Staupe, canine distemper, Carré-Krankheit beim Hund

Definition

  • hochkontagiöse, multiorganische (pantrope) virale Infektionskrankheit
  • Verlauf akut oder chronisch
  • befällt auch wildlebende Karnivoren (v. a. Dachs, Marder, Fuchs, Frettchen, Seehunde)
  • seit Staupe-Impfung → starker Rückgang der Krankheit in Hundepopulation
  • immer wieder Fälle, z. T. sogar epidemieartig
    • zurückzuführen auf ungenügende Immunisierung/ mangelhaften Immunisierungsgrad der Population
    • Import von Hunden mit unvollständiger Immunisierung aus dem Ausland

Ätiologie

  • Canine Distemper Virus, CDV
  • einsträngiges, behülltes RNA-Virus des Genus Morbilliviren , Familie der Paramyxoviridae
  • CDV-Subtypen: Unterschied in Organtropismus und Pathogenität, nicht in Antigenität
  • Tenazität:
    • im Sonnenlicht bis zu 14 h, in Räumen und an Kleidern einige Tage
    • Desinfektion: 2 %ige Natronlauge und die meisten kommerziellen Desinfektionsmittel
    • Hitze: inaktiviert das CDV rasch, nicht jedoch Kälte

Pathogenese

  • Infektion:
    • oral oder aerogen (Tröpfcheninfektion)
    • über Sekrete und Exkrete infizierter Hunde
    • evtl. indirekte Übertragung durch Hände, Kleider oder Futternäpfe
  • Inkubationszeit: 3–7 Tg.
  • zunächst 1–2 Tg. Vermehrung in
    • lymphatischem Gewebe des Rachenringes
    • Bronchiallymphknoten
    • später auch in anderen lymphoretikulären Geweben
  • Virämie nach ca. 8–9 Tg.
  • weiterer Verlauf abhängig vom Immunstatus:
    • bei guter Immunantwort:
      • starke humorale und zelluläre Immunantwort
      • → Ausbreitung und Vermehrung können verhindert werden
      • → Viruselimination nach ca. 14 Tg. , keine Symptome
      • später: selten neurol. Symptome oder sog. Hartballen-Krankheit („hard pad disease“)
    • bei schlechter Immunantwort:
      • nach Virämie Ausbreitung in epithelialen Geweben oder/und im ZNS
      • via Lymphozyten und Makrophagen → Knochenmark, Lymphgewebe
      • zwischen dem 7. und 9. Tag in die Lamina propria der Schleimhäute, insbes. des Respirations-, Verdauungs- und Urogenitaltraktes, sowie in die Augen
  • bei fehlender Antikörperproduktion: nach ca. 9–14 Tg. massive Virusvermehrung →
    • respiratorische,
    • gastrointestinale (katarrhalische Staupe) und
    • ZNS-Symptome (nervöse Staupe).
  • bei mäßiger humoraler Immunität:
    • mildere Krankheitsverläufe möglich
    • seltener ZNS-Symptome
  • ab dem 8. Tg.: alle Sekrete und Exkrete infektiös
  • auch in klinisch inapparenten Fällen: Virusausscheidung 8-14 Wo.
  • Persistenz in Nervengewebe, Haut und Augen mögl. → Jahre später Symptome hervorrufen
  • intrauterine Infektion möglich: nach Verschwinden der maternalen Antikörper im Alter von 4–6 Wo. → klinisch manifeste Staupe

Symptome

Allgemeines

  • abhängig von
    • Individuum
    • Alter
    • Organtropismus und Virulenz des CDV
    • Immunkompetenz
    • Art der Sekundärerreger
    • Vorhandensein anderer Viren, insbes. Parvo-, Adeno- und Coronaviren
  • vermutlich über 50 % der CDV-Infektionen subklinisch
  • erster Fieberschub durch Virämie:
    • kann unbemerkt verlaufen
    • oder leichte Allgemeinstörungen, Anorexie, Durchfall und Konjunktivitis
  • ohne wirkungsvolle zelluläre und humorale Abwehrreaktion: nach 2- bis 7-tägigen fieberfreien Intervall → Organbesiedlung:
    • Allgemeinstörungen (Anorexie, Tonsillitis, starke eitrige Konjunktivitis und Rhinitis) und
    • erneutes, intermittierendes oder anhaltendes hohes Fieber
  • schwerster Verlauf bei Junghunden im Alter von 3-6 Mo.
    • ungeimpft
    • ungenügend geimpft (keine Boosterung)
    • geschwächt (Zahnwechsel)
    • gestresst (Besitzerwechsel, Transport, Tierheimaufenthalt)
  • Doppelinfektion mit caninem Mortalität bis annähernd 100 %

Symptome

  • am häufigsten: respiratorische Symptome
    • mit eitriger Rhinitis, trockenem, später feuchtem Husten und Atembeschwerden infolge einer Bronchopneumonie
    • bei Sekundärinfektionen mit Bordetellen, Staphylokokken, Klebsiellen, Pasteurellen und/oder Streptokokken → hochgradige Atemnot
    • In charakteristischen Fällen werden die respiratorischen Symptome durch unterschiedlich schwere gastrointestinale Symptome (vorübergehendes Erbrechen und Durchfälle) eingeleitet oder begleitet → Tiere trocknen aus, werden geschwächt, magern ab.
  • Staupedermatitis
    • am Unterbauch sowie an den Schenkel- und Ohrinnenflächen
    • in Form von Rötungen, Vesikeln und/oder Pusteln )
    • durch Sekundärinfektionen (Pyodermie oder Demodikose) verursacht
    • im Gegensatz zur „Hard pad disease“: in Läsionen kein CDV nachweisbar
    • vereinzelt Otitis externa
  • okuläre und neurologische Symptome:
    • kombiniert oder separat bereits im Verlauf
    • oder erst nach dem Abklingen der extraneuralen Symptome
    • Augenveränderungen:
      • akut auftretende Lichtscheu
      • eitrige Keratitis
      • Uveitis
      • → Hornhautulzeration, evtl. sogar –perforation
      • Keratitis sicca
      • Retinadegeneration mit Erblindung
    • nervöse Staupe:
      • Folge einer nichteitrigen Meningoenzephalomyelitis und/oder Neuritis
      • Myoklonien (sog. Staupe-Ticks, Kaukrämpfe)
      • epileptische Anfälle
      • Ataxien
      • Paresen
      • Paralysen
      • Kau- oder Schluckstörungen
      • Manegebewegungen
      • psychische Störungen wie Demenz, Tremor sowie Sensibilitätsstörungen und Automutilation der Gliedmaßen
  • Hard pad disease
    • ab der 2. Erkrankungswoche auffallende Hyperkeratose
    • Verhärtung der Pfotenballen und des Nasenspiegels
    • nur vereinzelt, zusammen mit neurologischen Symptomen, zu beobachten
  • Staupegebiss
    • Zahnschmelzdefekte: Spätfolgen einer einige Wochen vor dem Zahnwechsel durchgemachten schweren, die Zahnschmelzanlage schädigenden Krankheit
    • betrifft nicht nur Staupe

 

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