Altersbedingte Gewichtsverluste

Autor(en): A. Ewringmann, B. Glöckner

Ätiologie & Pathogenese

Durch Umstellungen im Stoffwechsel und im Hormonhaushalt, die unter anderem zum Abbau von Muskelmasse und straffem Bindegewebe sowie zu geringerer Dichte des Skeletts führen, kommt es im Alter bei der überwiegenden Anzahl der Kleinnager trotz unverminderter Futteraufnahme zu einem Gewichtsverlust. Das erste Auftreten dieser Veränderungen ist von verschiedenen Faktoren abhängig, generell jedoch an das zu erwartende Lebensalter gekoppelt. Daher können Mongolische Rennmäuse ab ca. drei bis dreieinhalb Jahren, Ratten und Goldhamster ab einem Alter von durchschnittlich zwei Jahren, Chinesische Streifenhamster, Dshungarische und Campbell-Zwerghamster ab etwa 21 Monaten, Mäuse ab ca. 18 Monaten und Roborowski-Zwerghamster bereits ab 15 Monaten betroffen sein.

Klinik

Betroffene Nager zeigen meist deutliche Muskelatrophien; neben der Abmagerung können Fellverluste bei unauffälligem Zustand der Haut und Alterskatarakte vorhanden sein. Vorberichtlich werden oft verlängerte Schlafphasen erwähnt.

Diagnose

Liegt lediglich eine Muskelatrophie mit entsprechendem Gewichtsverlust bei einem alten Tier vor, so kann daraus bereits auf die Diagnose geschlossen werden. Treten jedoch noch andere Faktoren auf wie z. B. Katarakte, Bradykardie oder Alopezie, so müssen die zu berücksichtigenden Differenzialdiagnosen abgeklärt werden.

Therapie & Prognose

Versuchsweise kann der Energiegehalt in der Nahrung erhöht werden, indem z. B. Haferflocken (Vorsicht beim Hamster: Haferflocken können die Backentaschen verkleben), gehackte Nüsse oder verstärkt fetthaltige Sämereien unter die Körnermischung gegeben werden. Statt Gurke und Salat empfehlen sich gehaltvollere Frischfuttersorten wie z. B. Apfel, Birne und Banane; dem Quark oder Joghurt kann etwas Traubenzucker beigemischt werden. In der Regel kann die Gewichtsreduktion mit diesen Maßnahmen verlangsamt oder aufgehalten, aber nur selten vollständig rückgängig gemacht werden. Zudem ist bei Tieren, die in einer Gruppe von Artgenossen gemischten Alters leben zu berücksichtigen, dass auch jüngere, wohlgenährte Partnertiere Zugang zur „Kraftnahrung“ haben, da eine getrennte Fütterung meist nicht realisiert werden kann.

Quelle: A. Ewringmann, B. Glöckner, Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus, Diagnostischer Leitfaden und Therapie, ISBN: 9783830410638, 2007

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