Ernährung bei Schilddrüsenimbalancen

Die Schilddrüsenaktivität und die Wirkung von Schilddrüsenhormonen kann durch angepasste Ernährung günstig beeinflusst werden. Eine nicht bedarfsgerechte Ernährung führt zu einer Verschiebung der Schilddrüsenhormone. Bei hungernden Tieren wird die Umwandlung von Thyroxin (T 4) in Trijodthyronin (T 3) verhindert. Der Glukosemangel hemmt die Umwandlung, während kohlenhydratreiche Nahrung oder auch Überernährung die Umwandlung fördert. Eiweißmangel bewirkt eine Senkung der Thyroxin-Bildung, Futter mit einem hohem Eiweißgehalt fördert eine Erhöhung der Thyroxin-Freisetzung.


Spurenelemente: Selen, Zink, Eisen, Jod
Selen als Bestandteil diverser Enzyme hat ebenfalls eine wichtige Funktion im Schilddrüsenstoffwechsel, sowohl bei der Umwandlung von T 4 in T 3 als auch als Antioxidationsmittel in der Schilddrüse. Selenmangel führt zu erhöhten Thyreotropin- (TSH-) und T 4-Konzentrationen und zu erniedrigten T 3-Konzentrationen im Blut, da die Umwandlung von T 4 in T 3 behindert wird.
Zink- und Eisenmangel führen ebenfalls zu erniedrigten T 3-Werten. Eine Überversorgung mit Zink kann eventuell eine Schilddrüsenüberfunktion provozieren und Tiere mit einer Schilddrüsenunterfunktion können eine verminderte Eisenaufnahme über den Darm aufweisen. Deshalb sollte Eisen z. B. in Form von Leber, Milz, Lunge, Sesam, Kürbiskernen, Kleie und grünem Gemüse in ausreichender Menge zugeführt werden.
Die Aufnahme von Jod kann die Schilddrüsenfunktion hemmen. Verschiedene Substanzen, z. B. Thiocyanat und Perchlorat-Ionen, die sich u. a. in verschiedenen Kohlarten, Maniok, Bohnen und Erdnüssen finden, können wiederum die Jodaufnahme in die Schilddrüse behindern. Die Aufnahme von Jod ist auch von der Konzentration von Jod im Plasma abhängig: Je höher die Konzentration ist, desto mehr Jod wird in die Schilddrüse aufgenommen und umgekehrt. Auch eine erhöhte Nitrat- Aufnahme mit dem Trinkwasser oder der Nahrung behindert den Transport von Jod in die Schilddrüse.
Ernährung bei Verabreichung von Schilddrüsenhormonen

Bei der Verabreichung von Schilddrüsenhormonen sind aus ernährungsphysiologischer Sicht folgende Zusammenhänge zu beachten: Kalzium absorbiert Schilddrüsenhormone, deshalb sollte mindestens eine halbe Stunde zwischen der Fütterung und der Tablettengabe liegen. Bei einer zu kalziumreichen Fütterung wird die Jodaufnahme in die Schilddrüse vermindert und das kann zu einer jodmangelbedingten Schilddrüsenunterfunktion führen. Eine Umstellung auf kalziumärmeres Futter kann – ergänzend zur Tablettengabe – notwendig sein.

Futtermittel mit einem hohen Eiweißgehalt bewirken eine Erhöhung der Sekretionsrate, ein Eiweißmangel hingegen führt zu einer Senkung der Thyroxinrate. Hunde mit einer Schilddrüsenunterfunktion können einen niedrigeren Proteinbedarf aufweisen und sollten daher bei Schilddrüsensubstitution generell eiweißarm, aber mit hochwertigem Eiweiß ernährt werden. Jod ist in gleichbleibender Menge zuzuführen, denn Schwankungen nach oben und unten können zu einer zeitweisen Schilddrüsenunterfunktion führen.
Bei Verfütterung von rohem Schlund mit anhaftenden Schilddrüsenresten wird eine große Menge an Schilddrüsenhormonen und Jod aufgenommen. Diese Überdosisreaktion kann im positiven aber auch im negativen Sinne Auswirkungen auf das Verhalten von Hunden haben.

Quelle: Bolbecher G., Gajdoss S. Ernährung und Verhalten. In: Bolbecher G, Zurr D (Hrsg). Ganzheitliche Verhaltenstherapie bei Hund und Katze, 2. Auflage. Stuttgart: Sonntag Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart, 2014: 254 - 255

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