkeln des Schwanzansatzes nach dorsal ist die Kloake leichter auffindbar. 

Anschlussuntersuchungen 

Nativausstrich, gefärbter Ausstrich, bakteriologische und mykologische Kultur mit Resistenztest, virologische Untersuchungen (z. B. Adeno-, Herpes-, Paramyxo-, Reovirus, in Absprache mit dem Labor). 

Interpretation 

Auch wenn bei Proben aus Rachen und Kropf zu bedenken ist, dass es sich bei einem Isolat um passagere Keime, die aus der Umwelt oder mit dem Futter aufgenommen wurden, handeln kann, ist dem Nachweis von gramnegativen Bakterien immer eine ganz besondere Bedeutung zuzumessen. Auch der hochgradige Nachweis von grampositiven Keimen in Reinkultur – insbesondere im Kropf und v. a. in Zusammenhang mit vorberichtlichem „Erbrechen“ – ist bedeutungsvoll. Vollständig hämolysierende grampositive Kokken sowie Hefepilze sollten bei kranken Papageien grundsätzlich behandelt werden. Bei Schimmelpilzen sollte immer die Möglichkeit einer Kontamination berücksichtigt werden. Gelegentlich lassen sich aus Kropf- oder Kloakenabstrichen auch Macrorhabdus ornithogaster nachweisen. Diesen ist – genau wie beim Nachweis aus dem Kot – bei kranken Vögeln immer eine Bedeutung zuzumessen.

Quelle: M. Pees, Leitsymptome bei Papageien und Sittichen, Diagnostischer Leitfaden und Therapie, ISBN: 9783830410843, 2. Aufl., überarb. 2010, S. 305-306

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