Hepatitis contagiosa canis (HCC) beim Hund

Definition

  • Erreger: canines Adenovirus Typ 1 (CAV-1)
  • große Affinität zu Gefäßendothelien
  • gute Durchimpfung in vielen Ländern → akute fulminante Infektionen eher selten
  • seit einiger Zeit wieder vermehrt Fälle mit HCC
  • Beteiligung von CAV-1 an der relativ häufig auftretenden chron. Hepatitis
    • noch unklar
    • Vermutung: chronische Entzündungen, die zu Leberfibrose, -zirrhose führen, könnten Folge einer klinisch inapparenten CAV-1-Infektion sein
  • CAV-2
    • ist antigenetisch eng verwandt
    • kann Laryngotracheitis hervorrufen
    • ist am Zwingerhusten-Komplex beteiligt

Ätiologie und Pathogenese

  • oronasale Aufnahme
  • Vermehrung in den Tonsillen und regionalen Lymphknoten
  • Inkubationszeit: ca. 2–5 Tg.
  • ab dem 4. Tg.:
    • 4–8 Tg. dauernde Virämie
    • → Fieber, Besiedlung von Endothelzellen verschiedener Organe, v. a. Hepatozyten
  • zytotoxische Effekte während der Vermehrung → Zerstörung der infizierten Zellen → Organschädigung
  • Ausscheidung:
    • ab dem 5. Tg.: Virusausscheidung über Speichel, Harn und Fäzes
    • im Harn > 6 Mo.
    • inapparent infizierte Hunde können Dauerausscheider sein
  • Tenazität:
    • bei Raumtemperatur mehrere Tage bis Wochen
    • bei < 4 °C in der Umwelt sogar mehrere Monate infektiös
    • Desinfektion:
      • Abdampfen (Erhitzung auf 50–60 °C für 5 min), Chlorkalk 5 %, Natriumhydroxid, Aldehyde oder Iodpräparate
      • Formalin oder Phenole sind nur schwach wirksam

Symptome

Allgemein

  • klinische Erkrankungen:
    • am häufigsten Hunde unter einem Jahr
    • ungeimpfte Tiere jeden Alters
  • Verlauf: stumm, perakut, akut, subakut oder chronisch
  • Großteil der Hunde bildet Antikörper gegen CAV-1, ohne zu erkranken
  • bei Erkrankung: Symptome einer akuten Hepatopathie
    • Fieber
    • Apathie
    • Anorexie
    • Erbrechen
    • Durchfall
    • Schmerzen im kranialen Abdomen
    • ev. Ikterus
  • Virusvermehrung in den Endothelzellen →
    • Vaskulitis
    • petechiale Blutungen
    • Verbrauchskoagulopathie (disseminierte intravasale Gerinnung, DIC)
    • nicht selten Phänomen des Multiorganversagens (MODS)

Perakuter Verlauf:

  • vorwiegend bei jungen, ungeimpften Hunden
  • innerhalb weniger Stunden kann es infolge von DIC zum Tod kommen
  • Besitzer bemerkt oft keine Symptome → vermutet Unfall oder Vergiftung wg. Spontanblutungen

Akuter Verlauf:

  • Fieber und Allgemeinstörungen
  • Erbrechen und Durchfall
  • abdominaler Palpationsschmerz
  • Vergrößerung der Lymphknoten, Milz und Leber
  • infolge Vaskulitis → subkutane Ödeme an Kopf, Hals und Unterbrust
  • Haut und Schleimhäute: Petechien und Ekchymosen
  • Blutungen in der Maulhöhle, in die vordere Augenkammer und in Körperhöhlen
  • blutiger Aszites
  • in schweren Fällen: neurologische Störungen
    • als Ausdruck einer Hepatoenzephalopathie
    • oder durch direkte virale Infektion des ZNS

Subakuter Verlauf:

  • Fieber und milde Allgemeinsymptome mit
    • leichtgradigem Durchfall
    • Erbrechen
    • Palpationsschmerz im vorderen Abdomen
    • evtl. Uveitis
  • etwa 7 Tg. nach der Infektion:
    • bei einigen Patienten Hornhautödem, das die Hornhaut blaugrau und getrübt (blue eye) erscheinen lässt
    • evtl. kombiniert mit Uveitis anterior
    • Ursache: immunmediierte Reaktion, mit Ablagerung von Immunkomplexen
  • spontane Besserung meist innerhalb von Wo.

Chronischer Verlauf:

  • bei ungenügender Antikörperbildung → Viruspersistenz in der Leber → immunmediierte Mechanismen führen zur chronischen Hepatitis
  • Folgen:
    • Leberfibrose und evtl. –zirrhose
    • portale Hypertension mit Aszites
    • Ikterus
    • evtl. hepatoenzephales Syndrom
  • in der akuten Phase: Virus in der Niere nachweisbar →
    • glomeruläre Schädigung mit kurzzeitiger Proteinurie
    • milde interstitielle Nephritis
    • kein Hinweis, dass chronisch-progressive Nierenerkrankung Folge einer HCC ist

Labordiagnostische Befunde:

  • hämatologische Veränderungen:
    • früh: Leukopenie mit Neutropenie und Lymphopenie
    • im späteren Verlauf: Leukozytose (Neutrophilie, Lymphozytose)
  • Veränderungen der Leberenzyme (ALT-, AST-, ALP-Erhöhung) abhängig vom Untersuchungszeitpunkt und vom Ausmaß der Leberzellnekrose
  • Hyperbilirubinämie nicht in jedem Fall
  • Veränderungen, die auf eine DIC hinweisen, v.a. in der virämischen Phase
    • Thrombozytopenie
    • Verlängerung der Gerinnungsparameter (PT, aPTT, ACT)

 

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