Brachyzephalen-Atemnotsyndrom (BAOS) beim Hund

Definition

  • Partielle Obstruktion der oberen Luftwege
  • Häufig bei kurzköpfigen Hunderassen

Ätiologie/ Pathogenese

  • Wechselnde Kombinationen folgender anatomischer Abnormitäten
    • Stenose der Nasenöffnungen
    • Verengte (verkürzte) Nasengänge
    • Überlanger und hyperplastischer weicher Gaumen
    • Verkürzter Rachenraum (zu wenig Platz für Zungengrund, Gaumensegel und Tonsillen)
    • Vermehrte und verdickte Faltenbildung im Rachen (subepiglottische Mukosa, Plica aryepiglottica)
    • Abnorme Konfiguration der Conchen
  • Larynxhypoplasie (gelegentlich)
    • Unterentwickelte und zu weiche Larynxknorpel
    • Dadurch Verengung der Larynxpassage und Larynxdysfunktion
  • Tracheahypoplasie (gelegentlich)
  • In chronischen Fällen: Ausstülpung der Stimmtaschen in Larynxlumen und Trachealkollaps
    • Folge des durch Atemobstruktion hervorgerufenen erhöhten inspiratorischen Unterdruckes in Pharynx, Larynx und Trachea
  • Art und Schweregrad der Abnormitäten variabel
  • Obstruktionen tendenziell schlimmer mit zunehmendem Alter
  • Ab und zu erhöhte Prävalenz von Ösophagus-, Magen- und/oder Duodenumabnormitäten
  • Betroffene Rassen
    • Kurzköpfige Rassehunde wie Boston Terrier, Bulldoggen und Boxer
    • Rassehunde mit Tendenz zu Gewebeschlaffheit, vermehrter Faltenbildung und Rachenschleimhautverdickung (z. B. Bernhardiner)
  • Zucht von Hunden mit Brachyzephalen-Atemnotsyndrom
    • Zuchtverbot gemäß deutschem Tierschutzgesetz (Empfehlung der Sachverständigengruppe)
    • Zuchtausschluss von Hunden mit extremer Merkmalausprägung des Brachyzephalen-Atemnotsyndroms gemäß revidiertem Schweizerischen Tierschutzgesetz und Empfehlungen der FVE (Federation of Veterinarians of Europe)

Pathophysiologie

  • Schwere chronische Atemnot als systemisches Problem mit extrarespiratorischen Auswirkungen
  • Beeinträchtigung vieler Körperfunktionen durch
    • Chronischen Sauerstoffmangel
    • Große intrathorakale Druckschwankungen
    • Gesteigerte Atemarbeit
  • Auswirkungen einer massiven periodischen chronischen Atemwegobstruktion
    • Zum Teil vergleichbar mit Schlafapnoesyndrom beim Menschen
    • Nach Apnoeperioden (Mensch) auftreten von
      • Hypertonie
      • Cortisol- und Adrenalinausschüttung
      • Insulinresistenz
      • Oxidativem Stress
      • Veränderten Gefäßendothelfunktionen
      • Entzündungsreaktionen (Anstieg des C-reaktiven Proteins)
      • Oxidativem Stress

Symptome

  • Vereinzelt Symptome bereits im Welpenalter
  • Meist allmähliche Entwicklung und Verschlimmerung im Laufe der Zeit
  • Für Besitzer oft erst starke Symptome auffallend
    • Atemnot
      • Erhöhte inspiratorische Anstrengung mit Auf- und Einziehen der Abdominalwand bei gleichzeitigem starkem Anheben und Weiten des Rippenbogens
    • Geräuschvolle Atmung
    • Röhrende oder pfeifende Stenosegeräusch wie Stridor oder Stertor
    • Schnarchen (oft schon in Ruhe und bei schlafenden Hunden)
    • Würgebewegungen
    • Herauswürgen von zähem Schleim
    • In schweren Fällen Zyanose und Synkope
  • Auslösung der Symptome durch körperliche Anstrengungen, Hecheln, Aufregung
  • Verstärkung der Symptome bei schwüler Witterung

Komplikationen

  • Reizung der Schleimhäute und Erhöhung ihre Blutfülle durch
    • Vermehrten inspiratorischen Unterdruck im Pharynx
    • Erhöhte Luftgeschwindigkeit in verengten Luftwegen (v. a. Larynx)
  • Folgen
  • Glottis- und Larynxödeme
  • Chronische Entzündung mit Verdickung der Larynx- und Pharynxschleimhäute
  • Meist Entzündung, Vergrößerung und Vorfall der Tonsillen
  • Herabgesetzte Rigidität der Larynxknorpel
  • Dadurch deutliche inspiratorische Verengung, evtl. Kollaps des Larynxlumens
  • Und/oder Vorfall und sekundäre Ausstülpung der Stimmtaschen
  • Dadurch massive Behinderung der Inspiration, gefolgt von schwerer Atemnot
  • Zusätzlich Vagustonusstimulation: Würgen , Regurgitieren und Erbrechen (Förderung durch gleichzeitige Ösophagitis und Gastritis)
  • Atemnot
    • Oft lebensbedrohlich
    • Mit Zyanose
    • Kollaps und Tod durch Ersticken möglich
  • Häufige Spätkomplikationen
    • Aspirationspneumonie
    • Bronchitis
    • Herzinsuffizienz
  • Bei schwere Obstruktion der oberen Atemwege: Expansionslungenödem möglich
    • Grund: stark erhöhter inspiratorischer Unterdruck im Thorax

 

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