Atopische Dermatitis, Futtermittelallergie beim Hund

Definition

  • Futtermittelallergie
    • Immunologische Reaktion auf ein bestimmtes Protein in der Ernährung
  • Canine atopische Dermatitis
    • Genetisch prädisponierte, entzündliche und pruritische Hauterkrankung mit charakteristischen klinischen Symptomen (Definition der „International Task Force on Canine Atopic Dermatitis“)
    • Deutliche immunologische, strukturelle und klinische Ähnlichkeiten mit humaner atopischer Dermatitis

Pathogenese

  • Futtermittelallergie
    • Bei gesunden Hunden: sog. Toleranz durch Eiweißmoleküle, die durch Darmschranke in lokales Lymphsystem des Darmes gelangen
    • Bei allergischen Hunden: keine Toleranzentwicklung für bestimmte Futtermittelproteine durch genetische Veranlagung („Überspringen der Toleranz“)
      • Reaktion mit übersteigerter Immunantwort vom Soforttyp (IgE-vermittelte Typ-I-Reaktion)
      • Reaktion mit zellvermittelter Überreaktion (Typ-IV-Reaktion) auf Nahrungsbestandteile
    • Auftreten meist in ersten Lebensmonaten und –jahren, grundsätzlich aber in jedem Alter und bei jedem bisher gefüttertem Nahrungsmittel
  • Futtermittelintoleranzen
    • Individuelles Auftreten
    • Auftreten nicht vorhersagbar
    • Klinisch ähnlich den allergischen Reaktionen, aber ohne Beteiligung des Immunsystems
      • Idiosynkratische Reaktionen
      • Pharmakologische oder toxische Wirkungen von im Futter enthaltenen Bestandteilen (z. B. im Käse enthaltenes Histamin oder Methylxanthin in Schokolade)
  • Canine atopische Dermatitis
    • IgE-vermittelten Formen
      • Hohe IgE-Antikörper gegen Umweltallergene, wie Pollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern, Hausstaub- und Vorratsmilben und Schimmelpilzsporen
      • Weitere, noch nicht bekannte, für Ausbruch der Erkrankung entscheidende Faktoren (allergenspezifische IgE-Spiegel auch bei gesunden Hunden nachweisbar)
    • Nicht IgE-vermittelte, sogenannte „atopic-like“-Dermatitis
    • Ablauf der immunologischen Reaktion
      • Antigen-präsentierenden Langerhanszellen: präsentieren das Antigen/Allergen den T-Helferzellen 2 (Th2)
      • Genetisch bedingtes Fehlen von bestimmten Botenstoffen (Zytokinen)
      • Fehlende Regulation durch Treg-Zellen (regulatorische T-Zellen)
      • Folge: vermehrte Produktion von IL-4
      • Dadurch: IgE-Produktion durch B-Zellen
      • Weiterer Verlauf: Umschwenken zu Th1-Reaktion und IgG-Produktion (vermutlich auch durch sekundäre Infektionen mit Staphylokokken und Malassezien)
    • Vermutlich perkutane Penetration und Inhalation von Allergenen für Manifestation der Symptome notwendig

Vorkommen

  • Stetiger Anstieg der Allergien
  • Westliche Länder: 10–15 %
    • Asaisonale allergischen Erkrankungen durch Umweltallergenen: ca. 70 %
    • Futtermittelallergien: zwischen 15 und 40 %
  • Atopische Dermatitis: ausgeprägte Rasseprädisposition, oft familiär gehäuft
    • Alle Terrierarten (WHWT, Jack Russell Terrier, Border Terrier)
    • Retrieverarten (Labrador, Golden und Flat-coated Retriever)
    • Deutscher Schäferhund
    • Dalmatiner
    • Shar Pei
    • Boxer, Mops
    • Shih Tzu
    • Lhasa Apso
  • Futtermittelallergien: alle Rassen betroffen
    • Evtl. gewisse Prädisposition für Retrieverarten
  • Symptome einer allergischen Dermatitis
    • Beginn meist in ersten 3 Lebensjahren (ca. 75 %)
    • Oft anfangs milde Symptome
    • Gelegentlich zeitlich auf saisonale Allergene begrenzt

Symptome

  • Klinisches Bild von Futtermittelallergie und atopischer Dermatitis nicht zu unterscheiden
  • Primäres Symptom: Juckreiz verbunden mit Erythem oder erythematösen Papeln
    • Selten: nur Juckreiz (Pruritus sine materia)
    • Typisch: mehr oder weniger generalisierter Juckreiz
      • Lecken der Pfoten
      • Verstärktes Reiben des Gesichts
      • Ganzjährig oder saisonal
  • Häufig: wiederkehrende Ohrenentzündungen
    • In 20 % der Fälle als einziges Symptom
  • Lecken des Afters, Scheuern und Rutschen auf dem Po
    • Auch als einziges Symptom möglich
  • Andere Hauteffloreszenzen
    • Nur sekundär durch Selbsttraumatisierung, Infektionen und Chronizität
    • Pyodermien und Malassezieninfektionen = „Flarefaktoren“
      • Verstärkung des Juckreizes
      • Entstehen von Alopezie, schuppigem Fell, strengem Geruch, Pusteln oder Krusten, Hyperpigmentation und Lichenifikation
      • Leckgranulome, Hot Spots und verstärktes Schwitzen (Hyperhidrosis)
  • Verteilungsmuster der allergischen Dermatitis
    • Gesicht, Ohren, Pfoten, Achsel, Leiste, ventraler Hals und ventral des Schwanzansatzes
    • Pathognomonisch: Hautläsionen an Beuge- und Streckseiten des Carpus und Tarsus und an dorsalen Zehenrücken (nicht immer ausgeprägt)
  • Futtermittelallergien oder -intoleranzen
    • Manifestation bei ca. 15–20 % aller Tiere gleichzeitig an Haut und Magen-Darm-Trakt
    • Durchfall oder schleimiger Kot
    • Häufiger Kotabsatz (mehr als 1–2 ×/d)

 

Weiterlesen… Details zu Diagnostik, Therapie und Prognose finden Sie im VetCenter!

Das Enke VetCenter

  • VetCenter - die Online-Bibliothek von Enke

    Die Online-Bibliothek

    Das VetCenter liefert Ihnen punktgenaue Antworten auf alle Fragen rund um die Kleintier- und Heimtiermedizin. Auch auf die ungewöhnlichen.

  • VetCenter - Ihre Online-Bibliothek für die Klein- und Heimtierpraxis

    Mit Ihrem Latein am Ende?

    Beim VetCenter erhalten Sie genau das Fachwissen, das Sie im Praxisalltag benötigen. Intuitiv und ohne Umwege.

  • VetCenter - die Enke Online-Bibliothek

    Ihnen fehlt die Orientierung?

    Das gesamte Fachwissen der Kleintier- und Heimtiermedizin vernetzt und online verfügbar. Aktuelle Inhalte, seriöse Quellen, renommierte Experten.

Jetzt 14 Tage testen! Kostenlos und unverbindlich. Gleich abonnieren! Monatlich kündbar.