Lungenthromboembolie, Lungenembolie und Lungenthrombose beim Hund

Definition

  • Lungenthrombose hervorgerufen durch in situ gebildete Gefäßverschlüsse
    • Z. B. bei Angiitis der Lungenarterien
  • Lungenembolie oder Lungenthromboembolie
    • Lungenarterienverschlüsse durch mit venösem Blut in die Lunge eingeschwemmte Emboli

Ätiologie und Pathogenese

  • Emboli-Ursachen
    1. Venöse Thromben (z. B. abgeschwemmte Gerinnsel von Verweilkathetern)
    2. Fremdkörper (Bakterienklumpen, Körperfett, Haare, abgebrochene Katheterstücke, Geschosse)
    3. Parasiten
    • Herzwürmer ( Dirofilaria immitis)
      • In endemischen Gebieten häufigste Lungenthrombose- und Lungenthromboembolie-Ursache
      • In Lungenarterien eingeschwemmte adulte Parasiten
      • Folge: Angiitis
    • Seltener bei Angiostrongylus vasorum-Infektionen
    1. Mit Hyperkoagulabilität einhergehende Primärerkrankungen
    • Erhöhte allgemeine Blutgerinnungsneigung
  • Wichtigste Lungenthromboembolie-Ursachen in deutschsprachigen Ländern
    • Schwere Traumata
    • Proteinverlust-Syndrome bei Glomerulopathien und Nierenamyloidose (Antithrombin-Verlust über Nieren)
    • Gerinnselbildende und infizierte intravenöse Dauerkatheter
    • Hyperadrenokortizismus
    • Immunbedingte hämolytische Anämien
    • Sepsis
    • Beeinträchtigte Lungenzirkulation bei schwerer Herzinsuffizienz
    • Pankreatitis
    • Endokarditis valvularis
    • Lebererkrankungen
    • Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC) z. B. bei Neoplasien (v. a. Hämangiosarkome und Adenokarzinome)
    • Hyperviskositätssyndrom
  • Virchow-Trias (zusammengenommen Ursache der Thrombosierung von Lungenarterien)
    • Ausgelöst oft durch Hämokonzentration und/oder Bewegungsmangel des Patienten
    1. Gefäßwandschäden (Entzündungen wie z. B. bei Dirofilariose, Traumata)
    2. Verlangsamung, Stase oder Turbulenz der Blutströmung (z. B. Herzinsuffizienz )
    3. Veränderte Blutzusammensetzung mit erhöhter Gerinnungstendenz ( Hyperkoagulabilität ) und Thrombozytenaggregation und/oder Abnahme der gerinnungshemmenden Faktoren (verminderte Auflösung der gebildeten Thromben bei Antithrombin-Verlust wegen Nephrose, paraneoplastischem oder Cushing-Syndrom)
  • Bildung der Thromben v. a.
    • In großen zentralen Venen
    • Im rechten Atrium
    • An Ventrikelklappen
  • Abschwemmung von Thrombenteilen und Abfangen der Emboli meist in
    • Lungenarterien
    • Nierenendarterien
  • Auswirkungen der abgefangenen Emboli
    • Normalerweise spontane Auflösung
    • Keine offensichtlichen Symptome bei Fettembolien nach Frakturen der langen Röhrenknochen (häufig)
    • Ernsthafte Symptome durch Sistieren der funktionellen Lungendurchblutung wegen permanenter Arterienverschlüsse (nur geringer Prozentsatz)
      • Bei gleichzeitigem Abschwemmen zahlreicher Emboli und Verlegen von über 65–75 % einer lokalen Lungenstrombahn
      • Bei Verlegung von einer oder mehreren großen Pulmonalarterien
      • Bei Verschiebung des Gleichgewichts zwischen thrombusfördernden (thrombosierenden) und thrombolytischen Faktoren zugunsten der thrombusfördernden Faktoren
  • Entstehung der Thromboembolie-Symptome durch
    • Verringerte funktionelle Lungendurchblutung
      • Nutritive Gefäßversorgung über Bronchialarterien oft nicht betroffen
    • Pulmonale Hypertonie
    • Vermehrte Rechtsherzbelastung
    • Reduziertes linkes Herzminutenvolumen
      • Damit verbundene systemische Minderdurchblutung und Hypoxämie der Körperperipherie
  • Folgen der Obstruktion einer Lungenarterie
    • Zunächst: erhaltene Belüftung des betroffenen Lappens bzw. Segmentes
    • Aber: Bildung eines sogenannten Ventilations-/Perfusions-Ungleichgewichts oder eines Mismatches
      • Wegen fehlender Durchblutung
      • Weder CO2-Abgabe noch O2-Aufnahme über alveolokapilläre Membranen
    • Dyspnoe als unmittelbare Folge von fehlendem Gasaustausch und mangelhafter Oxygenierung des Blutes
    • Bei Bestehenbleiben des Lungenarterienverschlusses (keine Thrombusauflösung)
      • Permanenter Ausfall der funktionellen Lungendurchblutung in betroffenen Lungenpartien
      • Sekundär auch Beeinträchtigung der O2-Versorgung über nutritive Bronchialarterienäste (besonders beim Auftreten einer Herzinsuffizienz )
    • Lokale Folgen
      • Vasokonstriktion
      • Ödembildung
      • Bronchospasmen
      • Gefäßschädigungen
      • Blutaustritt ins Lungengewebe
      • Entstehung eines Lungeninfarkts (in etwa 30–40 % der Fälle)
      • Lungenabszessbildung bei infizierten Emboli möglich

Symptome

  • Meist gleichzeitig Symptome der Lungenthromboembolie und der ihr zugrunde liegenden Krankheit
  • Lungenthromboembolie-Symptome
    • Plötzliche oder zunehmende Atemnot mit Tachypnoe/Hypopnoe
    • Teils Husten
    • Tachykardie
    • Schwächezustände
    • Bewegungsintoleranz
    • Fieber
    • Inappetenz
    • Livide bis zyanotische Schleimhäute
    • Sichtliche Mühe (Schmerzen!) beim Atmen
    • Häufig Pulsschwäche
    • Evtl. schlechte periphere Gefäßfüllung (verlängerte kapillare Wiederauffüllungszeit)
    • Gelegentlich Hämoptysis
    • Unvermittelt Tachypnoe, Hypotonie mit Schockerscheinungen und Exitus möglich
  • Symptome mancher Grundkrankheiten vielfach von dominierenden respiratorischen Symptomen verdeckt
    • Ausnahme: Herzkrankheiten und hämolytische Anämie
    • Klinische Anhaltspunkte für Lungenthromboembolie-Ursache vorerst unbemerkt
    • Erste Anhaltspunkte oft abnormale Laborwerte, z. B. starke Proteinurie

 

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