Pododermatitis („bumble foot“)

Autor: M. Pees

Die Pododermitis (“bumble foot”) ist eine durch Übergewicht und ungeeignete Sitzstangen begünstigte degenerative Veränderung der Fußsohle.

Ätiologie & Pathogenes 

Die Pododermatitis tritt häufig bei Wellensittichen und Amazonen auf, kann jedoch bei allen Psittaziden beobachtet werden. In der Regel ist sie auf eine fehlerhafte Haltung des betroffenen Tieres zurückzuführen. Natürlicherweise klettern Papageien in Bäumen, deren Äste einen wechselnden Durchmesser oder eine andere Oberflächenstruktur haben. Dies führt zu einer ständig wechselnden Belastung der Fußsohle. In der Käfighaltung werden Sitzstangen aus Holz oder Plastik eines genormten Durchmessers verwendet. Der Vogel fußt so immer gleich und belastet dieselben Bereiche seiner Fußsohle. Diese werden dann besonders beansprucht oder „abgenutzt“. 

Zusätzlich kann Übergewicht der Vögel eine Rolle spielen, da hierdurch die Belastung der Fußsohle zunimmt. Letztlich ist auch die permanente Käfighaltung ohne Freiflug von Bedeutung, da zum einen die Fußsohle permanent belastet wird, zum anderen der Flug die Durchblutung der Füße und somit die Hautvitalität der Fußsohle steigert. Kommt es zu einer permanenten Entlastung eines Fußes (z. B. durch Fraktur oder andere Erkrankungen), so kann der andere Fuß leicht überbelastet werden und eine Pododermatitis entwickeln. Die überbelasteten Bereiche der Fußsohle reagieren zunächst mit einer Verhornung, die dann abgenutzt wird. Die Haut verdünnt sich in diesem Bereich und ist stark gerötet (Erythem). In der Folge ist die Vitalität der Fußsohlenhaut stark herabgesetzt, was das Eindringen von Bakterien und Pilzen erleichtert. Hierdurch entsteht dann eine Entzündung der Fußsohle, der sogenannte „bumble foot“. 

Klinik & Diagnose 

Das klinische Bild der Pododermatitis äußert sich im Anfangsstadium in stark verhornenden Bereichen der Fußsohle und der Zehenansätze. Im weiteren Verlauf ist die Haut stark gerötet. In hochgradigen Fällen zeigt sich bereits eine Hautnekrose, die wallartig von verhornendem Gewebe umgeben ist. Der Fuß ist oft insgesamt geschwollen (siehe Abb. 1). 

Abb. 1: Fußschwellung infolge Pododermatitis bei einem Wellensittich 

Lahmheiten sind in der Regel nur in hochgradigen Fällen zu beobachten. Sie äußern sich häufig nur während der Ruhephasen des Tieres, indem immer dasselbe Bein angezogen und entlastet wird. In Extremfällen (beidseitige Veränderung) entlastet der Vogel die Beine durch Einhängen des Schnabels in das Käfiggitter oder durch Liegen auf dem Käfigboden. 

Die adspektorische Untersuchung der Fußsohle ist immer in die klinische Allgemeinuntersuchung von Psittaziden miteinzubeziehen, um Veränderungen möglichst früh, also vor dem Auftreten von Lahmheiten, zu erkennen. 

Wird eine Hautnekrose oder eine Fußschwellung beobachtet, so sollte der Fuß zusätzlich röntgenologisch untersucht werden, um eine Knochenbeteiligung abzuklären!

Therapie 

Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist die Optimierung der Haltungsbedingungen, um die Ursache der Pododermatitis zu beheben. 

Als Sitzstangen sollten frische, gewaschene Obstbaumzweige verwendet werden. Übergewichtige Vögel erhalten eine Diät (Adipositas) und es sollte die Möglichkeit des Freiflugs eingeräumt werden. In leichten Fällen reicht dies als Therapie meist schon aus. Haben bereits Umbauprozesse der Fußsohle stattgefunden, so sind die Sitzstangen mit Watte und Verband zu ummanteln und abzupolstern. Die Füße sollten mehrmals täglich mit einer feuchtigkeitsspendenden Salbe (z. B. Braunovidon®) eingecremt werden. 

Vitamin- E-haltige Salben sind ebenfalls empfehlenswert. In hochgradigen Fällen und solchen mit einer Infektion ist, neben den bereits beschriebenen Maßnahmen, eine Wundbehandlung durchzuführen. Der Fuß ist mit einer Wundauflage zu bandagieren. Zusätzlich sollte eine lokale und systemische Antibiose verabreicht werden. Ist die Hautnekrose bereits fortgeschritten, ist eine Wundauffrischung anzuraten. Der Fußverband sollte alle 2 Tage gewechselt werden. Bei ausgedehnten Nekrosen ist die Wunde nach Débridement oft nicht wieder zu verschließen. In solchen Fällen ist alle 2 Tage ein Verbandswechsel mit einer antiseptischen Salbe (z. B. Braunovidon ® oder lod-Gaze) durchzuführen, bis die Infektion kontrolliert ist. Erstes entstehendes Granulationsgewebe zeigt diesen Zeitpunkt an. Zur Förderung der Hautepithelisierung kann man dann entsprechende Salben benutzen. Um die sekundäre Wundheilung zu begünstigen, kann man den granulierenden Defekt mit einer „Kunsthaut“ aus Kälberproteinen (Vet-Biosyst®) abdecken. Das wachsende Epithel nutzt das Netzwerk der Proteine als Schiene und kann den Defekt so wesentlich schneller verschließen. 

Die Kunsthaut ist mit einer Wundauflage und antiseptischer Salbe feucht zu halten. Das Verbandswechselintervall kann so auf 4–5 Tage gesteigert werden. Die Kunsthaut ist aber nicht mit zu wechseln, lediglich die Heilung und Feuchtigkeit werden hierbei kontrolliert. Die Kunsthaut wächst vollständig in den Defekt ein. Erst nach Verschluss des gesamten Defekts ist die systemische Antibiose auszusetzen. Nach erfolgter Heilung sollte der Fuß noch etwa 1 Woche lang in einem gepolsterten Verband geschützt werden. Im Anschluss sind noch ungefähr 2 Wochen lang gepolsterte Sitzstangen anzuraten, bevor der Vogel den Fuß wieder normal belasten kann. 

Prognose 

Frühstadien dieser Erkrankung sind prognostisch als sehr gut zu beurteilen. Oft reicht die Veränderung der Haltungsbedingungen zur Heilung aus. Mittelgradige Fälle sind in der Regel gut zu therapieren. Ist jedoch eine Nekrose vorhanden, sollte die Prognose vorsichtig gestellt werden. Wurde röntgenologisch eine Knochenbeteiligung nachgewiesen, ist die Prognose ungünstig bis infaust. 

Quelle: M. Pees, Leitsymptome bei Papageien und Sittichen, Diagnostischer Leitfaden und Therapie,
ISBN: 9783830410843, 2. Aufl., überarb. 2010, S. 107-109

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