Eosinophiler Granulomkomplex

Autor: M. Eickhoff

Zum Komplex des eosinophilen Granuloms der Katze zählen neben Hautveränderungen auch orale Manifestationen, die sich als Ulcera oder Granulome präsentieren.

Ursachen 

Die Ursache des eosinophilen Granulomkomplexes der Katze bleibt bis dato im Dunkeln. Spekulativ werden 

  • ein allergisches Geschehen,
  • autoimmune Komponenten,
  • virale, bakterielle und mykotische Infektionen,
  • Traumata sowie
  • hereditäre Einflüsse  

in ätiologische Überlegungen einbezogen.  

Befunde 

Beim eosinophilen Granulomkomplex der Katze finden sich in der Mundhöhle vor allem Ulcera der Oberlippe sowie Granulome verschiedener Mundschleimhäute. 

Ulcera der Oberlippe sind meist nah der Medianen lokalisiert; sie können einseitig oder bilateral symmetrisch auftreten. Die Lefzenschleimhaut der Oberkiefercanini ist häufig mitbetroffen. Die Oberlippe ist verdickt, die vestibuläre Schleimhaut durch eine scharf umschriebene, rötliche bis gelbe Ulzeration gekennzeichnet. Weder Schmerzhaftigkeit, Juckreiz noch putride Exsudation sind vorhanden. Andere Regionen der Mundhöhle sind seltener betroffen. 

(Lineare) Granulome finden sich vor allem auf Zunge (Abb. 1) und Gaumen (Abb. 2), jedoch kann jede weitere Lokalisation betroffen sein. Die Veränderungen treten zumeist multipel auf, sind erhaben, derb, und besitzen häufig eine papillomatöse Oberfläche mit weißen Arealen. Im Gegensatz zu den schmerzlosen Ulcera sind die Tiere durch die Granulome in der Futteraufnahme meist stark beeinträchtigt (Abb. 3). 

Abb. 1: Eosinophiles Granulom am Zungenrand mit Verlust der Papillae filiformes. 

Abb. 2: Eosinophiles Granulom am Gaumen mit deutlichen entzündlichen Begleiterscheinungen, welche die Nahrungspassage nur unter Schmerzen erlauben. 

Abb. 3: Eosinophiles Granulom im Bereich des Lippenbändchens im Unterzungenraum. Folge ist eine schmerzhafte Beeinträchtigung der Zungenmobilität.  

  

Histologisch ist die namensgebende Eosinophilie betroffener Gewebe nachzuweisen. Aufgrund der Degranulation eosinophiler Granulozyten kommt es zu granulomatösen oder ulzerativen Reaktionen des umgebenden Gewebes. Neben eosinophilen Granulozyten finden sich vor allem Makrophagen und Lymphozyten. In der Nachbarschaft befindliche kollagene Fasern werden von den entzündlichen Veränderungen mitbetroffen (Abb. 4). 

Abb. 4: Histologisches Präparat eines felinen eosinophilen Granuloms (HE, x20). Um zentral degeneriertes Kollagen herum findet sich ein Wall aus Makrophagen und eosinophilen Granulozyten sowie wenig peripheres Bindegewebe. (Quelle: Seeliger, Dr. Frank, Wiss. Angestellter, Institut für Pathologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover) 

Diagnose und Behandlung  

Diagnose und BehandlungDie Diagnose des eosinophilen Granulomkomplexes der Katze erfolgt über den histopathologischen Nachweis charakteristischer granulomatöser und ulzerativer Veränderungen mit begleitender Eosinophilie. 

Im Differentialblutbild ist bei akutem Geschehen ebenfalls häufig eine Eosinophilie nachweisbar. 

! Da die Ätiologie des eosinophilen Granuloms weiterhin unklar ist, sollten bei Verdacht auf einen bestimmten Auslöser entsprechend virale, bakterielle oder mykotische Untersuchungen sowie biochemische Profile eingeleitet werden. 

Die Therapie besteht neben begleitender antibiotischer Abdeckung in der Gabe von Glukokortikoiden, z. B. Prednisolon in einer Dosis von 1–2 mg/kg zweimal täglich ausschleichend über 4–5 Wochen. Bei ausbleibendem Ansprechen kann alternativ Megestrolacetat eingesetzt werden in einer initialen Dosis von 5 mg/Tier und Tag, die über einen Zeitraum von mehreren Wochen kontinuierlich reduziert wird. Bei vielen Tieren kann eine Steigerung des Appetits beobachtet werden; daher sollte der Tierhalter das Futterangebot beschränken. Manche Tiere zeigen zunehmende Inaktivität, die sich jedoch nach Dosisreduktion in akzeptablen Bereichen bewegt. Die Entwicklung einer Endometritis sowie die Induktion eines Diabetes mellitus beim Einsatz von Megestrolacetat sind beschrieben. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen des Megestroleinsatzes sollten engmaschige Laborkontrollen erfolgen, um frühe Zeichen einer Erkrankung zu erkennen. 

! Aufgrund der Rezidivfreudigkeit werden häufig zyklische Behandlungsperioden notwendig. 

Kommt es durch die Größe der Granulome zu funktionellen Einschränkungen, so sollten die Granulome reseziert werden. 

Findet sich ein verantwortlicher Auslöser, so gilt das Hauptaugenmerk dessen Eliminierung. Hierzu zählt z. B. die genaue Untersuchung auf Vorliegen eines Fremdkörpers mit granulomatöser Reaktion umgebenden Gewebes oder auf äußere Traumata mit Entstehung eines labialen Ulcus. 

M. Eickhoff, Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bei Klein- und Heimtieren, ISBN 9783830410386, 2005, S. 218-220

 

 

 

 

 

 

 

 

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