Lungenödem beim Hund

Definition

  • Lungenödem = Zustand oder Symptom einhergehend mit vermehrter Ansammlung von Flüssigkeit und Elektrolyten im Lungeninterstitium oder in Interstitium und Lungenalveolen
  • Lungenstauung = Vorstufe der meisten Lungenödeme, wie z. B. des kardialen Lungenödems
  • Stauungslunge = Zustand, bei dem es infolge einer Linksherzinsuffizienz zur venösen Lungenhyperämie und im chronischen Zustand zur Lungeninduration und Hämosiderinablagerung gekommen ist.

Ätiologie und Pathogenese

  • Haupt-Ätiopathogenesen der Lungenödem-Entstehung
    1. Erhöhter kapillärer bzw. venöser hydrostatischer Druck (hämodynamisches Lungenödem)
      • Am häufigsten durch Linksherz- oder Globalinsuffizienz (kardiogenes Lungenödem)
    2. Erhöhte Permeabilität von Kapillarendothelien und/oder Alveolarepithelien (nichtkardiogenes Lungenödem, Permeabilitäts-Lungenödem)
      • Chemische Schädigung durch toxische Substanzen ( Medikamente, Inhalation von Rauch oder reinem O2, aspiriertem saurem oder alkalischem Material, chemischen oder mikrobiologischen Toxinen = toxisches Lungenödem)
      • Durch allergische oder nichtinfektiöse Entzündungsreaktionen
    3. Signifikante Verminderung des plasmaonkotischen Druckes
      • Bei Hypoalbuminämie (i. d. R. Lungenödem-Entstehung nur in Verbindung mit weiteren Faktoren)
      • Nach Hyperinfusion von Flüssigkeit
    4. Bei signifikantem, anhaltendem intrathorakalen Unterdruck (Übertragung auf Lungenparenchym/Interstitium): Absaugen von Flüssigkeit aus Kapillaren
      • Beim Versuch mit maximal gesteigerter Inspirationsanstrengung eine obere Atemwegobstruktion zu überwinden (Expansionslungenödem)
      • Bei zu rascher Lungen-Reexpansion nach Abpunktieren eines großen Pleuralergusses oder Pneumothoraxes (Reexpansionslungenödem)
      • Bei forciertem Aufblasen eines atelektatischen Lungenlappens nach Thoraxeingriffen wie Verschluss einer Zwerchfellruptur (Reexpansionslungenödem)
    5. Zentral über Sympathikus gesteuerte massive Blutverlagerung von systemischem in Lungenkreislauf : Blutdruckanstieg, dadurch Kapillarwandschädigung
      • Bei epileptischen Anfällen und ZNS-Traumata (neurogene Lungenödeme)
  • Oft synergistische Wirkung zweier oder mehrerer ursächlicher Faktoren (manchmal auch unbekannter Faktoren)
    • Z. B. Flüssigkeitsüberinfusion bei vorbestehender Mitralinsuffizienz und/oder Hypoalbuminämie

Hämodynamische Ödeme

  • Linksherz- oder Globalinsuffizienz
  1. Erhöhter kapillärer bzw. venöser hydrostatischer Druck
    • Kardiogenes Ödem
    • Klappeninsuffizienz, Kardiomyopathie, schwere Arrhythmien, kongenitale Herzerkrankungen
  2. Lungenvenenkompression
    • Nichtkardiogenes Ödem
  3. Lymphgefäßkompression
    • Hilusmasse (Lymphknoten), Lymphom
  4. Verminderter onkotischer Druck
    • Hypoalbuminämie, Flüssigkeitsüberinfusion, Glomerulonephritis, oligurische Niereninsuffizienz
  5. Erniedrigter interstitieller Druck im Lungenparenchym
    • Massive Obstruktion der oberen Luftwege, Reexpansionsödem (nach Aspiration von Pleuraerguss)

