Schilddrüsenunterfunktion - die Therapie

Hunde mit Schilddrüsenunterfunktion sind kranke Hunde. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist nicht heilbar, das bedeutet, dass die betroffenen Hunde für den Rest ihres Lebens auf die externe Zuführung von Schilddrüsenhormonen angewiesen sind. Die Hormongabe erfolgt in Form von Tabletten oder eines Liquids.
Die Hunde müssen regelmäßig untersucht werden, da durch die Schilddrüsenunterfunktion die Gefahr von Begleit- oder Folgekrankheiten besteht. Auch die korrekte Dosierung muss sicher gestellt werden. Besonders bei der autoimmunbedingten Schilddrüsenunterfunktion kann der gesamte Organismus mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen sein und es können weitere (Autoimmun-)Erkrankungen auftreten (z.B. autoimmune hämolytische Anämie, Morbus Addison, Nierenerkrankungen). Umso wichtiger ist es für den Besitzer, sich möglichst gut mit dieser Krankheit, den Auswirkungen im Alltag und weiteren Randbedingungen auszukennen.


1.1 Medikamente
Die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion erfolgt durch Zuführung des Schilddrüsenhormons Thyroxin (T4). Im Vergleich zum Menschen erhalten Hunde bei der Substitution aufgrund des aktiveren Schilddrüsenhormonstoffwechsels bedeutend höhere Hormondosen. Es stehen speziell für den Hund entwickelte Präparate verschiedener Hersteller zur Verfügung.
Die Präparate liegen in 2 Darreichungsformen vor: Tabletten und Liquid. Bei Hunden, bei denen sich die Tablettengabe schwierig gestaltet oder bei Hunden mit geringem Körpergewicht, kann die Verabreichung eines flüssigen Präparates einfacher sein. Ein weiterer Vorteil ist die genauere Dosierungsmöglichkeit.
Die individuelle T4-Dosis muss für jeden Hund gefunden werden, da die Verstoffwechselung von vielen Faktoren abhängig ist. Die Anfangsdosis liegt bei ca. 10 μg pro kg Körpergewicht, die i. d. R. aufgeteilt in 2 Dosen 2-mal täglich gegeben werden. Die Dosis wird dann langsam gesteigert (ca. wöchentlich eine Steigerung von 5–10 μg/kg).
Thyroxin hat eine Halbwertszeit von rund 12 Stunden. Um einen möglichst gleichmäßigen Hormonspiegel aufrechtzuerhalten, sollte daher die Tablettengabe 2-mal am Tag erfolgen. Dadurch können Hormonspitzenkonzentrationen gering und der Hormonpegel im Bereich der physiologischen Pegel gehalten werden. Durch den gleichmäßigeren Hormonlevel wird die zusätzliche Bildung von Hormonen in der Schilddrüse gehemmt und bei einer autoimmunen Thyreoiditis so die weitere Bildung von TAK (Thyreoglobulin-Autoantikörper) verhindert.

1.2 Beurteilung der Dosierung
Als Beurteilungsgrundlage für die optimale Dosierung dienen bei einer klinischen Schilddrüsenunterfunktion die Bluthormonwerte. Bei zuvor verhaltensauffälligen Hunden sowie bei einer Subklinischen Schilddrüsenunterfunktion ohne deutliche klinische Symptome wird zur Beurteilung das Verhalten herangezogen.
In der Regel liegt die optimale Dosis zwischen 20 und 30 μg/kg Körpergewicht. Im Einzelfall können aber auch bis zu 80 μg/kg Körpergewicht und mehr erforderlich sein. Bei solch hohen Hormondosen sind das Allgemeinbefinden und die Bluthormonwerte intensiv tierärztlich zu überwachen. Bei hohen Dosierungen ist bei einer 2-mal täglichen Gabe von Thyroxin die Gefahr einer Thyreotoxikose allerdings höher als bei einer 1-mal täglichen Gabe. Bedingt durch die langen Halbwertszeiten kann das zugeführte T4 ggf. nicht ausreichend verstoffwechselt werden und steigt dadurch zunehmend an.
Zu berücksichtigen sind bei einer Höherdosierung nur aufgrund suboptimaler Werte auch zu niedrige Falschmessungen aufgrund von evtl. Störreaktionen mit Autoantikörpern.

Symptome von Überdosierung:
•Übererregung, Nervosität, Unruhe,
•verstärktes Hecheln in Ruhe, z. B. in entspannter Umgebung zu Hause, ohne erkennbare Auslöser, insbesondere 1–2 Stunden nach der Tablettengabe,
•fütterungsunabhängiger Durchfall, Erbrechen,
•Herzrasen,
•Gewichtsverlust,
•erhöhte Körpertemperatur (selten).
Die Symptome treten meist nur sporadisch auf.


Symptome von Unterdosierung
•verstärktes Hecheln bei normaler körperlicher Belastung (Spaziergang, warmes Wetter) oder Stress,
•Verstopfung, seltener, trockener Kotabsatz bei ausgeprägter Unterdosierung,
•Durchfall aufgrund vermehrter Ängstlichkeit.
Symptome von Über- oder Unterdosierung
•Unruhe bzw. Hyperaktivität oder auffallende Trägheit,
•Verstärktes Trinken und Übelkeit, starkes Speicheln,
•zunehmende Ängstlichkeit, Aggressivität.

1.3 Zusätzliche T3-Substitution
Die Verwendung von Kombinationspräparaten, die T3 und T4 enthalten, sind beim Hund nicht sinnvoll. Die Präparate sind Produkte aus dem Humanbereich und enthalten ein für den Hund unphysiologisches Verhältnis von T3:T4. Kombinationspräparate können daher zu Thyreotoxikosen führen. Ist tatsächlich eine zusätzliche T3 Substitution notwendig, sollte diese durch ein separates Präparat erfolgen.
Die Einstiegsdosis sollte bei ungefähr 1,1 μg T3/kg Körpergewicht liegen und kann i. d. R. nach einer Woche auf die empfohlene Enddosis von 2,2 μg T3/kg Körpergewicht 2-mal täglich erhöht werden.
T3 hat eine Halbwertszeit von 6 Stunden. Daher kann es durchaus Sinn machen, die Tablettengabe in 3 Tagesdosen aufzuteilen. T4 kann ebenfalls in diesem Rhythmus gegeben werden. T3 ist in Deutschland zurzeit nur als Humanpräparat erhältlich.

Quelle: Zimmermann B., Dr. Jekyll & Mr. Hund, Stuttgart: Thieme;

 

 

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