Legenot (Dystokie)

Autor(en): P. Kölle

Da geschlechtsreife weibliche Tiere sich während des Großteils der Aktivitätsperiode in der reproduktiven Phase befinden, sind beschalte Eier bei Röntgenaufnahmen kein seltener Befund. Sie rechtfertigen nicht automatisch einen tierärztlichen Eingriff. 

Beschalte Eier in der Leibeshöhle ohne klinische Anzeichen einer Erkrankung sind kein Grund für tierärztliche Maßnahmen! 

Legenot kommt gleichermaßen bei Landund Wasser-/Sumpfschildkröten vor. Sie kann auch bei solitär lebenden weiblichen Schildkröten auftreten und auch bei solchen, die jahrelang zuvor keine Eier gelegt haben. Die Gründe für eine Legenot sind vielgestaltig: 

  • deformierte oder zu große Eier,
  • Stresseinwirkung (z. B. Männchen, die die Weibchen dauernd bedrängen, Besitzer, der das Tier permanent untersucht, zu wenig Eiablageplätze für die Anzahl der vorhandenen Weibchen, intraspezifische Aggression, etc.),
  • kein geeigneter Eiablageplatz (Landschildkröte freilaufend in der Wohnung, Wasserschildkröte ohne Grabemöglichkeiten auf dem Landteil, zu niedrige Temperatur, etc.),
  • zu niedrige Haltungstemperaturen,
  • organische Ursachen wie Kalziummangel, Blasensteine, Obstipationen oder Salpingitis. Auch Lebererkrankungen sind oft assoziiert mit Legenot, der kausale Zusammenhang ist unbekannt,
  • im Rahmen von Allgemeinerkrankungen,
  • ein Sonderfall sind Eier, die in die Harnblase geraten sind. Dies passiert nicht selten nach Oxytozin-Injektionen.  

Legenot kann auch bei weiblichen Schildkröten auftreten, die ohne Männchen gehalten werden! 

Klinik und Diagnose 

Das klinische Bild ist meist unspezifisch und kann Symptome wie Inappetenz und Grabeversuche bei zunächst starker Unruhe und großem Bewegungsdrang, gefolgt von Apathie, umfassen. Zu beobachten sind auch fehlender Urin- oder Kotabsatz, eine unphysiologische Haltung der Hintergliedmaßen und übel riechender Ausfluss aus der Kloake. Manchmal ist auch Gewebe aus der Kloake vorgefallen. Die Palpation der Eier ist in vielen Fällen von außen und bei entsprechend großen Tieren auch über die Kloake möglich; ebenso kann die Position (Eileiter? Harnblase?) lokalisiert werden. Hilfreich sind Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen. Bei chronischer Legenot können die Eischalen sehr stark kalzifiziert sein. 

Therapie 

Wenn fest steht, dass die Legenot nicht aufgrund eines zu großen oder deformierten Eies besteht, sollte auf jeden Fall ein passender Eiablageplatz angeboten werden und das Tier in Ruhe gelassen werden; es kann erst Kalzium, dann 2–3h später Oxytozin gegeben werden. Da die meisten vorgestellten Landschildkröten mit Legenot dehydriert sind, sollte auch eine Infusion, ggf. mit Glukose, gegeben werden. Eine Verbesserung der Wirkung von Oxytozin soll durch Kombinationmit einem Betablocker (Atenolol) erreicht werden können. 

Ein 20-minütiges Bad in handwarmem Wasser wirkt förderlich auf die Eiablage. Sollte dies nicht innerhalb von 24 h zum Erfolg führen und ist eine weitere Verschlechterung des Allgemeinbefindens zu erwarten, ist eine zügige chirurgische Entfernung der Eiermittels Zöliotomie anzuraten. Wenn ein Ei relativ weit hinten liegt und von der Kloake aus sichtbar ist, kann das Ei punktiert und von der Kloake aus entfernt werden. Bei einer länger als wenige Tage bestehenden Legenot ist das Narkoserisiko nicht zuletzt wegen der meist vorliegenden Lebererkrankung und des schlechten Allgemeinzustandes relativ hoch. 

Quelle: P. Kölle, Die Schildkröte, Heimtier und Patient, ISBN: 9783830410669, 2008, S. 177-178

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