Parvovirose beim Hund

Definition

  • Erreger: canines Parvorvirus (CPV)
  • → hochansteckende und meist akut verlaufende Infektionskrankheit
  • kleines unbehüllte DNA-Virus der Familie der Parvoviridae
  • v. a. bei Junghunden: systemische Erkrankung mit Durchfall (wässrig/blutig), Erbrechen, Anorexie bis hin zu Sepsis

Ätiologie

  • ursprüngliches CPV-2, mittlerweile von drei neueren Typen verdrängt:
    • CPV-2a
    • CPV-2b
    • CPV-2c
  • CPV-2a/b: auch Pathogenität für Katzen (fehlt beim ursprünglichen CPV-2)
  • zur Replikation auf Zellen mit hoher Mitoserate angewiesen → befällt deshalb bevorzugt:
    • Zellen des Darms (Kryptenzellen des distalen Duodenums u. Jejunums)
    • Knochenmark (Jugendstadien von Erythrozyten und Granulozyten)
    • lymphatisches Gewebe (Peyersche Platten, Lymphknoten, Thymus und Milz)
    • Myokardzellen, solange sie sich noch teilen
  • sehr hohe Tenazität:
    • überlebt pH-Bereich von 3-11 und 30 min bei 70 °C
    • bei Raumtemperatur: im Kot mindestens 6 Mo. ansteckungsfähig
    • Desinfektionen gegen CPV-2 erfordert 2 %ige Natronlauge, 0,2 %ige Peressigsäure, 1 %iges Glutaraldehyd oder Hypochloridpräparate.

Pathogenese

  • Ansteckung:
    • fäkal-oral durch
      • mit Kot beschmutztes Futter
      • anhaftendes Virus am Fell von genesenden Hunden
      • an Gegenständen oder Kleidern
    • in utero möglich
  • bis zum klinischen Krankheitsausbruch verstreichen ca. 7–14 Tg.
  • Virusausscheidung im Kot:
    • beginnt mit Ansiedlung und Vermehrung in Darmkrypten
    • etwa 3–5 Tg. nach der peroralen Infektion
    • dauert ca. 14 Tg.
    • selten auch länger, allerdings keine Dauerausscheider
  • nach Immunisierung mit Lebendvakzine → transiente Virusausscheidung (ca. 14 Tg. )
  • Vor Aufnahme eines neuen Hundes in einen Haushalt, in dem Parvovirose ein Problem ist oder war, ist zu beachten:
    • alle Gegenstände, die nicht desinfizierbar sind, entsorgen
    • neuer Hund: muss ausreichend geimpft sein, bevor er in den Haushalt kommt
    • in Hundezuchten oder Zwinger: nur gut immunisierte Tiere sollten eingeführt werden

Symptome

Allgemein

  • nur 10 % einer spontan dem CPV-2 ausgesetzten Hundepopulation erkranken
  • die Übrigen immunisieren stumm, können dabei das Virus auch transient ausscheiden
  • Mortalität sind besonders hoch bei
    • ungenügend oder ungeimpften Welpen
    • Junghunden bis zu einem Alter von ca. 6 Mo.
  • vermehrt gefährdet:Tiere in Hundezuchten und bei Hundehändlern
  • besonders anfällig:
    • Rottweiler
    • Dobermann
    • Pinscher
    • Deutsche Schäferhunde

Klinische Anzeichen

  • erste klinische Anzeichen unspezifisch:
    • Anorexie
    • Apathie
    • evtl. Fieber
    • gefolgt von meist starkem Erbrechen
    • treten innerhalb von 24–48 h auf
  • oft erst im Verlauf:
    • heftiger evtl. zuerst wässriger und später blutiger Durchfall
    • → schnelle Dehydratation , evtl. bis zu einem hypovolämischen Schock
    • v. a. Welpen: oft Untertemperatur, nur selten Fieber
    • abdominale Schmerzen
    • vereinzelt: plötzliches Welpensterben, ohne dass Durchfall bemerkt wird
  • Symptome stark abhängig von
    • Vorhandensein anderer Viren, Parasiten, Bakterien wie Campylobacter, toxinbildenden Clostridien
    • Teilungsrate der Darmepithelzellen

