Sore Nose

Autor(en): A. Ewringmann, B. Glöckner

Ätiologie & Pathogenese 

Dermatitiden an Maul und Nase bei Rennmäusen werden durch ein multifaktorielles Geschehen ausgelöst. Das porphyrinhaltige Sekret der Harder’schen Drüsen ist hautreizend. Bei Erkrankungen des Auges, unhygienischen Haltungsbedingungen (hoher Ammoniakgehalt) oder durch Stressfaktoren wird es vermehrt gebildet und sammelt sich im Nasenbereich. Durch verstärktes Putzen sowie ungeeignete oder fehlende Sandbäder können Haarverluste, Haarbruch und Mikroläsionen der Haut entstehen, an denen es durch das Sekret zu weiteren Reizungen kommt. Dadurch wird ein Eindringen von Keimen, vorwiegend Staphylococcus sp. gefördert, sodass Entzündungen resultieren. 

Klinik 

Durch Eintrocknung des Drüsensekretes entstehen zunächst rötlich-braune Krusten im Nasenbereich, gefolgt von einer oberflächlichen Dermatitis mit Alopezie und Hautrötungen (Abb. 1). Bakterielle Sekundärinfektion führt schließlich zu tiefen, nässenden Entzündungen der Haut. Diese können, ausgehend von der Schnauze, auch auf Pfoten, Brust- und Bauchbereich übergreifen. Großflächige Veränderungen gehen meist auch mit deutlichen Störungen des Allgemeinbefindens und einer Reduktion der Futteraufnahme einher und können letztlich zum Tod des Tieres führen. 

Abb. 1: Sore Nose

Diagnose

Die Diagnose ergibt sich aus dem klinischen Bild und dem Nachweis des porphyrinhaltigen Sekretes, das unter UV-Licht fluoresziert. Bei nässender Dermatitis sollten stets bakteriologische Untersuchungen eingeleitet werden, um gezielt nach Antibiogramm behandeln zu können. Zudem muss die Ursache für eine vermehrte Drüsensekretion ermittelt werden. Neben einer gründlichen Augenuntersuchung sind die Haltungsbedingungen zu hinterfragen. Hierbei ist besonders von Interesse, ob geeignete Sandbäder zur Fellpflege zur Verfügung stehen. 

Therapie & Prognose 

Eine erfolgreiche Behandlung setzt eine Abschaltung der für die vermehrte Drüsensekretion verantwortlichen Faktoren voraus. Sekretkrusten müssen zunächst mit milden Antiseptika entfernt werden. Die Tiere sollten dann systemisch mit einem Antibiotikum (z. B. Sulfonamid/ Trimethoprim 11 , Enrofloxacin 5 ) versorgt werden. Bei großflächigen, nässenden Dermatitiden ist die Prognose dennoch äußerst vorsichtig zu beurteilen. Die Rennmäuse werden bis zur Abheilung auf staubfreiem Untergrund (Zeitungspapier, Zellstoff) gehalten; Sandbäder müssen entfernt werden, um zusätzliche Verklebungen zu vermeiden. 

Quelle: A. Ewringmann, B. Glöckner, Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus, Diagnostischer Leitfaden und Therapie, ISBN: 9783830410638, 2007, S. 200 

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