Immunbedingte hämolytische Anämien beim Hund

Definition

  • häufigste hämolytische Anämie
  • bei Hunden jeden Alters
  • Antikörper gegen die eigenen Erythrozyten verkürzen deren Lebensdauer
  • Entstehung der Antikörper aufgrund
    • Immundysregulation
    • Kreuzreaktivität
  • pathophysiologische Einteilung
    • primäre immunbedingte hämolytische Anämie  = AIHA)
      • idiopathische Bildung von Autoantikörpern
      • Antikörper gegen unveränderte Erythrozytenmembranen
      • Ausschlussdiagnose
    • sekundäre immunbedingte hämolytische Anämie
      • Antikörperproduktion nach Stimulus
        • akute oder chronische bakterielle Infektionen, z. B.
          • Ehrlichiose
          • Anaplasmose
          • Sepsis
          • Pyometra
          • Prostatitis
          • Abszesse
          • Diskospondylitis
          • Hämoplasmose
          • Leptospirose
          • Salmonellose
        • virale und parasitäre Erkrankungen, z. B.
          • Babesiose
          • Leishmaniose
          • Dirofilariose
        • lympho- und myeloproliferative Neoplasien (z. B. Lymphom)
        • andere Tumoren
        • Medikamente, z. B.
          • Sulfonamide
          • Antikonvulsiva
        • Vakzinierung
        • inkompatible Bluttransfusionen
      • vermehrtes Auftreten innerhalb des ersten Monats nach Impfung
  • Zerstörung der Erythrozyten erfolgt durch
    • igG oder/und IgM
    • Komplement
    • Phagozytose im mononukleären Phagozytosesystem
  • Vorkommen der idiopathischen immunbedingten hämolytischen Anämie gehäuft bei, z. B.
    • Cockerspaniel
    • Irish Setter
    • Bobtail
    • Dackel
    • etwas häufiger bei Hündinnen

Pathophysiologie

  • Zerstörung der Erythrozyten durch
    • Autoagglutinine
      • IgM oder IgG in hoher Zahl
      • agglutinieren Erythrozyten in phys. NaCl-Lösung
    • Hämolysine
      • IgM
      • IgG
    • sog. inkomplette warme Antikörper
      • IgG
      • seltener IgM
      • Komplement
      • Agglutinieren nur nach Zugabe von Coombs-Reagenz
  • schwerste Symptome bei immunbedingten hämolytische Anämien mit Autoagglutininen oder Hämolysinen
  • in den meisten Fällen handelt es sich um inkomplette Wärmeantikörper (reagieren bei 37°C)
    • Antikörper haften an Erythrozyten
    • bewirken Bindung und Aktivierung von Komplement
      • massive Komplementaktivierung bewirkt intravaskuläre Hämolyse (selten)
      • geringere Komplementaktivierung verursacht extravaskuläre Hämolyse durch das Makrophagensystem
        • vorwiegend in Milz
        • aber auch Leber und
        • Knochenmark
  • Zerstörung IgG-beladenen Erythrozyten ohne Komplementaktivierung
    • Gewebemakrophagen exprimieren Rezeptoren
    • Rezeptoren erkennen den Fc-Anteil des IgG-Moleküls
    • Phagozytose von Erythrozyten
      • entweder vollständig oder
      • Teile der Membran (Sphärozytenbildung)
  • Zerstörung IgM-beladener Erythrozyten durch Komplement
  • Kälteantikörper (Reaktion bei 4 °C)
    • sehr selten
    • führen bei niedrigen Temperaturen zu
      • Zyanose und Nekrose
      • an Extremitäten und Ohren (Kälteagglutinine-IgM)
      • oder zu Hämolyse (nichtagglutinierende Kälteantikörper-IgM)
  • Antikörper auch gegen Erythrozyten-Vorläufer im Knochenmark
    • kleiner Anteil der Fälle
    • Verursachung einer nichtregenerative Anämie

Symptome

  • variieren je nach involvierter Antikörperklasse und Schweregrad der Hämolyse
  • Symptome der Anämie
    • blasse Schleimhäute
    • Schwäche
  • weitere Symptome
    • Anorexie
    • Pigmenturie
      • Bilirubinurie
      • Hämoglobinurie
    • Ikterus
    • Erbrechen
    • Durchfall
    • Fieber
    • Splenomegalie
    • seltener Hepatomegalie
    • evtl. Symptome einer Grundkrankheit
  • bei Kälteantikörpern
    • Zyanose und Nekrose an den Extremitäten
    • ohne Anämie
    • in der kalten Jahreszeit
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