Otitis externa beim Hund

Definition

  • Häufige, akute oder chronische Entzündung des Gehörganges und des Trommelfells
  • Schätzungsweise 6–20 % aller Hunde betroffen
  • Streng genommen keine Diagnose, sondern Symptom: oft lokale Manifestation von Allgemeinerkrankungen

Ätiologie

  • Prädisponierende Faktoren
    • Rassespezifisch
      • Enger Gehörgang (kongenital, z. B. bei Chow-Chow, Shar Pei)
      • Fragliche Bedeutung von dichter Behaarung/Haaren im Ohrkanal, eng anliegenden, stark behaarten Hängeohren
    • Feuchter Ohrkanal
      • Häufiges Schwimmen
      • Hohe relative Luftfeuchtigkeit
      • Unzureichender Luftzutritt zum Ohrkanal
    • Iatrogen
      • Aggressive Reinigung (Traumatisierung, Verwendung reizender Substanzen)
      • Haarentfernung
      • Irritation durch Ohrentropfen
    • Übermäßige Zerumenproduktion, z. B.
      • Primäre Seborrhoe (idiopathisch)
      • Sekundäre Seborrhoe
      • Erhöhte Zahl von Zeruminaldrüsen bei Springer und Cockerspaniel sowie schwarzem Labrador
    • Gehörgangsobstruktion
      • Neoplasien
      • Granulome
      • Polypen
      • Hyperplastische Veränderungen des Gehörganges
  • Primäre (ursächliche) Faktoren
    • Parasiten
      • Otodectes cynotis
      • Selten Demodex, Sarkoptes, Zecken u. a.
    • Fremdkörper
      • Grannen
      • Schmutz
      • Eingetrocknete Sekrete
    • Allergische Hauterkrankungen
      • Meist bilaterale Otitis externa bei 50–80 % der Hunde mit Atopie und Futtermittelallergie
      • Evtl. auf Ohren beschränkte allergische Erkrankung, insbesondere bei Beginn der Allergie
      • Selten bei Flohallergie
      • Kontaktallergie (z. B. bei Anwendung von Neomycin, Propylenglykol)
      • Arzneimittelüberempfindlichkeit
      • Atopie und Futtermittelallergie: häufigster Grund für chronische oder intermittierende bilaterale (selten unilaterale) Otitis externa
    • Mikroorganismen
      • Dermatophyten
      • Selten: Bakterien als Primärursache
    • Keratinisierungsstörungen, Drüsenerkrankungen
      • Zeruminaldrüsenhyperplasie oder –hypoplasie
      • Talgdrüsenhyperplasie oder –hypoplasie
      • Qualitativ oder quantitativ veränderte Zerumenproduktion
      • Vorkommen z. B. bei Hypothyreose, Hyperadrenokortizismus, Hyperöstrogenismus, Sebadenitis, idiopathischer Seborrhoe
    • Idiopathische entzündliche/hyperplastische Otitis beim Cockerspaniel
      • Ursache unklar, evtl. Hypersensitivität gegen Zerumenbestandteil oder primäre glanduläre Erkrankung
    • Autoimmunerkrankungen der Haut
      • z. B. Pemphigus, syst. Lupus erythematodes
    • Verschiedene Erkrankungen
      • Juvenile Zellulitis
      • Sterile eosinophile Follikulitis
      • Zink-responsive Dermatose
      • Vaskulitis
  • Sekundäre Faktoren
    • Veränderte Bakterienflora des Gehörganges
      • Häufig Staphylokokken, Pseudomonas
      • Seltener Streptokokken, Proteus , E. coli, Corynebacterium spp., Enterobacter, Pasteurellen, aerobe Sporenbildner, Mischinfektionen u. a.
      • Sekundäre bakterielle Invasion des Gehörganges
      • Bakterien selten Primärursache
    • Hefen und Pilze
      • Malassezia pachydermatis: in ca. ⅓ normaler Hundeohren in kleiner Zahl, häufige Komplikation bei allerg. Dermatitiden, Superinfektion nach Antibiotikumtherapie möglich
      • Selten Candida spp. oder Schimmelpilze
  • Unterhaltende (perpetuierende) Faktoren
    • Progressive pathologische Veränderungen des Gehörgangs bei (chronischer) Entzündung
      • Ödem, Hyperkeratose, Hyperplasie, Fibrose, Mineralisierung
      • Neoplasien
    • Otitis media, Osteomyelitis
    • Kontaktallergie, Unverträglichkeit applizierter Substanzen
      • Z. B. Propylenglykol, Neomycin
    • Behandlungsfehler
      • Zu häufige, aggressive Reinigung
      • Nicht/unzureichend durchgeführte Behandlung durch Besitzer

Pathogenese

  • Reaktion des Gehörgangs auf Entzündung
    • Erythem
    • Dann epitheliale Hyperplasie und Hyperkeratose
    • Hyperplasie der Talg- und Schweißdrüsen
  • Folgen
    • Vermehrte Produktion von Zerumen mit erniedrigtem Lipidgehalt
    • Zunahme der Feuchtigkeit
    • Einwanderung von Entzündungszellen in die Dermis
    • Fibrose
  • Im Verlauf
    • Verkleinerung des Lumens
    • Unregelmäßige epidermale Oberfläche
    • In schweren chron. Fällen: Verknöcherung des Gehörgangs

Symptome

  • Erste Anzeichen
    • Kratzen, Reiben der Ohren mit den Pfoten oder am Boden
    • Kopfschütteln
  • Unangenehmer Geruch
  • Unruhe
  • Evtl. Schmerzen oder Juckreiz bei Berührung des Kopfes
  • Rötung
  • Abknicken des Ohres
  • Ausfluss
  • Evtl. leichte Kopfschiefhaltung

 

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