Stimmbandlähmung, Kehlkopflähmung, Larynxparese und –paralyse beim Hund

Definition

  • Larynxparalyse = ein- oder beidseitige fehlende Abduktion der Aryknorpel während der Inspiration durch Lähmung der intrinsischen Larynxmuskulatur
    • Häufigster Grund: Schädigung des N. recurrens (Vagusast) bzw. N. laryngeus caudalis
    • Folge: Funktionsausfall der meisten Larynxmuskeln (fehlende inspiratorische Aryknorpellateralisation zur Weitung der Larynxpassage)

Ätiologie

  • Vermutlich meistens Polyneuropathieursache
    • Gleichzeitiges Vorkommen von Schluckstörungen und Regurgitieren
    • Im Verlauf evtl. noch Auftreten anderer Neuropathien
  • Erworbene Larynxparalyse
    • Zervikales evtl. iatrogenes Nerventrauma
    • Den N. recurrens komprimierende Masse in Hals- oder kranialer Thoraxregion (Ganglion-stellatum-Schädigung)
    • Neuropathie, v. a. periphere allergische (?) Polyneuropathie
    • Immunvermittelte Myopathie (Myasthenia gravis)
    • Staupekomplikation
    • Evtl. Hypothyreose (umstritten)
  • Idiopathische Larynxparalyse
    • Häufigste Form
    • Vor allem mittelalte bis alte großrassige Hunde
    • Rasseprädisposition
      • Labrador Retriever (evtl. familiäre Ursache)
      • Bouvier des Flandres (autosomal-dominante Vererbung; Auftreten mit 4–6 Mo. mit unterschiedlich schwerem Verlauf während des 1. Lj.)
      • Sibirischer Husky, Alaskan Malamute, Bullterrier, englische Bulldogge (vermutlich autosomal-dominante Vererbung)
      • Rottweiler (Alter 11–13 Wo.) und Dalmatiner (Alter 4–8 Mo.): Polyneuropathiekomplex (Larynxparalyse verantwortlich für dominierende Symptome)

Symptome

  • Variierende Schweregrade
    • Stimmveränderungen wie heiserem oder tonlosem Bellen
    • Heiserkeit
    • Geräuschvolle Atmung
    • Keuchen
    • Kehlkopfpfeifen (Röhren)
    • Vorwiegend inspiratorische Atemnot
    • Bewegungsintoleranz
  • Allmähliche Entwicklung der Symptome
    • Anfangs meist unbemerkt
    • Vorstellungsgrund: Bewegungsdyspnoe bei
      • Starken Anstrengungen
      • Aufregung
      • Hoher Umgebungstemperatur
  • Erschwerte Atmung
    • Zuerst inspiratorisch, später evtl. auch exspiratorisch
    • Mit zunehmender passiver Verengung der Larynxpassage und Behinderung der Inspiration
    • Anfänglich: Atemgeräusch bei Anstrengung
    • Später: Atemgeräusch im Ruhezustand, besonders nachts
  • Weitere mögliche Symptome
    • Husten
    • Salivation
    • Z. T. Würgebewegungen
    • Versuche, während der Futteraufnahme zu erbrechen (gestörtes Abschlucken von Nahrung)
      • Aspirationspneumonie als Folge möglich
    • Regurgitieren (wegen Ösophagusdysfunktion)
    • Atrophie der Kehlkopfmuskulatur (gelegentlich zu palpieren)
  • Anstieg der Körpertemperatur
    • Durch Stress, Angst und erhöhte Atemarbeit
    • Folge: Verstärkung des O2-Mangels
  • Circulus vitiosus durch sekundäres entzündliches Schleimhautödem (Glottisödem)
    1. Erhöhte Luftgeschwindigkeit und starker Unterdruck im Bereich der verengten Passage
    2. Irritation der Larynxschleimhaut
    3. Ödem
    4. Verschlimmerung der Verengung
    5. Progressiver Anstieg von Luftgeschwindigkeit und Unterdruck
    6. usw.
    • Folgen: lebensbedrohliche obere Atemwegobstruktion mit Synkopen und Erstickungsanfällen wegen Sauerstoffmangels (Notfall)
  • Komplikationen
    • Aspirationspneumonie
    • Nichtkardiogenes Expansionslungenödem
      • Durch hohen, bei der stark erschwerten Einatmung im Brustkorb erzeugten Unterdruck wegen des hohen, vermehrten Unterdrucks
    • Trachealkollaps
      • Provokation oder Verschlimmerung

 

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