Kokzidiose

Autorin: Anja Ewringmann

Ätiologie & Pathogenese

Ein Befall mit Kokzidien führt zu Störungen des Darmmilieus, sodass sekundär ein Wachstum von Hefepilzen und auch pathogenen Bakterien (v. a. Clostridien und E. coli) begünstigt wird. Es existieren 9 verschiedene, für das Kaninchen spezifische Kokzidienarten (Eimeria spp.). Eine Infektion kann durch kontaminiertes Grünfutter von Wiesen erfolgen, zu denen auch Wildkaninchen Zugang haben. Die Parasiten werden meist bereits von der Mutter auf die Jungtiere übertragen und sind in Kaninchenzuchtbeständen weit verbreitet. Erschwerend kommt hinzu, dass in diesen Beständen oftmals keine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Heu stattfindet, sodass die Ausbildung einer stabilen Darmflora ausbleibt. Stattdessen erhalten die Tiere vorwiegend pelletiertes Futter mit überhöhten Eiweiß- und Energiegehalten. Durch Transporte und wechselnde Umgebungen (Züchter → Zoofachhandlung → neuer Besitzer) werden die Kaninchen Stress ausgesetzt, der das Immunsystem schädigt und einen Ausbruch von Erkrankungssymptomen unterstützt.

Klinik 

Kokzidienbefall führt zu katarrhalischer, teils auch diphtheroider Enteritis, die mit ausgeprägter Zottenatrophie einhergeht (Leberkokzidose). 

Die Schwere der klinischen Erscheinungen wird nicht ausschließlich durch den Parasitenbefall, sondern v. a. durch bakterielle Sekundärinfektionen bestimmt! 

Bereits ein leicht aufgetriebenes Abdomen, hervorgerufen durch vermehrte Gasbildung im Zäkum, kann bei Jungtieren Anzeichen für eine latente Kokzidiose sein. Bei manifester Erkrankung leiden die Tiere unter breiigen bis wässrigen Durchfällen, haben ein durch Tympanien angespanntes, pralles Abdomen und werden zunehmend matt und inappetent. Fortschreitende Exsikkose und Septikämien durch bakterielle Sekundärinfektion führen nicht selten zum Tod. Kokzidiosen können sich jedoch auch in Form chronischer Verdauungsstörungen äußern. So ist ein latenter Kokzidienbefall oft die Ursache für rezidivierende Hefedurchfälle. Auch Obstipationen können mit einer Kokzidieninfektion in Zusammenhang stehen. 

Bei neu erworbenen Jungtieren sollten stets Kotuntersuchungen auf Kokzidien durchgeführt werden! 

Diagnose 

Die Parasiten können bei klinisch erkrankten Kaninchen meist bereits in ungefärbten Nativausstrichen nachgewiesen werden (siehe Abb. 1a, 1b). Im Zweifelsfall wird eine zusätzliche parasitologische Untersuchung (Flotationsverfahren) angeschlossen. Kokzidienoozysten werden intermittierend ausgeschieden, sodass die Untersuchung von Sammelkotproben angezeigt sein kann. Dies gilt insbesondere für Tiere, die noch keine klinischen Symptome aufweisen. Neben Kokzidienoozysten lassen sich in Nativpräparaten in der Regel auch Hefen nachweisen, die sich im veränderten Darmmilieu explosionsartig vermehren. 

Abb: Kokzidienoozysten (Nativausstrich, 400-fache Vergrößerung) 

Abb. 1a: Unsporulierte Oozyste 

Abb. 1b: Sporulierte Oozysten 

 

Therapie 

Kokzidien weisen gegenüber Sulfonamid-Präparaten mittlerweile weitreichende Resistenzen auf. Mittel der Wahl zur Behandlung der Kokzidiose
ist Toltrazuril (Baycox ®), das nach dem Schema 3 Tage Behandlung – 3 Tage Pause – 3 Tage Behandlung eingesetzt wird. Bestehen bereits klinisch manifeste Durchfälle, müssen die Tiere zusätzlich mit einem Antibiotikum versorgt werden. Auch Hefen müssen medikamentell behandelt und eine unterstützende symptomatische Therapie durchgeführt werden. 

Therapie der Kokzidiose 

  • Toltrazuril (Baycox ®), 1 × tägl. 10 mg/kg, Behandlungsschema 3–3–3
  • ggf. Antibiotikumggf. Antimykotikum
  • allgemein unterstützende Durchfalltherapie  

Prognose 

Die Prognose bei klinisch manifester Kokzidiose ist immer vorsichtig zu beurteilen. Septikämien können innerhalb weniger Stunden zum Tod des Tieres führen. Besonders schlecht – aber nicht aussichtslos – ist die Prognose bei Kaninchen, die bereits die Futteraufnahme eingestellt haben. Sie sind als Intensivpatienten zu behandeln und müssen besonders sorgfältig betreut werden. Dabei kommt einer ständigen und ausreichenden Flüssigkeitssubstitution, Zwangsfütterung und Stabilisierung der Darmflora eine besondere Bedeutung zu. 

Prophylaxe 

Eine Kokzidieninfektion von Heimtierkaninchen kann durch verschiedene Maßnahmen verhindert werden. Neue Partnertiere sollten vor einer Vergesellschaftung auf Kokzidien untersucht werden. Zudem sollte kein Frischfutter von Grünflächen verfüttert werden, zu denen auch Wildkaninchen Zugang haben. Bei Außenhaltung ist ein direkter Kontakt mit Wildkaninchen zu vermeiden. 

Quelle: A. Ewringmann, Leitsymptome beim Kaninchen, Diagnostischer Leitfaden und Therapie, ISBN: 9783830410904, 2. Aufl., überarb. 2010, S. 46-47

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