Permeabilitätsödeme

  • Toxisches Ödem
  1. Erhöhte Permeabilität von Kapillarendothel und/oder Alveolarepithel durch verschiedene Mediatoren
    • O2, Rauch, toxische Gase, Endotoxine, Pankreatitis, Exotoxine (Organophosphate etc.), Medikamente, Allergien , Angiitis, Entzündungen, DIC
  2. Kreislauffaktoren wie temporärer Hochdruck schädigen Kapillarwände, dazu Beteiligung bislang unbekannter Faktoren
    • Neurogene Ödeme
    • Epileptische Anfälle, ZNS-Trauma, Sympathikus-gesteuerte massive Blutumlagerungen, Allergien

Multifaktorielle und idiopathische Ödeme

  • Multiple oder unbekannte Ursachen
  • Schocklunge, DIC, Beinahe-Ertrinken, Entzündungen, Sepsis

Symptome

  • Variabel
    • Je nach Art und Schweregrad des Lungenödems
    • Je nach Entstehungsgeschwindigkeit
  • Oft begleitet oder kaschiert von Symptomen der Lungenödem-auslösenden Ursache wie Herzinsuffizienz
  • Fließender Übergang von Symptomen der Lungenstauung bzw. des interstitiellen Lungenödems in diejenigen des alveolären Lungenödems
  • Frühsymptome eines milden Lungenödems (Anzeichen einer Lungenstauung)
    • Verminderte Leistungsfähigkeit
    • Leichtgradige, v. a. bei Anstrengung auftretende Tachypnoe
    • Verlängerte Erholungszeit
    • Evtl. nächtliche Ruhelosigkeit
    • Häufig Aufsuchen von Liegeplätzen in Fensternähe, bei offen stehender Tür oder in Kühle
  • Fortgeschrittene Stadien
    • Kurzatmigkeit
    • Spontaner, kraftloser, feuchter Husten mit Räuspern und Abschlucken oder Herauswürgen von Schleim
      • Z. B. morgens auftretend oder durch Druck auf Trachea bzw. Thoraxperkussion leicht auslösbar
      • Besitzer beschreibt: „Herauswürgen von erbrochenem Schleim“
  • Nach Übertreten von Flüssigkeit vom Interstitium in Alveolen und Bronchien (allmählich oder schlagartig (paroxysmal))
    • Hochgradige Tachypnoe
    • Gemischte Ruhedyspnoe
    • Ängstlicher Blick
    • Gestaute oder livide, evtl. zyanotische Schleimhäute
    • Kraftloser bis röchelnder (feuchter) Husten mit Auswurf von seröser Flüssigkeit oder rosa verfärbtem, feinblasigem Schaum
      • In extremis auch aus Nase austretend
    • Sekundäre Anzeichen einer schweren Atemnot
      • Kaudalwärtsziehen der Mundwinkel
      • Maulatmung
      • Backenblasen
      • Sternallage oder Verharren im Stehen oder Sitzen mit abduzierten Ellenbogen (Orthopnoe) bis zum Umfallen vor Erschöpfung
  • Auskultation
    • Verstärktes Vesikuläratmen
    • Selten Giemen
    • Nach Übertreten von Flüssigkeit vom Interstitium in Alveolen und Bronchien (allmählich oder schlagartig [paroxysmal])
      • Fein- bis grobblasige Atemgeräusche über ganzem Lungenfeld
  • Zusätzlichen Symptome abhängig von Grundkrankheit
    • Bei manifester Links- oder Globalherzinsuffizienz
      • Tachykardie
      • Pulsabnormitäten
      • Und/oder Herzarrhythmien
      • Evtl. Herzgeräusche und abnorme Herztöne
  • Reexpansionslungenödem
    • Atemnotsymptome innerhalb von Minuten oder bis zu einigen Std. nach forcierter Lungenlappenexpansion
    • Bei intubierten Hunden evtl. kurz nach Reexpansion rötlich gefärbter Schaum im Tracheotubus erkennbar
    • Rasch fortschreitende Verschlechterung des Zustandes bis zum Tod durch Herzstillstand möglich

 

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