Verlauf

  • Meist: Tod zwischen dem 2. und 4. Krankheitstag
  • frühzeitige Antikörperproduktion → mit milderen Verlauf verbunden
  • ab dem 4.–5. Krankheitstag: Überlebenschancen nehmen deutlich zu.
  • Krankheitsdauer i. d. R. 1-3 Wo.
  • perinatale Infektionen (5 Tg. vor bis 5 Tg. nach Geburt) von Welpen ungeimpfter Hündinnen→ Welpenmyokarditis

Laborbefunde:

  • typisch:
    • starke Leukopenie (< 2000/μl) mit Neutropenie und ausgeprägter Lymphopenie
    • treten jedoch oft erst innerhalb einiger Tage auf
  • fehlende Blutbildveränderungen: schließen Parvovirose nicht aus
  • im Krankheitsverlauf:
    • massiven Leukozytose (> 60 000–80 000/μl) mit Linksverschiebung (> stabkernige Neutrophile)
    • → Zeichen der Erholung des Knochenmarks → prognostisch günstig
  • bei Erstuntersuchung:
    • ausgeprägte Hämokonzentration (Hämatokrit > 0,6 l/l)
    • prärenale Azotämie (aufgrund Dehydratation)
  • nach Flüssigkeitstherapie:
    • Hämatokrit sinkt ab
    • durch massiven Blutverlust →
      • Anämie
      • insbes. aber auch Hypoalbuminämie
      • Panhypoproteinämie
  • Elektrolytverschiebungen (Hypokaliämie, evtl. Hyponatriämie)
  • Hypoglykämie (v. a. bei Zwergrassen u. sehr jungen Tieren)
  • Azidose
  • Erhöhung der Leberenzyme (ALT, AST)
  • erhöhte Amylase- und Lipasewerte → als Komplikation auftretende Pankreatitis, aber auch durch Enteritis erklärbar
  • Thrombozytopenie und verzögerte Gerinnungszeiten → Anzeichen einer DIC und/oder Sepsis

Komplikationen

  • Massive Dehydratation
    • durch starken blutig-wässrigen Durchfall u. Erbrechen
    • Welpen zeigen schneller klinische Zeichen einer Dehydratation als Jungtiere
  • Eiweißverlust
    • über die zerstörte Darmschleimhaut
    • → ausgeprägte Hypoalbuminämie bzw. Panhypoproteinämie
    • → Entstehung von Ödemen begünstigt (durch Abfall des onkotischen Drucks in den Gefäßen)
    • → aggressive Flüssigkeitstherapie erschwert
  • Darminvaginationen
    • infolge Hypoperistaltik des Darmes
    • je nach klinischer Erfahrung Palpation sicherer als ultrasonographische Untersuchung (typisches Zwiebelschalenmuster)
    • Verdacht: persistierendes, heftiges Erbrechen
    • spontane Repositionen selten → meist operativer Eingriff nötig
  • Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC)/Verbrauchskoagulopathie
    • u. a. durch Sepsis und Freisetzung prokoagulatorischer Substanzen aus infizierten Zellen
    • verdächtig: Petechien oder Ekchymosen, Thrombozytenabfall sowie verzögerte Gerinnungszeiten (PT, PTT, ACT)
    • Bestätigung: Bestimmung der D-Dimere
  • Sepsis:
    • bakterielle Translokation durch die defekte Darmschleimhaut
    • verminderte Phagozytosekapazität als Folge der Neutropenie
  • Pankreatitis:
    • Ätiologie unklar, vermutlich multifaktoriell
    • Kolokalisation von entzündeten Darmabschnitten
    • Virusvermehrung im Pankreas
    • Zeichen einer DIC mit Multiorganversagen

 

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