Neosporose beim Hund

Definition und Ätiologie

Erreger:

  • Neospora caninum (Ordnung Eimeriida , Familie Sarcocystidae , 1988 beschriebene Art)
  • eng mit Toxoplasma gondii und Hammondia spp. Verwandt
  • zystenbildende Kokzidien
  • Infektionen führen zu
    • Paralysen und Todesfälle beim Hund
    • Aborte und seltener neonatale Todesfälle beim Rind und bei kleinen Wiederkäuern
  • weltweit verbreitet

Bedeutung für Hund:

  • einziger Endwirt in Europa
  • Übertragungswege:
    1. die perorale Aufnahme von im Gewebe befindlichen Zysten infizierter Zwischenwirte
    2. die diaplazentare Infektion des Fetus
  • mögliche Infektionsquellen:
    • Muskelfleisch
    • Nervengewebe
    • Nachgeburt und abortierte Feten des Rindes, aber auch anderer Pflanzenfresser
  • Ausscheidung:
    • Präpatenz 5–13 Tg.
    • Patenz 11–20 Tg.
    • intermittierende Ausscheidung mögl.
    • Ausbildung einer protektiven Darmimmunität auch denkbar
  • Prävalenz von Ausscheidern in Deutschland und in der Schweiz sehr niedrig < 1 %
  • große Prävalenz-Unterschiede innerhalb Europas(< 1 % bis ca. 50 %), je nach Hundepopulation und Herkunft der Tiere
  • Intestinale Infektionen führen nicht immer zur Bildung spezifischer Antikörper
  • diaplazentare Übertragung vermutet

Pathogenese

  • kann alle Gewebearten infizieren, v.a. Nerven und Muskulatur
  • akute Infektion:
    • Zellzerstörung und entzündliche Prozesse
    • sekundär auch neuronale Ausfälle
  • subklinischer Verlauf möglich
  • pränatal infizierte Welpen:
    • typischerweise Polyradikuloneuritis-Myositis-Syndrom
      • fokale Nekrosen vor allem im Rückenmark und in den Spinalnerven
      • → Muskelatrophie und progressive Lähmung
    • gelegentlich können auch andere Organe befallen werden
  • adulte Hunde:
    • häufig fokale oder multifokale Enzephalomyelitis
    • variable Ausprägung der Symptomatik
    • auch generalisierte Infektionen
    • Krankheitsbeginn, klinische Verschlechterung teils mit einer partiellen Immundefizienz anderer Genese assoziiert
      • Leishmaniose
      • gleichzeitige Steroidtherapie
      • hochdosierte immunsuppressive Therapie

Symptome

  • klinische Fälle weltweit
  • bei verschiedenen Rassen
  • besonders schwerwiegend und mit hoher Mortalität:
    • Welpen und Junghunden (< 1 Jahr alt)
  • häufigste neurologische Symptome:
    • aufsteigende Paralyse der Hintergliedmaßen durch eine Polymyositis und Polyradikuloneuritis
  • bei beginnender Hinterhandschwäche weitere klinische Symptome:
    • Muskelatrophie (78 %)
    • spastische Hyperextension (53 %)
    • Paralyse (52 %)
    • Schmerz in der Lumbal- und Becken- oder Quadrizeps-Muskulatur (35 %)
    • Kopfschiefhaltung (24 %)
    • Dysphagie und Inkontinenz
  • bei generalisierten Formen:
    • Myositis
    • Myokarditis
    • ulzerative Dermatitis
    • Pneumonie
    • Meningoenzephalomyelitis
  • in chronischen Fällen, auch bei älteren Tieren:
    • Aggressivität
    • Teilnahmslosigkeit
    • andere Veränderungen im Verhalten
  • Laborbefunde:
    • für die Diagnose wenig aussagekräftig
    • manchmal erhöht:
      • Serumkreatininkinase
      • alkalische Phosphatase
      • Alanintransferase (ALT)

 

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