Leptospirose (Stuttgarter Hundeseuche, Weil-Krankheit) beim Hund

Definition, Ätiologie, Epidemiologie

Erreger

  • weltweit vorkommend
  • v.a. Leptospira kirschneri
  • pos. AK-Nachweis bei symptomlosen Hunden → subklinische Infektion
  • Persistenz in Wildtieren
  • Ausscheidung im Urin
  • Klassische Hundeleptospirose (Stuttgarter Hundeseuche):
    • L. canicola
    • Hauptwirt: Hund
  • Weil-Krankheit:
    • Serovar Icterohaemorrhagiae
    • Hund Nebenwirt
    • Ratte Hauptwirt

Hauptwirte

  • hochempfänglich für Infektion
  • eher milder Krankheitsverlauf
  • können Leptospiren über Mo. bis J. im Harn ausscheiden

Nebenwirte

  • erkranken schwer
  • scheiden die Leptospiren nur kurz aus

Tenazität

  • Hoch in stehenden Gewässern mit neutralem oder leicht basischem pH
  • Optimal: Temperaturen von 0–25 °C
  • → häufig Infektionen im Spätsommer und Herbst, positive Korrelation der Erkrankungshäufigkeit mit der Niederschlagsmenge.
  • außerhalb des Organismus: keine Vermehrung

Pathogenese

Direkte Übertragung

  • durch Kontakt mit Urin
  • bei der Paarung
  • transplazentar
  • über Bisswunden
  • Hautläsionen
  • Aufnahme von infiziertem Gewebe

Indirekte Übertragung

  • über eine urinkontaminierte Umwelt (Gewässer, Erdreich, Futter, Schlafstelle)

Nach Infektion

  • hohen AK-Titer → Elimination,
  • zu niedrige AK-Titer → evtl. Persistenz in Nieren → Ausscheidung mit dem Urin
  • fehlende AK →
    • ca. 7-tägige Inkubationszeit (abhängig vom Immunstatus und Serovar)
    • Leptospirämie → Besiedlung und Leptospiren-Vermehrung, z. B. in
      • Nieren
      • Leber,
      • Milz
      • ZNS
      • Augen
      • Genitaltrakt
    • Leptospiren-Toxine →
      • Vaskulitis
      • Diathesen
      • Petechien
      • Ödeme
    • Evtl. DIC
    • Evtl. hämolytische Anämie

Nieren:

  • Vermehrung in den Tubuluszellen (vor neutralisierenden Antikörpern geschützt) →
  • Nierenschwellung →
  • Minderdurchblutung →
  • verminderte glomeruläre Filtrationsrate →
  • evtl. Oligurie oder Anurie
  • Rekonvaleszenten → chronische Ausscheider über Monate bis Jahre

Leber:

  • V.a. junge Hunde (< 6 Mo.)
  • Toxine → Leberzellschädigung mit Nekrosen →
  • Leberfibrose bei chron. Verlauf
  • Persistenz mit chronischer Entzündungsreaktion

Lunge:

  • Lungenblutungen (sog. severe pulmonary hemorrhage syndrome)
  • bei Hyperhydratation → Lungenödem

Anamnese

  • Impfanamnese
  • Angaben zur Haltung
  • Angaben zu Hunde-, Nutztier-, Wildschwein-, Nager- sowie Gewässerkontakten

Symptome

  • Verlauf
    • vermutlich oft subklinisch.
    • Perakuter Verlauf: Schock → Tod
    • Akuter Verlauf: Leber- und/oder Nierenversagens und Gerinnungsstörungen
  • Symptome:
    • Apathie (100 %)
    • Anorexie (84 %)
    • Vomitus (72 %)
    • Dyspnoe/Tachypnoe (62 % initial oder im Verlauf)
    • Diarrhoe (50 %),
    • schmerzhaftem Abdomen (36 %)
    • verzögerter kapillärer Füllungszeit (12 %)
    • blassen Schleimhäuten (10 %)
    • Ikterus (10 %)
    • steifem Gang (8 %)
    • Fieber (8 %)
    • Polyurie/Polydipsie (8 %)
    • Hypothermie (6 %)
    • hochgradige Dehydratation (6 %)
    • selten:
      • Meningitis
      • Uveitis
      • Myositis
      • myokardiale Schädigung
      • Abort
      • Infertilität
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