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Insulintherapie bei der Katze – Tipps für die richtige Insulindosis

Seitdem Insulin zum ersten Mal im Jahr 1921 durch Banting und Best aus den Langerhans-Inseln eines Hundes extrahiert wurde, sind schon fast 100 Jahre vergangen. Verschiedene Insulinpräparate stehen heutzutage zur Diabetes-Behandlung des Menschen zur Verfügung, aber nur 2 Präparate sind für die Katze zugelassen.

Welche Insulinarten gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Insuline werden anhand ihrer Wirkdauer als kurz wirkende Normalinsuline, Intermediärinsuline, Langzeitinsuline (beim Menschen auch als „Basalinsuline“ bekannt) und sog. Mischinsuline, die aus einer Mischung (in verschiedenen Verhältnissen) von kurz und lang wirkendem Insulin bestehen, klassifiziert. Mischinsuline werden bei der Katze nicht verwendet und sind hier daher nicht weiter beschrieben. Informationen zu Normalinsulinen, die zur Behandlung der diabetischen Ketoazidose gebraucht werden, sind anderen Literaturquellen zu entnehmen.

Die allgemeine Regel ist, dass Insulin-Präparate mit kürzerer Wirkdauer potenter sind, d. h. der Wirkungseintritt ist schneller und der Glukosespiegel wird tiefer gesenkt im Vergleich zu Intermediär- und Langzeitinsulinen. Die längere Wirkdauer von Intermediär- und Langzeitinsulinen wird in der Regel durch eine verlangsamte Absorption aus dem subkutanen Gewebe erreicht. Um dies zu gewährleisten, werden entweder inerte Stoffe wie Protamin und Zink zugefügt oder Modifikationen des Insulinmoleküls vorgenommen. Das Insulinanalogon Detemir wird zusätzlich an Albumin gebunden, das die Halbwertszeit dieses Insulins verlängert.

Welche Insulinpräparate stehen zur Verfügung?
Caninsulin® und ProZinc®

Zwei Insulinpräparate sind für die Behandlung des Diabetes bei der Katze zugelassen – Caninsulin® (MSD Tiergesundheit) und ProZinc® (Boehringer Ingelheim):

  • Caninsulin®, ein porcines Lente-Insulin, weist bei der Katze eine intermediäre Wirkdauer auf.
  • ProZinc®, ein humanes rekombinantes Protamin-Zink-Insulin, ist ein Langzeitinsulin.

Obwohl die aktuellen Leitlinien zur Behandlung des Diabetes der Katze den Einsatz von Langzeitinsulinen als Mittel der 1. Wahl empfehlen und ProZinc® das einzige zugelassene Langzeitinsulin-Präparat ist, besteht rechtlich und medizinisch kein Grund, Katzen, die mit Caninsulin® gut eingestellt sind, auf ProZinc® umzustellen.

Glargin und Detemir

Vor der Einführung von ProZinc® wurden von vielen Tierärzten die nicht zugelassenen humanmedizinischen Insulinanaloga Glargin und Detemir eingesetzt. Die Rechtfertigung für deren Umwidmung und den Einsatz als Erstlinientherapie in der Vergangenheit war, dass keine zugelassenen tiermedizinischen Langzeitinsuline verfügbar waren. Zudem haben die oben angegebenen Leitlinien für die Behandlung des Katzendiabetes eindeutig Langzeitinsuline gegenüber dem zugelassenen intermediären Lente-Insulin (Caninsulin®) vorgezogen. Die Empfehlung der Leitlinien war durch Expertenmeinung und einige Studien belegt. Da aber momentan ein für die Katze zugelassenes Langzeitinsulin vorhanden ist und eine aktuelle klinische Studie gezeigt hat, dass es keinen Unterschied zwischen Insulin Glargin und ProZinc® in Bezug auf die glykämischen Parameter oder Remissionsraten gibt, besteht auch medizinisch kein Grund mehr, Insulin Glargin als Erstlinientherapie anzuwenden.

Einige pharmakologische Fakten

Die Eigenschaften der Insulinpräparate, inklusive der nicht zugelassenen Insulinanaloga, sind in der aufgelistet. Auf die pharmakologischen Daten zur Wirkdauer wird in diesem Artikel verzichtet, da diese lediglich bei einer kleinen Anzahl gesunder Katzen und nur selten bei diabetischen Katzen untersucht worden sind. Zudem wurden in den Studien verschiedene Methoden angewandt, was einen Vergleich der Daten erschwert. Obwohl in manchen Studien Glargin und Protamin-Zink-Insulin eine Wirkdauer von fast 24 Stunden hatten und daher potenziell 1-mal täglich eingesetzt werden könnten, ist dies bei den klinischen Patienten nur sehr selten der Fall. Die Studien mit der Goldstandard-Methode (euglykämische Clamp) konnten weder für Glargin noch für Detemir diese lange Wirkdauer bestätigen.

Im Praxisalltag sind die Angaben aus den pharmakologischen Studien leider nur wenig hilfreich, da das Ansprechen auf die Insulintherapie, Insulin-Wirkungseintritt, Nadir sowie die Wirkdauer von Katze zu Katze unterschiedlich sind und auch für das individuelle Tier von Tag zu Tag variieren können.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Insulintherapie bei der Katze – Tipps für die richtige Insulindosis

Aus der Zeitschrift: kleintier konkret 06/2018

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